Gesundes Zahnfleisch ist rosa, straff und schmiegt sich eng an den Zahn an. Bei 80 Prozent aller Deutschen sieht das Fleisch jedoch anders aus: rot, dick und krank. Bleibt das längere Zeit so, beginnt der erste Zahn zu wackeln.

Ist das Zahnfleisch entzündet, drohen die ersten Zähne auszufallen© Damdent/Wikipedia
Sie hinterlassen eine blutige Spur, wenn Sie in einen Apfel beißen. Sie spucken nach dem Zähneputzen rote Schlieren aus. Sie müssen sich nach dem Essen die Reste aus den Zahnzwischenräumen pulen. Das hatten Sie früher nicht. Ihr Zahnarzt lässt jetzt vielleicht das Stichwort Gingivitis fallen und erklärt: Das Zahnfleisch ist entzündet.
Wenn Sie Pech haben, spricht er von einer Parodontitis, einer Entzündung des Zahnhalteapparats. Von Parodontose haben Sie vielleicht schon mal gehört - genau: Das ist der umgangsprachliche Begriff für Parodontitis. Ist Ihr Fleisch schon so entzündet, müssen Sie damit rechnen, dass womöglich bald die ersten Zähne wackeln werden.
Probleme treten meist bei mangelnder Mundhygiene auf. Viele Menschen wissen nicht, dass die Zahnbürste nur zwei Drittel Ihrer Mundhöhle säubert: An die Zahnzwischenräume und an die Backenzähne kommt sie kaum heran: Diese Ecken sind ein idealer Nistplatz für ansonsten harmlose Bakterien. Zusammen mit Speiseresten und Bestandteilen des Speichels bilden sie eine klebrige Masse. Diese Plaque setzt sich bevorzugt am Rand des Zahns fest. Das Zahnfleisch reagiert auf den Belag mit einer Entzündung.
Wenn Sie der Plaque nicht mit Zahnzwischenraumbürsten oder Zahnseide zu Leibe rücken, wandert die Entzündung tiefer, bis in den Zahnhalteapparat hinein, Zahnfleischtaschen bilden sich. Diese tiefen Fleischgruben bieten Bakterien hervorragende Verstecke. Ihre Kolonien bekommen schon bald Zuzügler: Mikroben, die nicht viel Sauerstoff brauchen. Denn je tiefer die Taschen sind, umso weniger Sauerstoff kommt in sie hinein.
Das Mikrobengemisch vermehrt sich in den dunklen Räumen gut. Die Mehrzahl der Bazillen scheidet giftige Stoffe und Enzyme aus, welche die Wurzelhaut, die Stützfasern des Zahns und den Kieferknochen angreifen. Das menschliche Immunsystem reagiert mit einer Entzündung darauf. Sie soll die Bakterien vertreiben.
Ungefähr tausend Bakterienarten tummeln sich in unserem Mund. Nur wenige davon verursachen Parodontitis. Von Mensch zu Mensch können es ganz unterschiedliche Keime sein, die ihr zerstörerisches Werk tun: Bacteroides, Prevotella, Porphyromonas und Actinobacillus heißen die Übeltäter. Auch Pilze zählen dazu und Bakterien wie Enterokokken. Wie sich eine Parodontitis entwickelt, hängt davon ab, wie viele Bakterien sich mit welcher Vitalität in Marsch setzen. Ob die Kleinst-Lebewesen Ihr Zahnfleisch zerstören können, entscheidet letztlich die Antwort Ihres Immunsystems.
Wollen Sie verhindern, dass Ihr Zahnfleisch blutet, sollten Sie Ihre Zähne gut reinigen. Rauchen Sie oder sind Sie gestresst, fördern Sie die Entzündung im Mund. Mit Zahnfleischbluten müssen Sie auch rechnen, wenn Sie