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Bentley EXP2: Der erste und älteste Bentley der Welt

Mit dem EXP2 steht im Bentley-Werk im britischen Crewe ein echter, automobiler Schatz.

Frank Clement am 28. März 1921 am Steuer des Bentley EXP 2.

Frank Clement am 28. März 1921 am Steuer des Bentley EXP 2.

"Wenn es um materielle Dinge geht, bekommt man für Geld alles. Es gibt für alles einen Preis", weiß jeder Stammtischler. Wenn er sich da mal nicht irrt. Denn dem gegenüber steht der Begriff "unverkäuflich". Und der steht unter anderem auf einem kleinen Schild im britischen Crewe. Genauer gesagt befindet sich dieses Schild im Bentley-Werk neben einem alten Auto mit dem Namen EXP2. Ein Name, der so manch vermögendem Sammler ein Stich ins Herz versetzen dürfte, zählt dieses Fahrzeug in die allerhöchste Kategorie der Statussymbole. Denn dieser Bentley EXP2 ist der älteste noch erhaltene Bentley der Welt. Gleichzeitig ist es der erste Bentley der Welt, der für die britische Edelmarke ein Rennen bestritten und auch gewonnen hat. Zwischen den beiden Ereignissen liegen allerdings ein paar Tage, doch dazu später.

Der erste und älteste Bentley der Welt
Frank Clement am 28. März 1921 am Steuer des Bentley EXP 2.

Frank Clement am 28. März 1921 am Steuer des Bentley EXP 2.

In den Jahren 1919 und 1920 entwickelt Walter Owen Bentley, gemeinsam mit seinen engsten Vertrauten, zwei Experimentell-, sprich Vorserienfahrzeuge. Und welche Namen könnten da besser passen, als EXP 1 und EXP 2. Nach vier arbeitsamen Monaten in Cricklewood nördlich von London steht eben jenes Modell Nummer zwei auf seinen sehr schmalen und alles andere als griffigen Reifen. Das rollende Chassis stammt aus dem Hause Easter, den 3,0 Liter großen Vierzylindermotor entwickelt Bentley selbst. Der aus einem Stück gegossene Motor inklusive Zylinderkopf hat vier Ventile und zwei Zündkerzen pro Zylinder sowie eine obenliegende Nockenwelle. Zugelassen als BM 8752 werden mit dem Zweisitzer erste Testfahrten unternommen. Vor allem für ausgiebige Entwicklungsfahrten auf der Rennstrecke in Brooklands wird EXP 2 genutzt, während EXP 1 die meiste Zeit im werkseigenen Showroom steht. Sein öffentliches Debüt gibt EXP 2 1919 auf der Olympia Motor Show in London.

Es dauert zwei Jahre, bis der 129 Kilometer pro Stunde schnelle EXP 2 das erste Rennen für die Marke Bentley bestreitet. Es ist Samstag, der 7. Mai 1921, als Bentley-Werksfahrer Frank Clement am Steuer des rund 650 Kilogramm schweren EXP 2 in Brooklands um den Sieg fährt - und nicht einmal aufs Treppchen kommt. Doch bereits ein Rennen später, am 16. Mai desselben Jahres, also genau an einem Montag neun Tage später, fährt der spätere Le Mans Sieger von 1924, beim Whitsun Junior Sprint Handicap-Rennen in Brooklands den ersten Sieg in der Geschichte von Bentley ein. Nur einen Monat später gewinnt er wieder ein Rennen in Brooklands. Insgesamt fährt Bentley EXP 2 elf Siege und sieben zweite Plätze ein. Der über ein recht rudimentäres Design verfügende Bentley EXP 2 mit seiner Aluminium-Motorhaube inklusive Messingbeschlägen, der Polsterbank im sehr engen Cockpit und der kastanienbraunen Lackierung wird am 7. September 1923 an den LKW Hersteller J.E. Foden verkauft. Sein Preis: 425 Pfund.

Zu dem Zeitpunkt hat der EXP 2 bereits zwei Motorwechsel hinter sich und fährt mit dem 144. Aggregat von Bentley. Aus dem Vorserienmodel entsteht der Serien Bentley 3.0 Liter, das in den Jahren 1921 bis 1929 1.622 Mal verkauft wird. Bis zu dem Zeitpunkt, in dem er während der 1990er Jahre vollständig restauriert und auf den Stand des 1921er-Siegerfahrzeugs gebracht wird, ist nur wenig bekannt. Bekannt ist jedoch, dass EXP 1 nicht mehr existiert und der EXP 2 damit zum ältesten, noch existierenden Bentley der Welt avanciert ist. Wer heutzutage eine Runde im EXP 2 miterlebt, weiß, dass Beifahren mehr Anstrengung erfordert, als das Fahren selbst. Der Grund: Der Beifahrer muss zum einen den Kraftstoffpumpendruck regulieren und zum anderen dafür sorgen, dass er nicht aus dem Auto fällt. Denn anders als der Fahrer, der sich im Zweifel am Lenkrad festkrallen kann, bietet der EXP 2 dem Beifahrer nichts, an dem er sich festhalten könnte. Und auch, wenn der Bentley EXP 2 nur über eine Hinterradbremse verfügt. Gerast wurde und wird in dem heute unverkäuflichen Automobil dennoch - wenn auch etwas vorsichtiger als noch vor 97 Jahren.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.
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