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Audi A3 Cabrio 1.8 TFSI: Respektloser Nachkömmling

Er ist der heimliche, der wahre Nachfolger des VW Golf Cabrio - zwölf Jahre nach Start der A3-Baureihe im Jahr 1996. Audi ist also spät dran, sehr spät, denn der Nachfolger des A3 steht bereits in den Startlöchern. Dennoch kommt der offene kleine Audi zur rechten Zeit.

Von Dirk Vincken

In Eleganz und Frische wischt das A3 Cabrio den zu feminin geratenen VW Eos und das unglückliche VW New Beetle Cabrio respektlos zur Seite. Konkurrenz droht dem späten Schönen da eher vom ebenfalls mit Stoffdach übermützten und fast zeitgleich erscheinenden BMW 1er Cabrio. Kein Zweifel: Das luftige Sommerkleid steht dem A3 Cabrio. Zwar erreicht das mit 4,23 Meter Länge optisch recht kurz wirkende offene Auto nicht die Eleganz des gestreckt wirkenden (und 7000 Euro teureren) A4 Cabrio, doch kommt er dem Wunsch vieler Kunden nach einem kompakten Offenen entgegen. A3-Designer Imre Kasanic fährt mit seinen Händen die Konturen des Wagens nach, betont die kraftvolle Linien, die sich vom markant tiefgezogenen Kühlergrill (im branchenüblichen Un-Deutsch à la Audi: Single Frame) über die Motorhaube ziehen. Dass der Deckel über dem Antrieb höher als sonst üblich wirkt, ist ein Zugeständnis an die verschärften EU-Baurichtlionien zum Fußgängerschutz: Alle neuen Fahrzeuge ab 2006 müssen den nichtmotorisierten Verkehrsteilnehmern höheren passiven Schutz in Form nachgiebigerer Blechteile bieten.

Geschadet hat's der Erscheinung des Audi jedenfalls nicht. Gekonnt setzt sich die hohe Gürtellinie bis ins auffällige Stummelheck fort und endet in den mit LED-Leuchtbändern ausgestatteten Rückleuchten. Was dazu führt, dass das A3 Cabrio von hinten erst mal nicht als Audi und auch nicht als A3 erkannt wird. Die wuchtigen Überrollbügel hinter den hinteren Kopfstützen ragen weit nach oben und stören die Linie doch empfindlich. Zumal sie mit Chromblenden verkleidet sind und eng beieinander stehen: Das Auto wirkt dadurch von hinten unnötig hochbeinig. Vorteil dieser Lösung (statt pyrotechnisch gezündeter, beim Unfall hochschnellender Bügel): Das A3 Cabrio verfügt über eine stattliche Durchladeöffnung, durch die sich, so Produktmanager Marcus Pausch, sogar mit einigem Geschick ein Fahrrad durchschieben lässt. Ausprobiert haben wir das allerdings nicht, zumal die lackierten Stoßfänger dann schnell verkratzen dürften. Bedingung sei auch, das Vorderrad abzubauen.

Wohltuender Gegenpol zu den grassierenden Blech-Faltdächern

Seien wir ehrlich: Echte Cabrio-Emotionen weckt nur ein Stoffdach. Denn selbst geschlossen strahlt ein vermützter Offener Besonderheit aus, jene unvergleichliche Mischung aus Extrovertiertheit, ins Bewusstsein transportiertes Gefühl der Wetterbeständigkeit bei gleichzeitiger Verletzlichkeit. Ein Stahl-Faltdach ist da bestenfalls elegant, immer öfter auch perfekt in der Ausführung, aber viel zu oft plump – wie einige französische Modelle demonstrieren – und vor allem: unpraktisch. Denn es raubt viel zu viel vom ohnehin bescheidenen Stauraum. Auch das Geräusch ist längst kein Argument mehr, betont Audi-Entwicklungsvorstand Michael Dick. Das A3 Cabrio sei innen nur ein Dezibel lauter als der normale A3. Allerdings macht dies erst eine Investition von 750 Euro in das so genannte Akustik-Verdeck möglich, das über zusätzliche Dämm- und Isolationslagen verfügt. Und nur dieses Luxus-Verdeck lässt sich noch bis Tempo 30 öffnen und schließen, was plötzlichen Regengüssen den Schrecken nimmt und spontane Sonnen-Touren in der Innenstadt erheblich vereinfacht. Dick setzt nach: Das Stoffdach spare gegenüber einem faltbaren Blech-Verdeck "gut 40 Kilogramm". Außerdem erwähnenswert: Das mattschwarze Stoffdach (alternativ: rot oder blau) "fließt" über eine gestreckte Länge von 219 Zentimetern – kaum kürzer als im offenen Bentley Continental. Sind alle vier Seitenscheiben hochgefahren und das schnell montierte Windschott (280 Euro) hinter den Vordersitzen angesteckt, reduziert sich der sonst zerrende Fahrtwind auf ein säuselndes, entmachtetes Lüftchen von oben. Das beleidigt zwar die unsichtbar mitfahrenden Cabrio-Puristen, kommt aber den Zeitgenossen entgegen, die schnell zu Erkältungen oder steifem Nacken neigen.

Gute Alltagstauglichkeit ist bei modernen Cabrios ein Muss

260 Liter tun sich auf, wenn der Kofferraumdeckel gut gedämpft hochschwingt. Werden dann die Rücksitzlehnen vorgeklappt, stehen bis zu 674 Liter zur Verfügung. Dadurch erzielt der Audi zwar keine Kombi- oder gar Minivan-Qualitäten, eröffnet aber eine Variabilität, die sonst bei Autos dieser Machart nicht üblich ist. Und die hinteren Sitzplätze dürften ohnehin eher als Ablagefläche und Stauräume dienen, denn entspanntes Sitzen über längere Strecken ist auf ihnen - zumindest für Erwachsene - kaum möglich, zu beengt geht es hinten zu, zu wenig Knie- und Fußraum ist vorhanden. Bei ersten Testfahrten neigte das A3 Cabrio zu kaum spürbaren Verwindungen, die von Grund auf umkonstruierte und verstärkte Karosserie machte einen sehr soliden Eindruck. Rund 120 Kilo bringt das Fahrzeug gegenüber der Festdachvariante mehr auf die Waage, wiegt je nach Motorisierung leer 1425 bis 1485 kg.

Kein Sechszylinder, kein Quattro

Vier Motoren stehen zur Verfügung, allesamt Vierzylinder. Den Einstieg bildet ein 1.9-TDI (Pumpe/Düse-Einspritztechnik) mit 105 PS, der naturgemäß zu eher beschaulicherer Fahrweise einlädt. Wer etwas mehr als ausreichend motorisiert sein möchte, greift besser zum 2.0-TDI mit 140 PS, zudem handelt es sich dabei um einen Common-Rail-Diesel neuester Konstruktion, der mit 320 Nm Drehmoment Schaltfaulheit begünstigt. Wer lieber Benzin tankt, kann unter zwei Direkteinspritzern wählen: zum einen der von uns gefahrene 1.8 TFSI mit 160 PS oder der 2.0 TFSI mit 200 PS, dessen Motor unter anderem auch im VW Golf GTI seine sportlichen Dienste verrichtet. Die Kraftübertragung übernehmen wahlweise ein serienmäßiges Sechsgang-Schaltgetriebe (1.9 TDI: 5 Gänge) oder ein Doppel-Kupplungs-Getriebe namens S-Tronic (2050 Euro). Uns gefiel das Handschaltgeriebe sehr gut, die Anschlüsse und Gangabstufungen passten perfekt, die Gänge ließen sich kurz, exakt und ohne jede Hakeligkeit einlegen. Das Automatikgetriebe arbeitete nicht ganz ruckfrei und ließ sich beim Zurückschalten etwas zu viel Zeit. Bleibt abzuwarten, ob Audi diesen Schönheitsfehler noch abstellt.

Zum Schluss wird's teuer

Mindestens 27950 Euro blättert der A3-Cabrio-Kunde hin, dafür gibt's den 1.9 TDI (105 PS; 250 Nm; 12,3 s/100 km/h; 185 km/h) in der günstigeren von zwei Ausstattungslinien mit dem Namen Attraction. Dazu zählen 16-Zoll-Aluräder und CD-Radio, aber eine Klimaautomatik kostet bereits 1425 Euro extra. Das obere Ende markiert der 2.0 TFSI S-Tronic (200 PS; 280 Nm; 7,3 s/100 km/h; 231 km/h) in Ambitionausstattung für mindestens 35150 Euro. Ambition?

Das Paket beinhaltet u.a. 17-Zoll-Aluräder mit Reifen 225/45 R 17, Nebelscheinwerfer, Windschott und Sportsitze. Klimaautomatik auch hier wieder: 1425 Euro. Ein Navigationssystem kostet in allen Fällen rund 2500 Euro, die in Cabrios übliche Lederausstattung nochmals bis zu 2050 Euro. Bestellen, so Audi-Sprecher Jochen Grüten, könne man das A3 Cabrio schon jetzt, im Februar 2008. Ausgeliefert würden die ersten im ungarischen Györ produzierten Schönlinge "rechtzeitig zur Cabrio-Saison". Heißt so viel wie: Mai 2008.

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Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.