Artega GT Kleines, schnelles Bauherren-Modell


Der traut sich was. Klaus Dieter Frers hat mit kühlem Kopf seinen eigenen Sportwagen entwickelt - und ist dennoch mit Herzblut bei der Sache. Für den Artega GT zieht der westfälische Unternehmer auch gleich eine Fabrik hoch.
Von Frank Janßen

Man muss kein Träumer sein, um einen Traumwagen zu bauen. "Dieses Projekt", sagt Klaus Dieter Frers, "ist ein relativ kühl kalkulierter Schachzug, etwas für meine Firma zu tun und gleichzeitig zusätzliches Geschäft zu erzeugen." Frers, 55, ist Gründer und Chef des Elektronikzulieferers Paragon, eines mittelständischen Betriebs mit zuletzt knapp 111 Millionen Euro Umsatz, Tendenz steigend. Er sagt: "Der persönliche Jugendtraum des Firmengründers ist für den Kunden völlig uninteressant." Der Mann, der gelegentlich so unromantisch rüberkommt wie ein Taschenrechner, hat eine andere Motivation: "Man ist als Lieferant der Autoindustrie ständig in der Nachweispflicht, was man zu leisten imstande ist." Warum also nicht gleich ein ganzes Auto bauen, das man auch noch verkaufen kann? Für Paragon soll der Artega GT, dessen Serienversion jetzt auf dem Genfer Salon präsentiert wird, eine "rollende Visitenkarte" werden.

Frers ist ein Analytiker, dem seine eigene Analyse nicht genug ist. Statt alles selbst zu machen und sich womöglich zu verzetteln, verpflichtet er Profis. "Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler", sagt er. Nach dieser simplen, aber zutreffenden Logik heißt sein Sportwagen auch nicht etwa Frers 3600 oder ähnlich handgemacht. Im Gegenteil: Der Name Artega ist das Werk eines Spezialisten. Er wurde eigens von dem Profi Manfred Gotta ("Megaperls", "Twingo", "Actros") für dieses Auto erdacht. "Der Artega GT ist nicht nur ein neues Auto", sagt Frers. Er setzt darauf, dass der Wagen das erste Produkt einer neuen Marke wird. Eine offene Version des Artega GT soll als nächster Schritt folgen. Vor etwa vier Jahren hatte der Unternehmer die Idee, alle seine Systeme in einem Fahrzeug zu bündeln. Die Vorstellungen für seinen kleinen Flitzer waren von Anfang an sehr präzise: "Kein Rennauto für die Straße, sondern ein alltagstauglicher Reisesportwagen mit Komfort" - also ziemlich treffend die Übersetzung eines Gran Turismo aus dem Italienischen.

Nach Standards der Branche konstruiert

Ein echter GT hat nach Frers’ klassischer Interpretation einen Kofferraum, der mindestens für einen Wochenendurlaub zu zweit reicht, sowie einen großzügigen Tankinhalt (68 Liter), der effektives Kilometerfressen erlaubt. "Und so ein Fahrzeug muss auch in die Zeit passen", sagt Frers. Der Flitzer ist zwar "breit wie eine S-Klasse", aber eben auch sehr kurz, "wie ein VW Polo" - Parkplatzsuche leicht gemacht. Zudem soll ein Gewicht von 1150 Kilogramm unterboten werden, was in Kombination mit einem 300 PS starken Sechszylinder nach Frers’ Angaben "tolle Fahrleistungen" ermöglichen wird. Und einen akzeptablen Verbrauch. "Dass man so etwas entwickeln und produzieren kann, ist die eine Seite", sagt der Westfale. Speziell bei den Elektronikkomponenten braucht er sich nun wirklich keine Sorgen zu machen, denn schließlich beliefert Frers’ Firma beinahe die gesamte Autoindustrie damit.

Er kennt die Standards der Branche, und so ist der Artega GT auch nach diesen konstruiert. Ein Muss, denn schließlich stammen beispielsweise der Motor und das Getriebe von Volkswagen. "Wenn man mit derartigen Komponenten arbeiten will, muss man auch die Datensätze verwenden können", sagt Frers. "Unsere Prozesse entsprechen zu 100 Prozent dem, was auch ein Großserienhersteller macht." Crashtestsimulationen, Festigkeitsberechnungen von Radaufhängungen, Windkanalversuche - alles sei wie bei den Autokonzernen. "In den Disziplinen Fahrwerk, Erprobung und Prototypenbau haben wir uns noch Fachleute dazugeholt." Nicht nur dafür. Frers ließ sein Konzept von Willi Diez überprüfen, dem Leiter des renommierten Nürtinger Instituts für Automobilwirtschaft. Für das Design verpflichtete er den Freischaffenden Henrik Fisker, der beispielsweise bei BMW den Z8 zeichnete und später für die Aston-Martin-Modelle DB9 sowie V8 Vantage verantwortlich war. Und er holte sich ein Marketing-Schlachtross als Berater an Bord: Karl-Heinz Kalbfell, 58, ehemaliger BMW-Manager und früherer Chef von Rolls-Royce, Alfa Romeo und Maserati.

Der Businessplan steht

Bevor der sich über die Artega-Pläne beugte, stellte er erst mal Klaus Dieter Frers auf den Prüfstand: "Die entscheidende Frage für mich war, ob der ein Chef mit eigenem Fürstentum ist, oder ob der zuhören kann", sagt Kalbfell. "Es ist zwar wahnsinnig nervig, ständig von Controllern mit unangenehmen Fragen malträtiert zu werden. Aber es hat zwei Vorteile: Es macht stark. Und es vermeidet unwiderrufliche Fehler." Selbstverständlich haben Frers und Kalbfell einen Businessplan fertig. Sechs Artega-Händler sind beispielsweise für Deutschland vorgesehen. Preisliste (ab 75.000 Euro), Prospekte - alles vorbereitet. In der Fabrik, die am Firmensitz in Delbrück bei Paderborn gerade gebaut wird, sollen in diesem Jahr noch 170 Sportwagen entstehen - die Kapazität liegt bei 500. Es gibt sogar schon Einarbeitungsrichtlinien für die Monteure. Und natürlich werden die Autos dort nicht irgendwie chaotisch zusammengedengelt. Kalbfell: "Das sind industrielle Prozesse."

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