HOME

Bosch Assistenzsysteme: Vision Null

Das erklärte Ziel klingt kaum erreichbar: Mit diversen elektronischen Assistenzsystemen wollen Zulieferer wie Bosch das Autofahren einmal praktisch unfallfrei machen.

Alle Jahre wieder verkünden die Mathematiker des Statistischen Bundesamtes einen neuen Erfolg: Wieder einmal ist die Zahl der Verkehrstoten gesunken. Im Jahre 2012 etwa kamen auf Deutschlands Straßen 3.606 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben - ein neuer Tiefststand seit Beginn der Statistik vor mehr als 60 Jahren - 1970 waren es noch 19.193 Tote. Ein Trend, der mit dem größten Teil der Welt nicht viel zu tun hat: Die Vereinten Nationen befürchten, dass bis 2020 die Zahl der Verkehrstoten weltweit von jährlich 1,3 auf 1,9 Millionen steigt. Immerhin hofft die Weltorganisation, den Trend umzukehren.

Hersteller wie Bosch wollen das vor allem über über die Technik erreichen - etwa durch preiswerte ABS- oder ESP-Systeme, die kostengünstig - beispielsweise - in Indien auch in Motorräder oder vor Ort produzierte Kleinwagen eingebaut werden können. Nach wie vor aber sind es die westlichen Industriestaaten, in denen die Elektroniker ihre Sicherheits- und Fahrassistenzsysteme weiterentwickeln. "Treibende Kraft", sagt Gerhard Steiger, bei Bosch für den Geschäftsbereich Chassis Systems Control zuständig, "ist die Vision Zero - also Null Unfälle: Idealerweise soll gar kein Unfall geschehen."

Vor allem drei Entwicklungslinien sieht Bernd Bohr, bei Bosch für den Bereich Kraftfahrzeugtechnik zuständig, dabei als besonders zukunftsträchtig an. Im kommenden Jahr etwa soll ein erweiterter Parkassistent in Serie gehen, der das Auto auch per Smartphone in enge Garagen manövrieren lässt. Der nächste Schritt: Über eine Rundum-Videosensorik, so Bohr, "wird sich das Auto seinen Platz in Parkhäusern selbst suchen können". Ebenfalls im Jahr 2015 steht ein Stauassistent auf der Agenda, der das Fahrzeug bei zähflüssigem Verkehr nicht nur auf Abstand zum Vordermann, sondern bis 50 km/h auch in der Spur hält. Daraus werden soll ein Staupilot, der auch den Spurwechsel automatisiert. Der Mensch hinter dem Lenkrad checkt derweilen seine eMails. Ein Baustellenassistent wird das Auto mit eigenen leichten Lenkbewegungen exakt zwischen Betonwand links und Lkw rechts halten.

Während diese Entwicklungen vor allem durch Unaufmerksamkeit entstandene Blechschäden verringern sollen, geht es beim "Highway-Pilot", den Bohr bis zum Ende des Jahrzehnts erwartet, um tatsächlich autonomes Fahren auf der Autobahn - von der Auffahrt bis zur Ausfahrt. Elektronische Chauffeure, so die Prämisse, machen keine menschlichen Fehler: "Mehr als 90 Prozent aller Unfälle werden vom Fahrer verursacht," sagt Steiger.

Die soll ab nächstem Jahr auch eine Stereo-Videokamera verhindern helfen, die 50 Meter weit räumlich sehen kann. Sie ermöglicht erstmals mit nur einem einzigen Sensor eine automatische Notbremsung - etwa, wenn spielende Kinder plötzlich über die Straße laufen. Im Bosch-Testzentrum in Boxberg drehen die ersten vollautomatischen Fahrzeuge längst autonom ihre Runden. Und demnächst darf Bosch als erster Zulieferer auch auf öffentlichen Straßen das hoch automatisierte Fahren erproben.

Eines der Probleme noch dabei: Die nötigen Umfeldkarten müssen bis auf zehn Zentimeter genau sein und deutlich mehr Merkmale enthalten als derzeit. Und sie müssen im Stunden- und gar Minutentakt aktualisiert werden. Einen Weg dahin sehen die Ingenieure bei Bosch zum Beispiel darin, dass die Fahrzeuge auf der Straße auch untereinander vernetzt sein und ständig Umweltinformationen austauschen müssen - zum Beispiel über Straßenglätte oder Baustellen. "Ein Kreuzungsassistent etwa", sagt Bohr, "setzt voraus, dass sich mindestens die Hälfte der Fahrzeuge im fließenden Verkehr am Datenaustausch beteiligen."

Den Markt für Fahrassistenz-Systeme beackert Bosch nicht nur aus reiner Menschenfreude - er verspricht auf Jahre hinaus auch ein gutes Geschäft. "Schon jetzt erzielen wir damit einen Umsatz von gut fünf Milliarden Euro im Jahr", sagt Bernd Bohr und verspricht, "im Laufe dieser Dekade ein jährliches Wachstum von zehn Prozent." Denn es zeichnet sich auch in Europa ein neuer Schub ab, ausgelöst durch das künftige EuroNCAP-Ratingschema für die Fahrzeugsicherheit: Ab 2014 bekommen Neuwagen die Höchstnote nur noch, wenn sie mindestens einen Fahrassistenz-Sensor an Bord haben, ab 2016 ist ein umfassender und vorausschauender Fußgängerschutz für fünf Sterne Pflicht. Den fünften Stern gibt es dabei nur, wenn auch tatsächlich mindestens jedes zweite verkaufte Fahrzeug einer Modellreihe die Sicherheitstechnik an Bord hat. "Allein die Verfügbarkeit als optionale Ausstattung reicht also nicht", sagt Gerhard Steiger. In Japan und den USA werden ähnliche Regeln diskutiert.

Press-Inform / pressinform
Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.