Can-Am Spyder Roadster Snowmobil auf Rädern


Eines ist den Fahrern des Can-Am Spyder Roadster sicher, wenn das Vehikel Anfang 2008 auf die Stra0en rollt: Aufmersamkeit. Das Dreirad ist ein Zwitter aus Auto- und Motorradbestandteilen - mit Vor- und Nachteilen.
Von Walter Hasselbring

Fahrzeuge sind nicht nur zum Fahren da. Manche Fahrer wollen auch für ihr Gefährt bewundert werden, wenigstens aber die Aufmerksamkeit ihrer Mitmenschen erheischen. Aufmerksamkeit ist das Mindeste, was dem Can-Am Spyder Roadster nach seinem Erscheinen Anfang 2008 auf unseren Straßen gewiss ist. Dabei sieht er weder wie ein Spyder aus, denn dafür müsste er wenigstens ein Notdach haben, noch wie ein Roadster, denn dafür fehlt ihm das vierte Rad am Wagen. Bei dem Dreirad aus Kanada handelt es sich um einen Zwitter aus Auto- und Motorradbestandteilen. Freilich mit Nachteilen dieser beiden Gattungen: Man wird bei Regen nass wie auf dem Krad und braucht große Parklücken wie bei einem PKW.

Auf den ersten Blick sieht das Vehikel aus, wie ein auf Räder gestelltes Snowmobil. Was wohl kein Zufall ist, denn der Hersteller Bombardier baut neben Flugzeugen (Canadair), Jetskies und Quads auch Schneemobile. Angetrieben wird das skurrile Fahrzeug von einem 990 ccm- 2-Zylinder-Viertakt Motor von Rotax. Dieses hoch gelobte Aggregat wird unter anderem vom italienischen Motorradbauer Aprilia in der "Mille" und der "Tuono" eingesetzt. Im Can-Am leistet es 106 PS (79 kW) und katapultiert das "Trike" in 4,7 Sekunden auf Tempo 100. Mehr als 190 Stundenkilometer in der Spitze genehmigen die kanadischen Ingenieure den Kunden allerdings nicht.

Das Fahrwerk hat alle Schikanen, die man aus dem gehobenen Autobau kennt: ABS, eine elektronische Stabilitätshilfe nebst Traktionskontrolle. Umkippen ist nahezu unmöglich, das Driften allerdings auch. Leider! Dazu kommt eine dynamische Servolenkung, die in Abhängigkeit von Ladung, Drehmoment und Geschwindigkeit reagiert. Neben einem sequentiellen Getriebe, das - wie am Motorrad - mit dem linken Fuß geschaltet wird, kann man - allerdings erst in einer späteren Variante - wahlweise eine Handschaltung bekommen. Der Rückwärtsgang wird mit einem Hebelchen links am Lenker eingelegt. Das Zurückfahren ist ungewohnt, aber doch schnell erlernbar. Das gilt fürs Vorwärtsfahren nicht unbedingt. Vor der ersten Ausfahrt ist eine Schnellausbildung obligatorisch. Scholly, der Instruktor, lässt uns noch ein paar Mal rückwärts einparken, dann wird auf einer abgesperrten Strecke die Vollbremsung geprobt.

Dafür sind die Kenntnisse eines Motorradfahrers eher hinderlich. Schon lange haben wir uns angewöhnt, unser Zweirad nur noch mit dem Hebel vorne rechts am Lenkrad also nur am Vorderrad abzubremsen. Der Fußhebel für das Hinterrad bleibt unbenutzt, weil das Bremsen mit dem Hinterrad einerseits kaum Verzögerung bringt und andererseits gefährlich wird, wenn es blockiert. Beim 340 Kilogramm schweren Can-Am Spyder fehlt der vordere Bremshebel, hier wird nur mit dem rechten Fuß ein "Vollintegrales Bremssystem" aktiviert, der intuitive Griff ins Leere kann fatale Folgen haben. Nach einem Dutzend Versuchen ist Scholly aber zufrieden. Jetzt geht es ans Kurvenfahren. Schon das Langsamfahren ist gewöhnungsbedürftig. Wir sitzen schließlich in der Fahrzeugmitte und die beiden Vorderräder sind weit ausladend. Uns fehlt schlichtweg das Gefühl für die Ausmaße des 2,67 Meter langen Fahrzeugs. Scholly hat inzwischen seine 1700er Yamaha bestiegen und bedeutet uns, ihm zu folgen.

Ungewöhnliche Fliehkräfte, außergewöhnliches Fahrerlebnis

Raus geht's auf die Landstraße. Mühelos folgen wir dem Motorrad. Nur wenn ein Laster entgegen kommt, nehmen wir das Gas weg, das Gefühl für die Breite des Dreirades kommt erst ganz langsam. Zwar sind es nur gut 1,50 Meter, es kommt uns aber doppelt so breit vor. Das Fahrwerk arbeitet präzise nimmt aber jede Bodenwelle mit, ein Fahrgefühl, wie auf einem Snowmobil. Rund 70 Kilometer sind wir am Ende mit dem Gefährt aus Kanada unterwegs gewesen, haben uns langsam an die Tücken und Eigenarten des Zwittermobils gewöhnt, aber mit unserer Kurventechnik waren wir noch lange nicht zufrieden. Zu ungewöhnlich sind die Fliehkräfte, die man durch Gewichtverlagerungen bändigen muss. Auf jeden Fall kann man getrost von einem außergewöhnlichen Fahrerlebnis sprechen. Das Gefährt soll rund 16 000 Euro kosten. Soviel wird es etlichen Spaßvögeln schon wert sein, so dass wir es wohl gelegentlich zu Gesicht bekommen werden. Wetten, dass!


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