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DTM: Rennspektakel im Glutofen

Gewagte Windschattenduelle und packende Überholmanöver mitten in der Großstadt. Die Formel 1 tobt sich in den Gassen von Monaco aus, die Piloten der Deutsche Tourenwagen Masters donnern bei ihrem jährlichen Stadtrennen über den Norisring in Nürnberg.

Von Christian Gebhardt

Einst als Reichsparteitaggelände erbaut und genutzt, wurden bereits 1947 die ersten Rennen auf dem Kurs im Südosten von Nürnberg am Dutzendteich ausgetragen. Seit 1984 starten auch die Tourenwagen-Boliden der DTM auf den sonst öffentlichen Straßen des Norisring. Dutzendteichkehre, Schöller-S und die Grundigkehre. Mit ihren wenigen Kurven wirkt die Streckenführung des 2,3 Kilometer langen Stadtkurses einfach. Viele Bremsmanöver auf welligem Belag und heiße Duelle im Millimeterabstand von Leitplanken und Betonmauern fordern jedoch höchste Konzentration der PS-Ritter und sorgen jedes Jahr für reichlich Trümmerteile aus Kohlefaser.

"Stadtrennen haben ihren besonderen Reiz. Der Norisring ist eine interessante Rennstrecke und die Atmosphäre ist großartig. Hier gibt es gute Überholmöglichkeiten und viele spannende Zweikämpfe. Das gefällt mir und den Zuschauern", steht für Mercedes-Pilot Mika Häkkinen fest. Der ehemalige Formel 1-Doppelweltmeister muss es wissen. 1998 gewann der Finne den Formel 1 Grand Prix von Monaco – das Mekka der Stadtrennen.

Besonderer Reiz

"Überholmanöver und spannende Zweikämpfe" ziehen die Motorsportfans an. Mit 147.000 Zuschauern erlebte die DTM am vergangenen Wochenende einen Zuschauerrekord. "Mein Bruder und ich kommen seit elf Jahren an den Norisring", erzählt Audi-Fan Torsten Scheidig, während er eine Rasenmäher-Abdeckung mit integriertem Bier-Tank auf seinem Kopf zurechtrückt. "Eigenbau. Sieht aus wie der Audi TT von Abt, Jahrgang 2001", strahlt der Schweinfurter über seine kuriose Kopfbedeckung. Warum gerade Tourenwagen und nicht die vermeintliche Königsklasse Formel 1? "Bei der DTM kommt man noch an die Fahrer ran und die Autos sind seriennaher als in der Formel 1, außerdem sind die Eintrittspreise hier nicht so hoch." Das Preis-Leistungs-Verhältnis dürfte auch Thomas Hildebrandt und Ronny Hieckel überzeugt haben. "Nach zehn Jahren hintereinander bei der Formel 1 in Monza sind wir zum ersten Mal bei der DTM. Mit der ganzen Familie kann man sich das eher leisten", so die beiden in knallrote Ferrari-Fan-Outfits gehüllten Landsberger.

Die DTM-Eintrittskarte bietet einiges. Neben dem Tribünen-Zugang können die Fans im Fahrerlager hautnah die Piloten und ihre Boliden betrachten, mit Glück ein Autogramm erhaschen. Fanartikelstände der teilnehmenden DTM-Hersteller halten vom Kugelschreiber bis zur Teamjacke alles bereit. Neben dem Dröhnen der Motoren werden mit der ARD-Chartshow auch gesangliche Höhepunkte am Wochenende geboten und die Fans schon vor Rennstart auf Touren gebracht. Leider ist der Ritt in einem der Renntaxis nur wenigen Edelfans und Prominenten vorbehalten. Als Beifahrer dürfen sie Beschleunigung und Bremspunkte neben einem echten Rennprofi hautnah miterleben.

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Kondition gefordert

Doch das Rennsportspektakel am Norisring-Wochenende verlangt auch nach körperlicher Kondition sowohl bei Fahrern als auch bei den Zuschauern. Während die Fans auf der imposanten Steintribüne an der Startzielgeraden jedes Jahr bei Temperaturen von über 30 Grad gebraten werden, herrschen für die Fahrer in den Cockpits saunaähnliche Temperaturen um die 70 Grad. "69 Runden bei dieser Hitze fordern beste Kondition und höchste Konzentration", erläutert Ex-Formel 1-Pilot und Fahrer der feuerroten stern AMG-Mercedes C-Klasse Jean Alesi die wichtigen Faktoren. Kühlende Gedanken sind daher besonders wichtig. So kämpft zumindest Audi-Pilot Timo Scheider gegen die Temperaturen beim Rennen im Glutofen. "Klar ist natürlich die körperliche Fitness wichtig, aber mentales Training ist genauso entscheidend. Als Vorbereitung für dieses Hitze-Rennen habe ich mich in einen eiskalten Berg-Wasserfall gesetzt. Dieses Bild versuche ich abzurufen, wenn es so heiß ist", erklärt der 27-jährige seine Taktik. "Gegen diese Temperaturen ist eine Sauna ja richtig angenehm – und da hat man nur ein Handtuch an und nicht Overall und Helm", schwitzt Audi-Werksfahrer Heinz-Harald Frentzen.

Fazit

Das DTM-Rennen am Norisring ist für jeden richtigen Motorsportfan Pflicht. Waghalsige Drifts endlang von Betonmauern und spannende Duelle im Leitplankenkanal machen das Rennen auf dem Norisring besonders interessant. Vor historische Kulisse erleben die DTM-Fans ihre Stars hautnah. Viel Trinken und Sonnenmilch nicht vergessen.

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