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17. August 2010, 16:31 Uhr

"Polarstern" muss abdrehen

Pech für die Polarstern: Das deutsche Forschungsschiff darf seit langem geplante Experimente vor Kanada nicht durchführen. Die Inuit hatten dagegen geklagt und Recht bekommen.

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© Hannes Grobe/Alfred-Wegener-Institut/AFP

Nach juristischen Auseinandersetzungen mit den Ureinwohnern Kanadas hat das deutsche Forschungsschiff "Polarstern" eine geplante Expedition in kanadischen Gewässern abgebrochen. Die Wissenschaftler respektierten die Bedenken der Inuit und hätten die Gewässer inzwischen verlassen, sagte eine Sprecherin des Alfred-Wegener-Institutes für Polar- und Meeresforschung (AWI) in Bremerhaven. Die Inuit hatten aus Angst um ihre Fischgründe gegen die von kanadischen Behörden genehmigte Forschungsfahrt geklagt und vor Gericht Recht bekommen.

Nach dem überraschenden Aus für die seit langem geplante Expedition drehte die "Polarstern" ab. Sie befinde sich mittlerweile in grönländischen Gewässern und setze ihre Forschungsfahrt dort fort, sagte die AWI-Sprecherin.

Auf der Fahrt durch die kanadischen Gewässer wollte eine internationale Gruppe von Wissenschaftlern seismische Untersuchungen im Lancastersund, eine Meerenge bei der Baffininsel im äußersten Nordosten Kanadas, vornehmen. Die Untersuchungen sollten Hinweise darauf geben, wie sich der amerikanische Kontinent und Grönland voneinander getrennt haben.

Das gerichtliche Verbot sei überraschend gekommen, sagte die AWI-Sprecherin. Die Untersuchungen seien auch auf Grundlage der kanadischen Umweltschutzbestimmungen genehmigt und alle Auflagen erfüllt worden.

Die Inuit befürchten, dass die bei den Untersuchungen eingesetzten Schallwellen Wale und andere Meeressäuger vertreiben, die für die Ureinwohner nach wie vor eine Nahrungsquelle sind. In den 1980er-Jahren seien ähnliche Versuche mit Sprengstoff gemacht worden. Die Wale hätten sich daraufhin über lange Zeit nicht blicken lassen.

Streit zwischen Nunavut und Ottawa

Hintergrund des Streites um die Forschungsfahrt ist auch die Auseinandersetzung zwischen den Vertretern des seit 1999 eigenständigen Inuitterritoriums Nunavut und der Zentralregierung im kanadischen Ottawa. Zwischen beiden Administrationen ist immer wieder umstritten, wie weit das Mitspracherecht der Ureinwohner gehen darf. "Das ist ein großer Sieg für die Inuit, nicht nur in der Arktis, sondern in ganz Nunavut", sagte die Inuitführerin Okalik Eegeesiak der "Globe and Mail" aus Toronto.

Nunavut ist fast sechsmal so groß wie Deutschland, hat aber mit gut 31.000 nur die Einwohnerzahl einer deutschen Kreisstadt. Wörtlich heißt der Name "unser Land".

DPA
 
 
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