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Alkohol im Straßenverkehr: Nach dem "Idiotentest" wird weiter gesoffen

Wer zu tief ins Glas geschaut hat, dann Auto fährt und dabei erwischt wird, muss in Deutschland zum "Idiotentest". Fast jeder Dritte wird danach rückfällig.

Trotz bestandener Medizinisch-Psychologischer Untersuchung (MPU) wird fast jeder dritte Autofahrer rückfällig und wieder mit Alkohol am Steuer erwischt. Die Dunkelziffer liege jedoch beträchtlich höher, sagte Edzard Glitsch, Psychologe an der Universität Greifswald, bei einer Tagung von Verkehrstherapeuten in Düsseldorf.

Jedes Jahr müssen rund 120.000 Kraftfahrer in Deutschland zur MPU, im Volksmund auch "Idiotentest" genannt. Bis zu 70 Prozent von ihnen fallen den Angaben zufolge bei den Tests durch.

Um Rückfälle zu verhindern, sei eine Therapie notwendig. Alkoholgefährdeten Autofahrern müsse geholfen werden, ihre Probleme zu lösen, sagte Harald Meyer, Geschäftsführer des Vereins für Verkehrstherapeutische Beratung "PRO-NON". Eine Behandlung in einer zertifizierten Praxis müssen Autofahrer aus eigener Tasche bezahlen.

Dafür versprechen die Therapeuten eine deutliche Verringerung des Rückfall-Risikos. Nur zwei von hundert der behandelten Fahrer seien nach der Therapie innerhalb von zehn Jahren wieder betrunken am Steuer ertappt worden, sagte Meyer.

"Verkehrssicherheit ist ein gesamteuropäisches Anliegen"

Zur MPU muss in Deutschland, wer mit mehr als 1,6 Promille Alkohol im Blut beim Autofahren erwischt wird, wiederholt betrunken hinterm Steuer sitzt, unter Drogeneinfluss fährt oder 18 Punkte in der Flensburger "Verkehrssünderdatei" angehäuft hat. Bei dem Test untersuchen ein Arzt und ein Psychologe in einem Gespräch mit dem Betroffenen, ob er geeignet ist, ein Fahrzeug zu führen.

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Die Therapeuten forderten bei ihrer Tagung einheitliche Rahmenbedingungen der Verkehrstherapie in Europa. Während Deutschland, Österreich und die Schweiz Vorreiter seien, hinkten andere Länder wie Spanien oder Polen deutlich hinterher. "Verkehrssicherheit ist ein gesamteuropäisches Anliegen", sagte Meyer.

Mehr Sicherheit im Straßenverkehr verspricht auch die Wegfahrsperre "Interlock", die am Freitag vorgestellt wurde. Vor jedem Fahrtantritt muss der Fahrer in ein Röhrchen pusten. Das Gerät misst den Atemalkohol und löst die Sperre nur, wenn der Fahrer nüchtern ist. In Schweden wird nach Angaben der Veranstalter bereits diskutiert, eine solche Wegfahrsperre in allen Neuwagen einzubauen.

DPA / DPA

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