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Führerschein-Posse um BVB-Star Muss Marco Reus zum Idiotentest?


Marco Reus will schnell wieder ans Steuer, diesmal aber legal. Aber darf er überhaupt einen Führerschein machen oder muss er erst zum gefürchteten "Idiotentest"?
Von Gernot Kramper

Jahrelang fuhr Marco Reus ohne Führerschein Autos. Ziemlich frech ließ er sich als Werbefigur am Steuer ablichten. Obendrein soll er laut Berichten des WDR sogar gefälschte Führerscheinpapiere vorgelegt haben. Diese Missetaten wurden mit einem Strafbefehl geahndet. Und obwohl die Summe von 540.000 Euro beachtlich war, kam der Profi mit 90 Tagessätzen noch glimpflich davon: Er gilt weiterhin als nicht vorbestraft. Empörung über ein angeblich zu niedriges Strafmaß ist allerdings nicht angebracht, denn das Urteil liegt vollkommen im üblichen Rahmen. Reus handelte zwar dreist, aber schließlich wurde niemand von ihm verletzt. Seine Tat ist also weit milder zu beurteilen, als die eines Fahrers, der zwar einen Führerschein besitzt, aber angetrunken einen Unfall verursacht.

Mögliche Führerschein-Sperre

Einzelheiten und etwaige weitere Auflagen des Strafbefehls sind nicht bekannt. Sicher ist, dass man dem Torjäger den Führerschein nicht abnehmen konnte - einfach weil er keinen hatte. Denkbar wäre, dass Marco Reus für einige Zeit vom Führerscheinerwerb gesperrt wurde. Markus Schäpe, Verkehrsexperte und Jurist beim ADAC in München, sagt dazu: "Das hängt davon ab, was im Strafbefehl festgehalten ist. Normalerweise gibt es in diesen Fällen eine sogenannte isolierte Sperre. Das heißt, in einem gewissen Zeitraum kann man keine Fahrerlaubnis bekommen." Da Reus aber schon angekündigt hat, nun schnell legal eine Fahrerlaubnis erwerben zu wollen, darf man vermuten, dass so eine Sperre nicht verhängt wurde.

Doch vor der Zulassung muss der Antrag des Fußballprofis geprüft werden. Hat die Führerscheinstelle der Dortmunder Bürgerdienste Zweifel an seiner Eignung, ein Fahrzeug zu führen, müsste er zunächst die medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU), auch "Idiotentest" genannt, absolvieren. Markus Schäpe: "Mit immerhin fünf Straftaten hat er gezeigt, dass ihm das Ganze in den vergangenen Jahren egal war. Und bei Eignungszweifeln sieht der Gesetzgeber eine MPU vor. Hier könnte überprüft werden, ob sich die generelle Einstellung zum Straßenverkehr nun geändert hat."

MPU ohne Schecken

Da Reus aber schon mit dem Antrag zeigt, dass er den legalen Weg zur Fahrerlaubnis beschreiten will, ist es eher unwahrscheinlich, dass er die Prüfung über sich ergehen lassen muss. Man muss auch sagen: Es ist ganz überflüssig, den Fußballer zum "Idiotentest" zu schicken, weil er ihn ohne Probleme bestehen wird.

Worum geht es in dem gefürchteten Test? Jemand, der immer wieder negativ im Verkehr aufgefallen ist, muss vor einem Psychologen darlegen, dass er sich tief greifend geändert hat und das unakzeptable Verhalten, das er jahrelang zeigte, abgelegt hat. Einfach gesagt: Ein Trinker muss trocken sein, der Raser muss sich zum Schleicher gewandelt haben und aus dem aggressiven Drängler muss ein Friedensengel am Steuer geworden sein. Den meisten gelingt diese Wandlung nicht, sie versuchen dem Psychologen etwas vorzuspielen und fliegen damit meist auf.

Doch bis auf die freche Missachtung der Fahrerlaubnis hat sich Marco Reus im Straßenverkehr weitgehend normal verhalten. Von ihm ging keine besondere Gefahr aus und es ist nicht zu erwarten, dass von ihm in Zukunft eine Gefahr ausgeht. Reus müsste nur überzeugend darlegen, dass er die Bestimmungen der StVO in Zukunft ernst nehmen wird. Wird er also tatsächlich zur MPU geschickt, dürfte er die Prüfung problemlos bestehen.

Nicht abnehmen kann man ihm allerdings die theoretische Prüfung. Mit der Praxis in der Fahrschule dürfte er dagegen bei seiner Erfahrung keine Schwierigkeiten haben.


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