BENTLEY GT COUPÉ Golfbags Liebling


Per Definition sind Coupés kleine, wieselflinke Zweisitzer. Außer in England. Aber für die Engländer fährt ja auch der Rest der Welt auf der falschen Straßenseite

Schon seit ihrer Erfindung leiden Golftaschen unter ihrer Größe. Ständig werden sie in Kofferräume gestopft, die einfach nicht für ihre Ausmaße ausgelegt wurden. Die Lösung für dieses Problem kommt aus England und heißt Bentley GT Coupé. Dass neben den zwei Golftaschen auch noch vier Basketballer in das 500 PS starke Coupé passen, ist eine angenehmer Nebeneffekt englischer Autobaukunst.

VW-Geld in England

Obwohl alt gediente Bentley-Arbeiter wahrscheinlich auch heute noch Pickel bei dem Gedanken bekommen: Die Übernahme durch VW hat Bentley nicht geschadet. Viel Geld ist in der Zwischenzeit in die altehrwürdige Produktionsstätte in Crewe geflossen. Davon profitiert haben Dickschiffe wie Arnage und Continental - eigentlicher Nutznießer der Neuerungen wird jedoch das GT Coupé sein. Auf dem Pariser Autosalon wird das Sport-Monster erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.

Per Definition sind Coupés kleine, wieselflinke Zweisitzer. Außer in England. Aber für die Engländer fährt ja auch der Rest der Welt auf der falschen Straßenseite... Wenn Bentley ein Coupé baut, kann es nicht klein sein. Kein aktueller Bentley ist weniger als fünf Meter lang. Immerhin müssen riesige V8-Motoren und vier Personen samt Luxus-Gepäck untergebracht werden.

Englische Tugenden und ein VW-Motor

Das Problem beim GT? So richtig wollten die sturen Engländer nicht von ihren Vorgaben abrücken. Bentley-Entwickler Jim Shaw löste die knifflige Aufgabe zusammen mit dem Designer Dirk van Braekel durch einen Griff ins VW-Regal. Um nicht zu viel Platz für den Motor zu opfern, griff die Bentley-Crew zum bewährten W12, der auch schon im Audi A8 und VW Phaeton für satten Vortrieb sorgt. Neben den üblichen Tugenden eines Zwölfzylinder-Motors zeichnet sich das Triebwerk aber vor allem durch eine sehr schmächtige Bauart aus. Lediglich die für einen Bentley inakzeptablen 420 PS-Leistung wollten nicht so recht ins Gesamtbild des sportlichen Coupés passen. Flugs wurde das kompakte Kraftwerk mit einem Biturbolader verheiratet und so zur Abgabe von 500 PS Leistung veranlasst.

Damit blieb genug Platz, um die von Bentley angepeilte Zielgruppe der Basketballer zu verstauen. Weil man ja nicht weiß, wie groß so ein Korbwerfer wirklich ist, flogen die Innenraum-Designer von Bentley extra über den großen Teich, um einige NBA-Stars zu vermessen. Resultat: Das Bentley-Gestühl lässt sich extra weit nach hinten verschieben.

Hinten wird´s eng

Im Interesse der restlichen Passagiere sollten Bentley-Kunden dennoch darauf verzichten, Dirk Nowitzki zu einer Spritztour einzuladen. Schon die Ausmaße eines Otto-Normalbürgers reichen nämlich aus, um die Reise für Passagiere auf den hinteren Sitzen zur Qual zu machen. Nicht ohne Grund empfiehlt Bentley vier erwachsenen Personen das GT Coupé vier nur für die kurze Fahrt ins Konzert. Oder eben zum Basketballspiel.

Der Spaß wird dabei auf keinen Fall zu kurz kommen. Neben der gewohnt edlen Innenausstattung (jeder Bentley wird in Handarbeit gefertigt), soll der kräftige Brite vor allem durch seine Fahrleistungen überzeugen. Die 500 PS werden durch eine Sechsgang-Automatik gerecht auf alle vier Antriebsräder verteilt und sollen dem Bentley zu einer Spitzengeschwindigkeit von 285 km/h verhelfen. Da muss selbst der kräftigste Mercedes schlucken.

Jochen Knecht


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