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Auto-Nachbauten: Diese Porsche-Modelle sind made in Griechenland

Griechenland-Krise hin, Euro-Sorgenland her: Eine ambitionierte Manufaktur in Nordgriechenland produziert Repliken historischer Porsche-Modelle - mit Erfolg.

Von Ferry Batzoglou, Athen

Bei der Gestaltung kann der Kunde frei wählen.

Bei der Gestaltung kann der Kunde frei wählen.

Der einprägsame Name der Firma: Replicar Hellas, kurz: RCH. Ilias Gaganelis, 47, aufgewachsen im deutschen Lüdenscheid, schuf die Replicar Hellas im Jahr 2008, ein paar Jahre nach seiner Rückkehr nach Griechenland. Zuerst hatte er seine eigene Karosseriewerkstatt eröffnet. Da boomte Griechenland noch.

 Sein Gedanke: in bester Qualität Repliken der Porsche-Modelle herzustellen, die in den Fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts in den Verkehr gebracht wurden. RCH stellt sechs Modelle her. Der Käufer hat zwei VW-Motoren zur Wahl, den VW Typ 1 oder VW Typ 2 mit einer Leistung von 60 bis 250 PS. Flagschiffe sind der 356 Speedster und der 550 Spyder. RCH-Gründer Ilias Gaganelis, von Beruf KFZ-Mechaniker, sagt mit sichtlichem Stolz zu stern.de: "Unsere Fahrzeuge sind handgefertigt. Sie werden vollständig in unserer Manufaktur hier in Katerini hergestellt. Wir erfüllen alle Sonderwünsche des Käufers."

Kein Orginal-Motor aber mit Verteilerkappe.

Kein Orginal-Motor aber mit Verteilerkappe.


Polyester-Haut und Käfer-Motor

Das Äußere der RCH-Fahrzeuge sei aus Polyester gefertigt. "Der 356 sitzt auf einem Chassis des Käfers von Volkswagen, der 550 dagegen auf einem Rahmen, der von der Replicar selbst gebaut ist. Die Motoren sind ebenfalls aus dem VW-Käfer, die wir aber restaurieren und aufwerten."

Wie lange muss man auf sein RCH-Auto warten? Etwa vier Monate nach der Bestellung bis zur Übergabe des Schlüssels, versichert RCH. Und der Preis? Die Kosten der Basisversion des 356 belaufen sich auf knapp 40 000 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer. Für die Basisversion des 550 hat der Käufer 80 000 Euro zu berappen. 

Ein Raser zerlegte bei einer sinnlosen Angeberaktion einen seltenen "La Ferrari", von denen nur rund 500 Exemplare existieren.

Exporte nach Europa 

RCH ist stark exportorientiert. Es existieren fünf RCH-Auslandsrepräsentanten in Österreich, Italien, Großbritannien, Belgien und Spanien. Gaganelis hebt hervor: "Die meisten Fahrzeuge werden über unsere Vertretung in Österreich in die Länder Zentraleuropas verkauft. Direkt zu Beginn dieses Jahres lagen uns von dort zehn Bestellungen vor." Seit 2008 hat RCH immerhin schon 60 Porsche-Repliken an den Mann (oder die Frau) gebracht. Bis dato hat RCH seine Fahrzeuge allesamt ins Ausland geliefert.

Im klassischen Schwarz wirkt der Wagen besonders authentisch.

Im klassischen Schwarz wirkt der Wagen besonders authentisch.


Bis jetzt, wie gesagt. Nun liegt RCH die erste Bestellung aus Griechenland vor. Woher? Aus der ewigen Boom-Insel Santorin - dem auch in Krisenzeiten immerzu blühenden Tourismus sei Dank.

Alles sehr erfreulich, möchte man meinen. Gleichwohl: RCH habe nicht die Kapazitäten, eine große Anzahl von Fahrzeugen zu produzieren, räumen die Griechen offen ein. Das Maximum an Fahrzeugen, das RCH per annum produzieren könne: 25 bis 30. Denn: "Wir sind keine Fabrik. Wir sind faktisch ein Handwerksbetrieb mit wenigen Mitarbeitern", so Gaganelis.

Dafür bringen die RCH-Mitarbeiter aber vor allem eines mit: Große Erfahrung. Die meisten hatten jahrzehntelang ihre eigenen Werkstätten. Das Credo der Griechen: Klein, aber fein.

Keine 1-zu-1-Kopie

Fakt ist: Die Replik eines Autos hat obligatorisch einige kleine, aber essentielle und vor allem wahrnehmbare Unterschiede aufzuweisen. Allein das verwendete Käfer-Chassis reiche nicht aus, ein RCH-Fahrzeug von den authentischen Porsche zu differenzieren, räumen die griechischen Autobauer offen ein.  Es gebe jedoch auch weitere äußerliche Unterschiede. Beispielsweise seien bei dem 356 Speedster von RCH die Scheinwerfer anders. Ebenfalls sei er ein Cabrio, anders als die erste Original-Version des Fahrzeugs. Unterschiede existierten auch im Innenraum eines RCH, zumal er von dem Kunden wie gewünscht gestaltet werde.

Warum sollte man eine RCH-Replik statt das betreffende Porsche-Original kaufen? Gaganelis lapidar:"Der Grund ist simpel: Für die konkreten Modelle ist unser Angebot das Beste und Erschwinglichste, was auf dem Markt zu haben ist. Die authentischen Fahrzeuge sind selten und zudem sehr teuer."

Bezahlbares Vergnügen

Und in der Tat: Nur ungefähr 20 000 Porsche 356 Speedster und einige hundert 550 Spyder wurden überhaupt gebaut - speziell der 550 nur auf spezielle Bestellung.  So befinden sich alle heute noch existierenden Exemplare in den Händen von Sammlern. Ihre Preise erreichen schwindelerregende Höhen: Ein authentischer 356 in gutem Zustand kostet 350 000 Euro, während der 550 auch eine Million Euro übersteigen kann.

Die Idee der smarten Griechen: Da sind wir Hellenen definitiv günstiger, aber qualitativ fast genauso gut. Klingt pausibel. Ist es auch. Und clever. Irgendwie so müsste auch das Geschäftsmodell von ganz Griechenland lauten, um die Krise endlich zu überwinden. RCH könnte da ein gutes Vorbild sein.

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