AUTO Zwei Mal in die Fahrschule?

Nachdem längst klar ist, dass Fahranfänger häufiger als alle anderen Autofahrer Unfälle bauen, plant das Bundesverkehrsministerium nun den nächsten Schritt, um die jungen Fahrer straßentauglich zu bekommen.

Führerschein-Frischlinge haben es nicht leicht. Nachdem längst klar ist, dass die Fahranfänger häufiger als alle anderen Autofahrer Unfälle bauen, plant das Bundesverkehrsministerium nun den nächsten Schritt, um die jungen Fahrer straßentauglich zu bekommen. Führerschein-Neulinge sollen künftig einen zweiten Kurs in der Fahrschule absolvieren, nachdem sie ein paar Monate Erfahrungen gesammelt haben. Modellversuche, bei denen die Teilnahme zunächst freiwillig ist, werden im nächsten Jahr in zahlreichen Bundesländern anlaufen, kündigte Jürgen Huber vom Bundesverkehrsministerium auf einem internationalen Kongress »Junge Fahrer & Fahrerinnen« in Wolfsburg an .

Drei bis vier weitere Stunden

Auch der Deutsche Verkehrsicherheitsrat und Vertreter der Bundesanstalt für Straßenwesen sprachen sich für eine zweite Schulung aus. Diese soll drei bis sechs Monate nach der Führerscheinprüfung stattfinden und je drei bis vier Theorie- und Praxisstunden umfassen.

35 Tote unter 25 pro Woche

Die 18- bis 24-Jährigen seien statistisch gesehen am häufigsten in Unfälle verwickelt, sagte der Präsident des Verkehrsicherheitsrates, Manfred Bandmann, zum Auftakt des zweitägigen Kongresses. Das Risiko, bei einem Unfall zu sterben, sei bei einem jungen Fahrer drei Mal so hoch wie das aller Fahrer insgesamt. Im Durchschnitt kämen jede Woche in Deutschland 35 junge Menschen zwischen 18 und 24 Jahren bei Verkehrsunfällen ums Leben. Im europäischen Vergleich schneide Deutschland schlecht ab. Hier gebe es pro 100.000 Einwohner der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen drei Mal mehr Unfalltote als etwa in Schweden.

Risikofaktor Alkohol

Erhöhte Risikobereitschaft, Glaube an die eigene Unverletzlichkeit und das Bestreben in der Gruppe Grenzen auszutesten stellten neben der geringen Fahrerfahrung die größte Gefahr für die 18-bis 24-Jährigen dar, sagte Huber. Die hohe Zahl von Wochenend-Unfällen in dieser Altersgruppe erklärte er mit dem »besonderen Risikofaktor Alkohol« und der häufigen Nutzung des Autos als Freizeitfahrzeug.

Probezeit verkürzen

Laut Huber erarbeitet das Bundesverkehrsministerium eine Verordnung, die Modellversuche mit einer zweiten Schulungsphase in den Ländern ermöglichen soll. Um einen Anreiz für die Teilnahme zu schaffen, solle die Zeit des »Führerscheins auf Probe« auf ein Jahr verkürzt werden.

200 bis 300 Mark

In den Theoriestunden des zweiten Kurses sollen vor allem die ersten Fahrerfahrungen aufgearbeitet werden. Über eine etwaige pflichtmäßige Einführung der zweiten Fahrschulphase wird nach Auswertung der Versuche voraussichtlich im Jahr 2008 entschieden werden. Der zweite Fahrschulkurs soll zwischen 200 und 300 Mark kosten.


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