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Auto-Unfälle: Der große Crash

Autounfälle gehören zum motorisierten Alltag wie das Brötchenholen an der Tanke. Stern.de-Autor Helmut Werb hat sie zusammengetragen, die von der Rennstrecke, die mit den berühmtesten Opfern und die Bösesten der Bösen. Und dabei festgestellt - es war schon mal schlimmer.

Von Helmut Werb

Der erste Autounfall ereignete sich am 31. August 1869, als die Irin Mary Ward von einem Dampfmobil flog und dabei ihr Leben ließ. Ob Mary dabei unter die Räder kam, oder ob der Dampfkessel das Fahrzeugs in die Luft flog und die gläubige Irin ins Jenseits anstatt nach Dublin beförderte, darüber streiten sich die Historiker. Für Mary spielte der Unterschied eh keine Rolle. Am 13. September 1899 war Henry Bliss das erste Opfer eines Verkehrsunfalls mit einem modernen Auto, als er in New York aus einer Trambahn stieg und - ausgerechnet - von einem Elektro-Taxi überfahren wurde, was die (bestenfalls) unterbewusste Abneigung der heutigen US-Regierung gegenüber Elektro-Autos erklären könnte. Wie dem auch sei, Henry und Mary starteten eine tragische Serie, die ihren Höhepunkt erstaunlicherweise schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts erlebte.

Nachdem Henry Ford im Jahr 1908 mit der Massenproduktion seines Model T’s begann, zählten Behörden in den USA allein in den Jahren 1920 bis 1930 mehr als 210.000 Verkehrstote, davon mehr als die Hälfte Fußgänger, und darunter die meisten wiederum Kinder. Vergleicht man die Automobildichte der damaligen Zeit mit der immensen Zahl der Verkehrstoten, gab es keine Periode in der modernen Zeitrechnung, in der es gefährlicher auf den Strassen zuging als damals. Dazu passt auch die Anekdote (die allerdings nie wirklich belegt werden konnte), die besagt, dass im Jahr 1908 im US-Bundesstaat Kansas die zwei einzigen in Kansas zugelassenen Autos auf einer schnurgeraden, ebenen Landstrasse miteinander kollidierten, ein bizarrer Umstand, der beiden Fahrern das Leben kostete.

Zahl der Verkehrstoten sinkt in Deutschland

So makaber-heiter solche Anlässe auch klingen mögen, die Wirklichkeit ist immer noch ebenso traurig wie nüchtern. Weltweit liegt die Zahl der Verkehrstoten pro Jahr bei über 600.000, wobei vor allem die Zahlen aus den Entwicklungs- und Schwellenländern nur schwer einzuordnen sind, da die Erhebungen nur sehr dürftig durchgeführt werden. In Deutschland sinken glücklicherweise die Zahlen stetig und lagen im letzten Jahr bei rund 5000 Verkehrstoten.

Tanklaster rast in Eisdiele

Dabei kommt es immer wieder zu Katastrophen. Im Jahr 1959 wurden 45 Passagiere eines Busses bei einem Unfall auf einem unbeschrankten Bahnübergang in Lauffen getötet. 1966 sterben 33 belgische Schulkinder, als ihr Bus von einer Autobahnbrücke stürzt. Am 11. Januar 1984 ereignet sich auf der Autobahn A61 in der Nähe von Euskirchen einer der grössten Verkehrsunfälle in der deutschen Geschichte, als im dichten Nebel mehr als hundert Autos ineinander krachen und mehrere Personen sterben. Drei Jahre später, am 7. Juli 1987 rast in Herborn ein Tanklastzug mit 34.000 Liter Benzin mitten in der Stadt in eine Pizzeria und explodiert. Sechs Menschen verlieren ihr Leben, zwölf Häuser stehen in Flammen und nachdem der Treibstoff über die Kanalisation in die Dill strömt, steht der Fluss auf 500 Metern in Flammen.

Im Oktober 1990 ereignet sich der wohl grösste Autounfall in der deutschen Geschichte auf der A9 bei Münchberg, als 170 Autos, darunter sechs Autobusse und acht LKW, bei dichtem Nebel in eine Massenkarambolage aufeinander fahren. Zehn Menschen sterben, 123 werden verletzt. Der Sachschaden beläuft sich auf fast zwei Millionen Euro. Siebenundzwanzig Menschen sterben, als am 6. September 1992 auf der B27 ein Autobus mit einem PKW kollidiert und von einer Leitplanke aufgeschlitzt wird. Am 18. Juni dieses Jahres sterben 13 Personen bei einem Busunfall auf der BAB 14 bei Magdeburg.

Tod im Tunnel

Vor allem Autotunnel erweisen sich in der Vergangenheit immer wieder als Todesfallen. Im März 1999 kommt es im Montblanc-Tunnel zu einer Feuerkatastrophe, bei der 39 Menschen ums Leben kommen. Nur wenige Wochen später explodiert ein LKW im österreichischen Tauerntunnel und brennt für 16 Stunden. Vierundzwanzig Autos brennen aus, zwölf Menschen sterben. Am 21. Oktober 2001 verbrennen elf Menschen nach einer Kollision von zwei Lastwagen im schweizerischen St. Gotthard-Tunnel. Im September letzten Jahres kommen neun Menschen im Via Mala-Tunnel in der Schweiz ums Leben, nachdem ein PKW mit einem Reisebus zusammprallt. Und am 22. Juli stürzt ein Autobus im französischen Grenoble in eine Schlucht, exakt an der gleichen Stelle, an der 1973 ein belgischer Reisebus verunglückt war. Damals kamen 43 Menschen ums Lebens. Im Juli sterben 26, zwanzig weitere wurden schwer verletzt.

Bus stürzt in den Nil

Die internationale Statistiken erschüttern. 1951 sterben 24 Schuljungen in der Grafschaft Kent in England bei einem Busunfall. In Brasilien fordert ein Busunglück im Jahr 1960 das Leben von 59 Menschen, 1965 stürzt in Kairo ein Bus in den Nil. 74 Menschen sterben. Sieben Jahre später kommen in Ägypten 77 Menschen bei einem ähnlichen Busunglück ums Leben, fast am gleichen Ort müssen im Jahr 1997 39 Menschen ihr Leben lassen, wenn wiederum ein Bus in den Nil stürzt. Fünfundsiebzig Menschen sterben in Süd Korea im Jahr 1971, wenn ein Bus in einen See stürzt. 1978 rast ein mit Propylen beladener Tanklastzug in Spanien in einen Campingplatz und bringt 215 Menschen um. In den USA sterben im Jahr 1980 bei zwei Unfällen nur Wochen hintereinander 57 Menschen, als in Tampa, Florida, nach einem Unfall eine Brücke kollabiert und in Arkansas ein Bus verunglückt. Im Juni ertrinken 90 Pakistani, als ein Bus bei Mirpur in eine Fluss stürzt.

Massen-Crash im irischen Nebel

Vierundsiebzig Menschen sterben im März 2000 in Kenya bei einem Busunglück, am 6. November des selben Jahres sterben 200 Menschen in Lagos, Nigeria, als ein Tanklastzug in einen Verkehrsstau rast und explodiert, in Uganda sterben über 70 bei einer Kollision zwischen einem Bus und einem Tanker. 2001 siebzig Tote in Duro, Portugal. Achtundzwanzig deutsche Touristen sterben am 17. Mai 2003 in Lyon. 24. Juni 2004 Tankerunglück in Zahedan, Iran: 90 Tote. Gleich drei Busse kollidieren am 13. Mai dieses Jahres in Nigeria, gehen in Flammen auf und töten über 50 Menschen. Und fast 2000 Menschen sterben beim wohl schlimmsten Verkehrsunfall der Geschichte bei einer Brandkatastrophe in einem Tunnel in Afghanistan am 3. November 1982.

Die Liste scheint unendlich lang und unendlich tragisch. Doch es gibt auch Verkehrsunfälle, die trotz ihrer Grösse fast schon glimpflich ausgehen. Am 7. März crashen fast 100 Autos im irischen Nebel im County Kildare, keiner der Beteiligten kommt ums Leben. Im April 1998 knallen 98 Autos auf der amerikanischen Interstate 70 in Missouri ineinander, es gibt - Gottseidank - nur Leichtverletzte.

Wissenscommunity

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.