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Autoklassiker: Eine Fahrt im 356-001: Porsche Nummer Eins

Viele Autobauer lassen ihre Ursprünge im Museum verstauben. Manchmal kann man aber auch eine rollende Geschichtsstunde erleben: Wir waren im ersten Porsche auf dem legendären Willow Springs Raceway unterwegs.

In Kalifornien brennt selbst im Winter die Sonne vom Himmel. Klaus Bischof rückt seine getönte Brille zurecht und genießt den Wind, der von der winzigen Scheibe des Roadsters kaum zurückgehalten wird. Bischofs Hände umklammern ein hauchdünnes weißes Lenkrad, mit dem der Leiter des Porsche-Museums seinen wertvollsten Schatz um die Kurven des Willow Springs Raceway dirigiert: Der allererste Porsche mit der offiziellen Bezeichnung 356-001 zählt schon 60 Lenze und steht normalerweise im Museum. Doch manchmal, etwa zur Vorstellung seines Urenkels Boxster, reist er noch um die Welt – und darf zeigen, was in ihm steckt.

Ein leichtes Knacken im Getriebe irritiert Bischof nicht: "Das ist halt noch unsynchronisiert", ruft er seinem Beifahrer durch den Fahrtwind zu. Das Gebrabbel des Vierzylinders wechselt seine Klangfarbe, und der Porsche startet im dritten Gang durch. Auf seinen dünnen Räderchen huscht der silberne Senior überraschend spritzig und fast ohne zu Wanken um die Biegungen. Ein Kurvenkünstler nach heutigen Maßstäben ist er freilich nicht, doch puristischer und unbeschwerter als in diesem Gefährt kann man kaum unterwegs sein – schon gar nicht in einem mit Komfort und Elektronik voll gestopften Porsche von heute.

Willow Springs ist eine der ältesten Rennstrecken der Vereinigten Staaten und liegt mitten in der kalifornischen Mojave-Wüste. 1953 drehten die ersten Rennwagen hier ihre Runden. Der 2,5 Meilen lange Originalkurs mit seinen neun Kurven ist bis heute unverändert. Er wurde nach europäischen Vorbildern konstruiert und ist vor allem eins: Verflixt schnell. Auf dem "Fastest Track in the West" erreichen Autos oder Motorräder auf den Geraden 320 km/h und durch die weiten Kurven geht es mit 100 bis 270 Sachen.

Von diesem Tempo kann der Ur-Porsche natürlich nur träumen. Der Vorwärtsdrang des 356-001 wird kurz nach der heutigen Autobahn-Richtgeschwindigkeit bei 135 km/h gestoppt. Schließlich wird der Senior vom Vierzylindermotörchen des Käfer mit 1,13 Litern Hubraum angetrieben, der ursprünglich nur 25 PS leistete.

Eine halbe Tonne Handarbeit

Wie es sich für einen richtigen Sportwagen gehört, platzierte man den kleinen luftgekühlten Saugmotor mit der zentralen Nockenwelle direkt vor der Hinterachse. Wer die Masse im Zentrum konzentriert, erreicht die beste Balance – dieses Prinzip macht noch heute den Porsche Boxster zur einer Fahrmaschine, die eigentlich mehr Spaß auf der Piste macht als ein hochgezüchteter 911er.

Mit einer von 70 auf 75 Millimeter erweiterten Bohrung, höherer Verdichtung und weiterem Feintuning wurde der Motor des ersten 356er unter der Federführung von Chefkonstrukteur Karl Rabe auf eine Leistung von 35 bis 40 PS gebracht. Der Ur-Porsche hat einen Stahlrohrrahmen mit Aluminium-Karosserie, Einzelradaufhängung, mechanische Trommelbremsen und ein Vierganggetriebe. Der fertige Prototyp brachte gerade einmal 585 Kilogramm auf die Waage. Die Aluminiumteile der Karosserie wurden über einem Holzmodell einzeln in Form gebracht.

Kurz nach dem Krieg und in einer tiefen Depression der deutschen Wirtschaft einen Sportwagen auf die Räder zu stellen, war für Porsche die eigentliche Herausforderung. "Am Anfang schaute ich mich um, konnte aber den Wagen, von dem ich träumte, nicht finden. Also beschloss ich, ihn mir selbst zu bauen", wird Markengründer Ferry Porsche zitiert.

Er führte im Mai 1948 persönlich die erste längere Testfahrt in Österreich von Gmünd nach Zell am See durch. Als einziges mechanisches Problem während der Testfahrt entpuppte sich ein Defekt an der Hinterachse, der aber unterwegs repariert werden konnte. Seine erste Zielflagge sah der Ur-Porsche im Juli 1948 beim Rennen "Rund um den Hofgarten" in Innsbruck.

Auf dem Willow Springs Raceway drehten die ersten Porsche im Jahr 1954 ihre Runden. Bis heute erfüllt das Gebrüll der Zuffenhausener Raketen bei vielen Rennen und Klassiker-Veranstaltungen die Wüste – und auch der LMP RS Spyder für die American Le Mans Series wurde in Willow Springs getestet.

Sebastian Viehmann / pressinform / PRESSINFORM
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Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.