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Alternativen zur flüssigen Harnstoffeinspritzung: Nicht nur flüssig

Um die Dieselmotoren fit für die strenge Abgasnorm Euro 6 zu machen, behelfen sich die meisten Autohersteller mit flüssigem Harnstoff. Doch der Tank muss immer wieder aufgefüllt werden. Jetzt gibt es eine Alternative, die längere Einsatzzeiten ermöglicht.

Euro 6 kommt. Daran gibt es keinen Zweifel. In knapp einem Jahr müssen alle neu typisierten Autos diese Norm erfüllen. Ab 2015 dann alle neu zugelassenen PKW. Für Diesel-Motoren bedeutet das eine weitere Reduktion der Stickoxide-Emissionen (NOx) von 180 auf nur noch 80 pro Kilometer. Das ist eine Menge Holz. "Der Schritt von Euro fünf zu Euro sechs ist technisch noch einmal anspruchsvoller, als der von Euro vier zu fünf", sagt Jochen Stiedl Projektleiter bei der Abgasnachbehandlung beim französischen Zulieferer Faurecia.

Die Automobil-Industrie hat diese Herausforderung gemeistert, indem Harnstoff, der aus Marketing-Gründen AdBlue genannt wird, in den heißen Abgasstrom gespritzt wird. Dort sorgt er im SCR-Katalysator (selektive katalytische Reduktion) für eine chemische Reaktion mit den Stickoxiden und spaltet sie in Stickstoff und Wasser auf. Der Nachteil dieser Lösung ist, dass alle 20.000 Kilometer der Ad-Blue-Tank aufgefüllt werden muss. Hersteller wie Audi, VW, Mercedes und Mazda greifen zu dieser Methode, den Diesel-Motor noch sauberer zu machen.

Das ASD-System des französischen Zulieferers Faurecia soll bei gleichem Volumen etwa doppelt so lange halten, ehe die Kartuschen gewechselt werden müssen. Wie der Name ASDS (Ammonia Storage and Delivery System) schon verrät, setzt Faurecia auf pures Ammoniak. Auch hier ist der Name Programm: Das Ammoniak wird mit Hilfe von Salz gespeichert und dann in kleinen Dosierungen direkt an einen Katalysator, der sich in der Auspuffleitung befindet, abgeben. "Diese Direkteinspritzung ist der große Vorteil des ASD-Systems. "Der Kraftstoffverbrauch liegt mit dem ASD-System gegenüber dem Ad Blue System rund zwei bis vier Prozent niedriger", erklärt der Chef-Ingenieur des ASD-Systems Alain Sassi.

Die Reinigungsreaktion folgt dem gleichen Prinzip wie die Nachbehandlung mit Harnstoff. Allerdings muss dieses System nicht erst auf Temperatur gebracht werden, denn die chemische Reaktion erfolgt bereits bei 60 Grad Celsius. Damit beginnt die Umwandlung schon nach wenigen Metern. Im Gegensatz zu Speicherkat-Lösungen, die in kurzen Abständen mit einem "fetten Gemisch" (also mit zusätzlichem Kraftstoff) freigebrannt werden müssen.

Selbst bei diesen niedrigen Temperaturen sollen so gut wie keine Ablagerungen entstehen. Ein weiterer Vorteil ist das geringere Gewicht gegenüber der verbreiteten SCR-Variante. Die Wartung ist ähnlich einfach, wie das Nachfüllen des Harnstofftanks, da nur Kartuschen gewechselt werden müssen. Doch noch wird der Markt von der Variante flüssiger Harnstoff, der sich in einem Tank befindet, beherrscht. Das muss nicht so bleiben. Laut Faurecia-Projektleiter Jochen Stiedl hat die Ad-Blue-Einspritzung lediglich den Vorteil, weiter verbreitet zu sein. Außerdem ist die Amoniak-Speicher-Lösung keinesfalls teurer, rechnet sich also schneller für den Besitzer.

Press-Inform / pressinform
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