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Audi RS 6: Der Herr der Ringe

Das Ingolstädter Familiengefährt A6 mutiert unter den kundigen Händen der Quattro GmbH zur Rennmaschine mit Familien-Anschluss. Wir waren mit dem 450 PS-Prachtkerl unterwegs.

Die Frage, womit hochsolvente Sportwagenfahrer nach geglückter Familiengründung ihr kleines Glück transportieren sollen, ist geklärt. Mit dem sportlichsten Serien-Audi aller Zeiten. Das Ingolstädter Familiengefährt A6 mutiert unter den kundigen Händen der Quattro GmbH zur Rennmaschine mit Familien-Anschluss. Wir waren mit dem 450 PS-Prachtkerl unterwegs.

Dass Audi im Konzert der VW-Unternehmen in Zukunft die sportlichere Geige spielen würde, war nicht erst seit der Übernahme von Lamborghini klar. Beinahe zu jeder Zeit waren außergewöhnlich sportliche Audis damit betraut, die vier Ringe durch die Gegend zu fahren. RS-Urvater war der RS 2 - ein mithilfe von Porsche entwickelter Sportler für den Audi-Fahrer mit dem Hang zum Besonderen. Inzwischen hat man in Ingolstadt Nachhilfe aus Zuffenhausen nicht mehr nötig. Längst werkelt im beschaulichen Neckarsulm die Quattro GmbH an sportlichen Audi-Varianten. Erstes Kind der Quattro-Fertigung war der inzwischen ausgelaufene RS 4. Ein A 4 der es mithilfe eines V6-Motors mit Biturbo-Aufladung auf stattliche 380 PS brachte. Nun also der nächste Streich der »Quattros«, ein Oberklasse-Fahrzeug, das bisher existierende Grenzen zu sprengen scheint.

Der »Teufel« im Detail

Wer auf dem großen Quattro-Firmenparkplatz zwischen all den Serien-Audis auf die Suche nach einem RS 6 gehen müsste, hätte einige Zeit zu tun. Understatement ist alles, dementsprechend züchtig versinkt der RS 6 in der breiten Masse moderner Autos. Erst auf den zweiten Blick enthüllen sich seine sündigen Eigenheiten. Dazu zählen unter anderem eine nicht gerade formschöne Spoilerlippe auf dem Kofferraumdeckel, sportliche Front- und Heckschürzen sowie breite Seitenschweller. Hinzu kommt die Auspuffanlage samt polierten Endrohren, die mit der Komposition des richtigen Klangerlebnisses beschäftigt ist. Die Krönung sind aber zweifelsohne die mächtigen 18-Zoll-Räder in ihren tief ausgeschnittenen Radhäusern. Auf Wunsch gibt es das Geläuf auch in der 19-Zoll-Ausführung. Reine Effekthascherei? Von wegen! Um Platz für die riesige Bremsscheibe samt Achtkolben-Bremssattel zu schaffen, geht es nicht unter 18 Zoll.

Leder, soweit die Nase schnuppert

Auch im Innenraum präsentiert sich der RS 6 als perfekter Tiefstapler. Mit einem kräftigen Griff ins Zubehörregal ließe sich wohl auch ein A 6 von der Stange auf Super-Audi trimmen. Nur wer genauer hinsieht, erkennt die Vorzüge, die ein Audi aus der Quattro-Fertigung mit sich bringt. So ist beispielsweise auch der Dachhimmel des RS 6 mit edlem Leder beschlagen. Das ist natürlich völlig unnötig, verhilft dem schnellen Ingolstädter aber zu einem kaum gekannten Geruchserlebnis. In Verbindung mit den imposanten Recaro-Ledersitzen hat man als Fahrer ständig das Gefühl, neben einer frisch gewaschenen Kuh zu sitzen. Ein Traum!

Wie es sich für ein familientaugliches Gefährt dieser Preisklasse gehört, sind selbst Wohlstands-Körper größeren Ausmaßes bestens zu verstauen. Die breiten Recaros bieten den nötigen Seitenhalt, ohne dabei an die beklemmende Enge üblicher Sportsitze zu erinnern. Dank Lederhaut eine echte Hilfe: das wuchtige, aber dennoch nicht unnötig dicke Sportlenkrad.

Das Gefühl von unbändiger Kraft

Welch Verschwendung, über 80.000 Euro nur im Stand zu genießen. Also, rein den Zündschlüssel und aufgemerkt. Vibrierend zum Leben erweckt, schnurrt der Achtzylinder im Stand wie ein Kätzchen. Und dennoch wird man das Gefühl nicht los, eher im Schoß eines Königstigers zu sitzen. Klackend rastet der Automatik-Wählschalter auf »D«, der Gasfuß wandert Richtung Gaspedal. Aha, da sind sie also, die 450 PS. Obwohl die beiden Turbolader bei den stadtüblichen Drehzahlbereichen noch friedlich schlummern, stampft der RS 6 beim Ampelstart munter vorwärts. Immer dabei: Das bedeutungsschwangere Brummeln der Auspuffanlage, die nach mehr als schnödem Stadtverkehr verlangt. Doch auch damit muss ein Über-Audi fertig werden.

Richtig spaßig wird es natürlich erst, sobald das begrenzende Ortsschild in Sicht kommt. Ein kräftiger Tritt aufs Gaspedal genügt, schon mutiert der gerade noch kreuzbrave Familienschlitten zum echten Sportler. Der geneigte RS 6-Pilot will wahrscheinlich gar nicht wissen, welche Party die 450 Pferde unter der Motorhaube feiern. Hören kann man sie zumindest nicht.

Beschleunigung bis der Magen streikt

Dafür aber fühlen. Menschen mit empfindlichen Mägen wünschen nach den ersten Beschleunigungs-Orgien den Audi-Entwicklern für die Erfindung des Quattro-Antriebs die Pest an den Hals, nur um einige Kurven später vor dieser segensreichen Technik auf die Knie zu sinken. So stressig es sein kann, in knapp fünf Sekunden auf 100 Stundenkilometer zu beschleunigen, so faszinierend ist es, auf allen Vieren durch die Kurve zu preschen. Fans von reinrassigen Sportwagen seien jedoch gewarnt: 1.840 (1.880 beim Avant) Kilo Lebendgewicht fordern in Kurven ihren Tribut. Wer es zu forsch angeht, kann sich beim Flug um die Ecke entweder mit dem Schieben über die Vorderräder oder der serienmäßigen Anti-Schleuder-Hilfe ESP auseinandersetzen.

Auf allen Vieren durch die Kurve

Spaß macht beim RS 6 jeder Abschnitt einer Kurve. Die Anfahrt, da die mehr als üppig dimensionierten Bremsen irrwitzige Bremspunkte gestatten, die Kurvenfahrt dank des Quattro-Antriebs und die Kurvenausfahrt dank des unglaublichen Leistungsvermögens des Motors. Wer in der Kurve zum richtigen Zeitpunkt den Gang wechselt (mit den Schumi-Schaltwippen am Lenkrad kein Problem) und rechtzeitig einen lockeren Gasfuß beweist, ist Recaro wirklich dankbar für die gut gepolsterte Seitenführung der Sitze. Zentrifugalkraft in ihrer reinsten Form!

Überzeugende Automatik

Möglich werden derartige Fahrmanöver durch die Leistungscharakteristik des V8-Kraftwerks. Bereits bei einer Drehzahl von 1.950 Umdrehungen liefern die jeweils fünf Ventile pro Zylinder 560 Newtonmeter Drehmoment an alle Antriebsräder. Um diese Kraft überhaupt vernünftig auf die Straße zu bekommen, verbaut die Quattro GmbH im RS 6 ausschließlich ein aus dem A 8 stammendes Automatik-Getriebe. Vertreter der reinen Lehre werden angewidert den Kopf schütteln, finden jedoch keine Gnade. Automatik oder gar kein RS 6. Punkt. Im Gegenzug hat sich Motorenspezialist und Audi-Tochter Cosworth auch besonders viel Mühe mit der Abstimmung der Automatik-Box gegeben. Der Sport-Modus in Verbindung mit den Schaltwippen am Lenkrad ist ein Genuss, auch wenn beim Herunterschalten nach wie vor eine kleine Verzögerung zu bemerken ist.

Dynamisches Fahrwerk

Einen blendenden Eindruck hat das neue Fahrwerkskonzept »DRC« (Dynamic Ride Control) hinterlassen. Das System kommt ohne aufwendige Elektronik aus, indem es die diagonal gegenüberliegenden Dämpfer des Fahrzeugs per Druckleitung verbindet. Ein zentrales Ventil sorgt dafür, dass beim kurventypischen, einseitigen Eintauchen des Vorderwagens auf der beanspruchten Dämpferseite mehr Druck zur Verfügung steht. Praktischer Nutzen: Der RS 6 bleibt in der Kurve wesentlich spurstabiler.

Fragt sich nur, wie der geneigte Familien-Rennfahrer seinen Nachwuchs im RS 6 transportieren möchte. Zwar finden sich auf der Rückbank geeignete Isofix-Befestigungen für Kindersitze, edles Kindergestühl mit dem passenden Lederbezug sucht man jedoch bisher vergeblich im Audi-Regal. Und wer möchte schon bunte Clownbezüge auf edlem Seidennappaleder sehen...

Fazit

Nach Sinn und Unsinn darf man bei diesem Auto nicht fragen. Auffällig ist nur, dass selbst langgediente Autojournalisten mit einem Grinsen von den Testfahrten zurückkamen. Daran konnten auch Testverbräuche von über 20 Litern auf 100 Kilometer nichts ändern. Zum echten Renner unter den Alltagssportlern könnte sich der familienfreundliche RS 6 Avant entwickeln. Eine derart kompromisslose Familienrakete sucht man bei der Konkurrenz vergebens. Eine vergleichbare Limousine dagegen schon. Der BMW M5 bietet vergleichbare Fahrleistungen zu einem günstigeren Preis.

Jochen Knecht

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.