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AUS DEM STERN 30/2001: Getarnter Roboter

Werksfahrer Luigi nimmt seine Hände demonstrativ vom Steuer. Plötzlich dreht sich das Lenkrad geisterhaft nach links - unser Auto weicht elegant aus.

Der einsame Busch am Straßenrand sieht verdächtig aus. Tatsächlich - da kriecht etwas heraus. Ein weißer Terrier wackelt eigensinnig über die Straße. Werksfahrer Luigi nimmt seine Hände demonstrativ vom Steuer. Plötzlich dreht sich das Lenkrad geisterhaft nach links - unser Auto weicht elegant aus, kurvt um den störrischen Köter und setzt seine Fahrt selbstständig fort. Der Terrier erweist sich bei näherem Hinsehen als Plüsch-Töle mit Elektroantrieb, die dem Testwagen auf Schalterdruck vor die Räder rollt.

Befehlshoheit

Sie soll den angereisten Journalisten das neueste Konzept-Auto demonstrieren, das Lancia auf die Räder gestellt hat: Der revolutionäre »Nea« erfasst mit einem unter der Motorhaube eingebauten Radar jedes Hindernis und leitet selbstständig Ausweichmanöver ein. »In Extremsituationen«, so klingt das im gepflegten Werbe-Deutsch der Fiat-Tochter Lancia, wird »die Befehlshoheit automatisch an das Fahrzeug abgegeben.«

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Der Computer entscheidet

Klar, dass an diesem Wunder der Technik so was Altmodisches wie Rückspiegel nicht zu finden ist. Was die fein versteckten Kameras hinter dem Auto erspähen, präsentieren sie dem Fahrer auf drei Bildschirmen. Auch herkömmliche Instrumente sucht man an dem Prototyp vergebens. Ihre Anzeigen werden nötigenfalls auf einem vierten Bildschirm dargestellt. Wann das nötig ist, entscheidet der Computer.

Keine Unfälle mehr

Nicht einmal so banale Notwendigkeiten wie Kühlergrill, Scheinwerfer oder Türgriffe fanden Gnade vor den Designern. Die grifflosen Türen öffnen sich von innen auf Knopfdruck, von außen durch Zücken einer Code-Karte. Wie beim ICE schwingen sie majestätisch langsam auf - unter geheimnisvollem Zischen. Eine skeptische Frage, wie die Feuerwehr die Insassen nach einem Unfall aus dem Auto holen soll, wertet Chef-Designer Michael Robinson als Majestätsbeleidigung: »Dieses Auto ist so sicher, dass es in Zukunft keine Unfälle mehr geben wird!«

Mit dem Versuchsfahrzeug, das von einer Serienproduktion noch weit entfernt ist, gibt Lancia »einen Ausblick auf die passiven und aktiven Sicherheitstechnologien von morgen«. Die Marschroute in Turin ist, den Menschen mit seinen Fehlern möglichst vollständig aus dem Regelkreis des Straßenverkehrs auszuschließen. Einfacher gesagt: ein perfektes Programm zur Entmündigung des Fahrers.

Fahren? »Zu schwierig!«

Die Frage ist nur: Will der gemeine Autofahrer das? Will er seine Befehlshoheit an einen Computer abgeben? Und was sagt eigentlich der Gesetzgeber dazu? Wen klagt der Staatsanwalt an, wenn es dennoch kracht? Den Computer? Zumal die Fahrer-Assistenz-Systeme das Autofahren offensichtlich nicht leichter machen. Als die eingeladenen Motor-Journalisten, neugierig geworden, selbst eine Nea-Runde um die abgesperrte Teststrecke in Turin drehen wollen, werden sie höflich abgewimmelt: »Zu schwierig.«

Von Peter Thomsen

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.