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Erlkönige: Neue Schwaben-Streiche

Die Stuttgarter Sportwagenbauer planen für 2008 einen Ballermann mit Platz für vier, den Porsche GT Coupé. Und die Neuauflage des Klassikers 911 ist fertig.

Porsches Zugpferde lahmen. In den USA, dem wichtigsten Markt der Stuttgarter, laufen die Bestseller-Modelle 911 und Boxster nur noch halb so gut wie in den fetten Jahren. Die trendige Dollar-Schickeria empfindet den flotten Flachmann als altmodisch und unbequem. Vor allem der winzige Kofferraum, halbes Polo-Format im 911 Carrera, und die zweisitzige Bestuhlung ist den verwöhnten Kunden inzwischen zu mickrig. Daran werden auch die verspäteten Neuauflagen des Boxsters 2005 und des 911er-Klassikers 2004 nichts ändern.

Neues 911er-Cockpit

Der wird zwar innen mächtig aufgemöbelt und bekommt ein neues Cockpit samt verfeinerter Elektronik unterm Blech. Doch das wird in Länge und Breite nur um ein paar Zentimeter wachsen. Für eine zweite Sitzreihe oder das standesgemäße Golf-Besteck für Fahrer und Beifahrer reicht der Platz auch künftig nicht. Fehlanzeige auch bei neuen optischen Reizen. Der Nachfolger unterscheidet sich vom Vorgänger wie ein Ei vom anderen.

Damit die Marken-Fans nicht bei der Konkurrenz einkaufen, will Porsche daher neben Boxster, 911 und Geländewagen Cayenne eine vierte Baureihe starten: ein echter Viersitzer mit zwei Türen, reichlich Platz für Gepäck im Heck und einem wuchtigen Motor unter der Fronthaube.

Achtzylinder-Machine mit 550 PS

Technische Innereien wie Luftfederung, Allradantrieb und Getriebe für den Nachfolger können die Porsche-Entwickler aus dem Geländerenner Cayenne verpflanzen. Den Motor auch. Die Achtzylinder-Maschine mit derzeit höchstens 450 PS kann, schätzen Insider, locker auf 550 PS aufgepeppt werden. Powermäßig dürfte das für mehr als Tempo 300 und einen Spitzenplatz in der viersitzigen Express-Klasse reichen.

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Kombi-Coupé

Die könnte Porsche obendrein mit einem Schwabenstreich überraschen, nämlich mit einem zweitürigen Kombi-Coupé auf Basis des geplanten Neulings. Während die Ingenieure die grobe Planung für den möglichen Ableger mit großer Heckklappe schon fertig haben, grübeln Marketingstrategen noch, ob der zum Image des Hauses passen würde. Will heißen, ob es genügend betuchte Käufer gibt.

Technisch wäre jedenfalls alles paletti. Dennoch beschert die vierte Baureihe, vorläufig GT Coupé getauft, Porsche-Chef Wendelin Wiedeking ein dickes Problem. Seine winzige Truppe aus Technikern, Entwicklern und Fertigungsspezialisten hat schlicht keine Zeit. Zuerst waren sie mit dem Geländewagen-Monstrum Cayenne und seinen Varianten ausgebucht, jetzt steht die Renovierung der Klassiker 911 und Boxster an. Nebenbei blockieren Auftragsdienste für andere Firmen die eigenen Hausarbeiten.

Alles Folgen des rasanten Wachstums der feinen, aber kleinen Marke. Denn die ist trotz der Absatzdelle in den Staaten dank findiger Kosten- und Gleichteilepolitik seit Jahren im wirtschaftlichen Steilflug. Der Gewinn stieg um sagenhafte 160 Prozent. Für Wiedeking also kein Grund zur Hektik. Deshalb hat er die Entscheidung zum Bau des neuen GT Coupés auf Ende des Jahres verschoben. Damit erbt der Neuling, wenn er denn frühestens 2008 kommt, schon mal eine neue Macke des Hauses: die Startverzögerung.

Peter Weyer / print
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