Reparieren und Kitten war gestern. Mittlerweile bemühen sich Ärzte, Schäden am Gebiss so weit wie möglich zu vermeiden. Nur in Ausnahmefällen stopfen sie Löcher oder ziehen Zähne.

Heute werden Zähne so lange wie möglich erhalten© Philipp Gülland
Schützen und bewahren - das ist heute das oberste Prinzip der modernen Zahnmedizin. Noch bis in die 80er Jahre mussten die Gesetzlichen Krankenkassen vorwiegend Zahnreparaturen bezahlen, kaum aber vorbeugende Behandlungen. Und auch heute noch geben die Kassen deutlich mehr für Reparaturen aus als für zahnerhaltende Therapien. Die Organisationen der Zahnärzte kritisieren das. Sie streben eine schonende Zahnmedizin an, nach dem Motto: frühzeitig mit kleinen Maßnahmen eingreifen, um größere Schäden so weit wie möglich zu verhindern. Doch viele Ärzte gehen noch nach der alten Methode vor: Erst abwarten, dann wird eine massive Therapie unabwendbar.
Was Vorbeugung bewirken kann, zeigt sich an der Karies. Die deutsche Mundgesundheitsstudie belegt, dass sich der Zustand der Zähne vor allem bei Kindern und Jugendlichen enorm verbessert hat. Vor zehn Jahren waren bei Zwölfjährigen im Schnitt zwei Zähne defekt, heute ist es nur noch einer. 70 Prozent in dieser Altersgruppe haben gar keine Karies. Auch bei den Erwachsenen vom 35. zum 44. Lebensjahr hat sich der Gebisszustand deutlich verbessert.
Experten machen in erster Linie fluoridhaltige Zahnpasten und Speisesalz mit Fluor-Zusatz dafür verantwortlich. Aber auch regelmäßige Check-Ups beim Zahnarzt und die Versiegelung von feinen Rissen im Zahnschmelz mit Fluoridlacken haben ihrer Meinung nach viel gebracht.
Heute sind es nicht mehr Zähne mit Karies, die die Zahnärztin am häufigsten sieht. Vielmehr entdeckt sie oft gerötetes oder blutendes Zahnfleisch: Parodontitis kann sogar den Kiefer schrumpfen lassen, schlimmstenfalls fallen Zähne aus. Menschen jenseits der 35 verlieren durch Parodontitis mittlerweile mehr Zähne als durch Karies. In den vergangenen zehn Jahren erkrankten daran 30 Prozent mehr Erwachsene und Senioren als zuvor. Insgesamt leiden fast 40 Prozent der älteren Menschen unter einer schweren Form der Parodontitis.
Zum Teil liegt das daran, dass Zähnärzte heute nicht mehr so schnell zur Zange greifen: An einem Zahn, der länger im Mund bleibt, kann sich eine Zahnfleischtasche bilden - und damit Parodontitis. Eine regelmäßige professionelle Zahnreinigung, zwei- bis dreimal pro Jahr gemacht, könnte das Problem nach Meinung vieler Fachleute verhindern. Allerdings übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen nicht die Kosten dafür.