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Radar-Sensoren Tesla-Ingenieure waren "entsetzt" – nun lässt Elon Musk wohl wieder wichtige Bauteile zu

Elon Musk Tesla-CEO
Lange war Elon Musk überzeugt, dass Radar-Sensoren für autonomes Fahren bei Tesla nicht nötig seien. Offenbar ist er nun anderer Meinung.
© Jim Watson / AFP
Tesla-Chef Elon Musk war lange Zeit überzeugt davon, dass seine Autos ohne Radar-Sensoren auskommen würden und entschied sich für ein rein visuelles System für die Erkennung von Hindernissen. Aufgrund zahlloser Probleme mit dieser Entscheidung kündigt sich nun die Kehrwende an.

Äußerlich verändern sich die Tesla-Modelle seit Jahren kaum. Was die Ausstattung angeht, fährt der Autohersteller aber einen undurchsichtigen Zickzackkurs. Als das Unternehmen 2015 erstmals den Autopiloten verbaute, liefen die Autos mit Kameras, Radar- und Ultraschallsensoren vom Band. Aus Sicherheitsgründen wechselte Tesla ein Jahr später den Zulieferer und setzte auf eigene Hardware. Noch immer gehörten alle Komponenten zur Standardausrüstung der Fahrzeuge.

Tesla-Kameras scheinen doch nicht zu reichen

Das änderte sich Anfang 2021: Innerhalb von zwei Jahren entfernte Tesla alle Radar- und Ultraschallsensoren und gab zu verstehen, dass Kameras die Erkennung von Hindernissen im Alleingang meistern könnten. Wie das "Handelsblatt" berichtet, war das offenbar nicht der Weisheit letzter Schluss.

Es heißt, Tesla habe bei der US-Aufsicht Federal Communications Commission (FCC) Unterlagen eingereicht, die darauf hinweisen, dass Radarsysteme bei Autos wie dem Tesla Model S ihr Comeback feiern – und zwar in einer selbstentwickelten Variante. 

Warum bei Tesla nun anscheinend ein Umdenken stattfindet, ist nicht bekannt. Elon Musk war lange Zeit sehr überzeugt davon, dass Kameras vollkommen ausreichen. Laut "Electrek", deren Bericht sich auf "SFGate" bezieht, hatten Tesla-Ingenieure vergeblich versucht, ihn vom Gegenteil zu überzeugen.

Demnach waren einige so "entsetzt", heißt es, dass sie händeringend nach einer Möglichkeit gesucht hätten, Musk seine Entscheidung auszureden. Man habe gewusst, dass "Teslas anfällig für grundlegende Wahrnehmungsfehler wären, wenn die Kameras durch Regentropfen oder sogar helles Sonnenlicht verdeckt würden."

Es stand sogar die Frage im Raum, ob gestiegene Unfallzahlen mit den Änderungen an den Fahrzeugen zusammenhängen könnten, schreibt "SFGate". Statt aber mit Hochdruck daran arbeiten zu lassen, habe Musk sogar eine Handvoll Tesla-Ingenieure für andere Arbeiten zu Tesla geholt, darunter wohl auch Ashok Elluswamy, den Leiter der Software-Abteilung, die sich um den sogenannten Autopiloten kümmert.

Eine Verschlechterung der autonomen Fahrleistungen konnte unterdessen auch ein Reporter des "New York Times Magazine" feststellen, der seine Erfahrungen in einem langen Bericht zusammenfasste. Sein Fazit: Tatsächlich machen Teslas teils krasse Fehler in sehr klaren Verkehrssituationen. Er selbst wäre auch beinahe verunglückt.

Das deckt sich mit den vielen Meldungen, die von unerwarteten Reaktionen der Fahrzeuge mit aktivem Assistenzsystem sprechen. Dabei fallen besonders zwei Verhaltsweisen stark auf: Immer wieder crashen Teslas in geparkte US-amerikanische Rettungsfahrzeuge, oft Feuerwehrautos, mit aktiver Einsatzbeleuchtung. Anfang März starb ein Tesla-Fahrer daran, wie "CNBC" berichtet.

Hinzu kommt ein Phänomen, dass sich "Ghostbraking" nennt – die "Geisterbremse". Dabei aktivieren fahrende Teslas plötzlich und unvermittelt die Bremse, zum Teil bei hohen Geschwindigkeiten. Das soll an falsch interpretierten Daten aus der Kamera liegen, zum Beispiel wenn auf einer LKW-Plane ein Mensch gezeigt wird und der Wagen einen Fußgänger erkennt. Es gibt aber auch Videos, die eine solche Bremsung ohne jeglichen äußeren Einfluss zeigen.

Diese Art von Unfällen passierte in den vergangenen Monaten derart häufig, dass mehrere Untersuchungen an oberster Stelle durchgeführt werden. Die zivile US-Bundesbehörde für Straßen- und Fahrzeugsicherheit NHTSA meldete zuletzt am 9. Januar 2023, dass die Untersuchungen zu Unfällen und Problemen im Zusammenhang mit Teslas Technik "auf Hochtouren" laufen und man "massenhaft Ressourcen investiere". Einen Zeitpunkt, wann die im August 2021 gestarteten Ermittlungen zu einem Ergebnis kommen, gibt es jedoch nicht. 

Der Wegfall der Sensoren hat aber noch ganz andere Auswirkungen: Seit mehreren Monaten sind Neufahrzeuge nicht mehr mit einer Einparkhilfe ausgerüstet. Denn Tesla entfernte die Sensoren noch bevor eine softwareseitige Lösung für die Kamera-Systeme gefunden war. Erst jetzt soll ein entsprechendes Update fertig sein, wie Fahrer auf "Reddit" schreiben.

Immerhin, sollte man meinen, aber die fehlenden Bauteile werden künftig wohl erneut zum Problem. Im "Handelsblatt" geht Tesla-Experte Sam Abuelsamid davon aus, dass die neue Hardware, sobald sie fertig ist, nicht für die Nachrüstung vorgesehen ist. Er erklärt: "Die bisher verkauften Fahrzeuge werden nicht annähernd so gute Leistungen beim Autopiloten bringen wie jene mit der neuen Hardware. Musk hat allen Käufern ab 2016 aber gesagt, sie hätten sämtliche nötige Hardware für autonomes Fahren auf Level 5. Tesla hat sich in eine echte Sackgasse manövriert.“

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