Chrysler ME Four-Twelve Super Sport (H)eiligs Blechle

Weniger kann mehr sein, muss aber nicht. Im letzten Jahr zeigte Chrysler auf der Detroit Motor Show, was man mit einem V10-Triebwerk und einem Motorrad so alles anstellen kann.

Weniger kann mehr sein, muss aber nicht. Im letzten Jahr zeigte Chrysler auf der Detroit Motor Show, was man mit einem V10-Triebwerk und einem Motorrad so alles anstellen kann. Heraus kam dabei der Dodge Tomahawk, ein 500-PS-Bike, das es zwar in die Gazetten, nie aber auf die Straße schaffte. Das rasende Kriegsbeil ist längst eingemottet. Zwischenzeitlich haben sich die Chrysler-Mannen neuen Betätigungsfeldern zugewandt und amerikanischen Größenwahn mit deutscher Ingenieurskunst verheiratet. Eine fruchtbare Ehe. Der ME Four-Twelve Super Sport ist der stärkste Chrysler, der jemals gebaut wurde.

Technische Daten

Motor

V12-Triebwerk mit vier Turboladern

Hubraum

Sechs Liter

Leistung

850 PS

Max. Drehmoment

1.150 Newtonmeter

Länge/Breite/Höhe

4.521/ 1.981/ 1.117 Millimeter

Leergewicht

1.310 Kilogramm

0-100 km/h

2,9 Sekunden

Höchstgeschw.

400 km/h

Flach und kantig

Zwei Konzepte, ein Gedanke. Schon der Tomahawk wurde in kaum einem Jahr entwickelt, warum also für einen Sportwagen länger brauchen? Zumal der Chrysler-Bolide in Sachen Design nur wenig Überraschungen bietet. Er ist flach, kantig und mit unzähligen Kühllufteinlässen durchlöchert. Wie alle Supersportwagen. Abgesehen von den breiten Chrysler-Flügeln auf dem vorderen Stoßfänger unterscheidet ihn kaum etwas von anderen Rennflundern. Einziger Hingucker: die riesigen Heckleuchten im LED-Design, die gleichzeitig Basis für den verstellbaren Heckspoiler sind.

Mehr Leichtigkeit

Was zählt, sind die inneren Werte. Und da wird`s interessant. Fahrwerk und Karosserie bestehen komplett aus Aluminium und Kohlefaser-Verbundwerkstoffen. Lediglich das Zwölfzylinder-Triebwerk ist in einem Hilfsrahmen aus Stahl verankert. Fahrer und Beifahrer werden für diese feste Art der Unterbringung dankbar sein. Immerhin ist der V12 als Mittelmotor direkt hinter den Sitzen untergebracht.

Das Vier-Turbo-Herz

Das Triebwerk selbst ist ein vertrauter Bekannter. Der Zwölfzylinder mit sechs Litern Hubraum stammt aus dem AMG-Regal und leistet im CL 65 AMG stattliche 612 PS. Zu wenig für einen echten Knüller, und so montierten die Ingenieure in Affalterbach den beiden Turboladern jeweils noch einen Kollegen an die Seite. Damit kommt der ME Four-Twelve von vier Turbos zwangsbeatmet auf 850 PS und ein maximales Drehmoment von 1.150 Newtonmeter. Da wird fast jeder LKW-Fahrer neidisch.

400 Sachen Spitze

Entsprechend wenig fallen die 1.310 Kilo ins Gewicht, die der Chrysler auf die Waage bringt. Der Sprint von null auf 100 Sachen ist in 2,9 Sekunden erledigt, den Kampf gegen den Luftwiderstand verliert der ME Four-Twelve erst bei 400 Stundenkilometern. Da ist man dankbar für ein ausgeklügeltes Aerodynamik-Paket, dessen spezieller Unterboden das Fahrzeug auf die Straße saugt und per Heckflügel mit dem Gewicht von vier Baby-Elefanten (421 Kilo) in Richtung Asphalt drückt. Gebremst wird mit Sechskolben-Bremssätteln, die sich in Scheiben aus Karbon verbeißen.

Neues Getriebe

Bemerkenswert ist die Schaltung, mit der Chrysler das wahnwitzige Drehmoment unter Kontrolle hält. Das Siebengang-Getriebe arbeitet mit zwei Kupplungen und leitet die Motorkraft ohne Zugkraftunterbrechung an die Hinterräder weiter. Bislang bieten lediglich Audi und VW ein derartiges Doppelkupplungsgetriebe an. Naiv anzunehmen, dass im DaimlerChrysler-Konzern nur die amerikanischen Autobauer von dieser neuen Technologie profitieren werden.

Anders als der Dodge-Feuerstuhl vom letzten Jahr soll der ME Four-Twelve nicht unbenutzt in irgendwelchen Showrooms versauern. Direkt nach der Detroit Motor Show, verspricht Chrysler, werde man mit ausgiebigen Erprobungsfahrten beginnen und mittelfristig sehen, was der Markt verlangt.

Und die Chrysler-Entwickler? Die arbeiten sicher längst schon an neuen, wahnwitzigen Ideen. Nach Motorrad und Auto lässt sich auch bestimmt aus Booten und Flugzeugen etwas machen. Die nächste Ausstellung in Detroit ist ja erst wieder in zwölf Monaten.

Jochen Knecht

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