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Europäisches Parlament: Zwangsumtausch von Führerscheinen gefordert

Der alte Papierführerschein ist für viele ein lieb gewonnenes Erinnerungsstück. Nach dem Willen des Europäischen Parlaments steht die Trennung davon bevor.

Für viele Autofahrer ist er eine Herzenssache, für Polizisten oft ein Grund zu Zorn und Kopfzerbrechen: Der alte Führerschein auf grauem oder rosa Papier. Gut 100 Jahre nach Ausstellung der ersten Fahrerlaubnis in Deutschland sind EU-weit mindestens 110 verschiedene gültige Modelle im Einsatz. Zu viel, meinen die Abgeordneten im Verkehrsausschuss des Europaparlaments: Sie forderten am Mittwoch mit großer Mehrheit den Umtausch aller alten Führerscheine gegen ein neues EU-Modell im Scheckkartenformat.

"Ein 40 Jahre altes Foto auf einem "grauen Lappen" ist eine schöne Erinnerung für den Besitzer - zur Identifizierung bei einer Verkehrskontrolle taugt es nicht mehr", sagte der SPD-Abgeordnete Willi Piecyk und stimmte für den Zwangsumtausch. Damit stellte sich der Sozialdemokrat und verkehrspolitische Sprecher seiner Fraktion gegen Parteifreund Manfred Stolpe. Der Bundesverkehrsminister hatte im EU-Ministerrat einen einheitlichen EU-Führerschein zwar befürwortet, einen Umtausch alter Dokumente aber stets abgelehnt.

Deutsche Führerschein-Vielfalt

Allein in Deutschland würde der Zwangsumtausch den Ersatz von 32 Millionen Führerscheinen bedeuten, rechnete Stolpe vor. Gerade in der Bundesrepublik herrscht eine besondere Vielfalt von rosa und grauen Papierdokumenten aus dem Westen über Fahrerlaubnisse der früheren DDR bis hin zu theoretisch immer noch gültigen Führerscheinen der Wehrmacht. Selbst die moderneren Plastikführerscheine sollen nach dem Willen der EU-Abgeordneten binnen 20 Jahren umgetauscht werden. Und die geplante EU-Karte soll dann alle 10 Jahre erneuert werden.

"Neue Bürokratie und zusätzliche Kosten für alle Autofahrer" befürchtet der CDU-Abgeordnete Georg Jarzembowski deshalb. Er hofft, das Vorhaben im Vermittlungsverfahren zwischen EU-Parlament und Rat noch stoppen zu können. Denn wenn das Parlament wie erwartet dem Votum seines Verkehrsausschusses folgt, könnten die 25 EU-Staaten im Ministerrat die Ampel erneut auf "Rot" schalten. Stolpe und seine Amtskollegen haben sich im Oktober gegen eine Umtauschpflicht ausgesprochen - allerdings nach zähen Verhandlungen.

Froh sind Piecyk wie Jarzembowski, dass zumindest der Besitzstand deutscher Autofahrer unangetastet bleibt: Der alte Führerschein Klasse 3 bleibt für Lastwagen bis 7,5 Tonnen gültig, Beschränkungen für ältere Autofahrer wurden verhindert. So leicht wie in der ersten deutschen Chauffeursschule, die 1904 in Aschaffenburg den Unterricht aufnahm, wird die Fahrprüfung in Europa allerdings nie wieder: Damals reichten acht Fahrstunden im Hof - allerdings wurden auch Fleiß, Betragen und Kenntnisse in der Wagenpflege bewertet.

Roland Siegloff/DPA / DPA

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