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Crosspolo 1.2 TSI: Ausritt mit Cowboy-Optik

Kein echter Geländewagen, aber kernige Optik. Mit diesem Rezept landet der Crosspolo von Volkswagen beim Kunden. Der Wagen darf zwar auf keinen Fall ins Gelände, sieht aber nach Offroad aus.

Von Gernot Kramper

Früher wurden Rallyestreifen und Spoiler auf die Autos geklebt – heute gibt es so etwas wie den Crosspolo. Dass SUVs meist auf der Straße bewegt werden, weiß jeder. Volkswagen hatte den Mut, aus dieser Binsenweisheit die Konsequenzen zu ziehen. Mit der Crossreihe bekamen die häufig eher bieder wirkenden Volkswagen einfach ein Paket Geländeoptik, und der Kunde war zufrieden. Auch der neue Polo kommt jetzt als Geländeposer daher. Von außen fällt zunächst die Rundumbeplankung mit Kunststoff auf. Normalerweise sind unlackierte Schürzen ein Zeichen der günstigen Einstiegsversion, der Crosspolo schafft das Kunststück, die einfachere Machart als Schmankerl zu verkaufen. Sie kann den unteren Teil des Wagens immerhin vor Kratzern und Parkremplern schützen.

In der Frontschürze sind Nebelscheinwerfer integriert. Sowohl vorn wie auch hinten glänzt der Crosspolo mit einem "optischen" Unterfahrschutz – geschützt wird also gar nichts, es sieht nur nach Armierung aus. Immerhin ist die Bodenfreiheit 15 Millimeter größer als in der Serie. Auf dem Dach ist immer eine silber eloxierte Dachreling angebracht. Im Paket befinden sich weiterhin schicke 17-Zoll-Leichtmetallräder. Auch im Inneren wirkt der Crosspolo deutlich flotter. Vergleicht man den Preis mit einem weitgehend gleich ausgestatteten Serien-Polo, bleibt für die Crossoptik ein Aufpreis von 500 Euro. Ob man ein Extra wie die zusätzliche Bodenfreiheit benötigt, sei einmal dahin gestellt. Bucht man derartige Aussattungen persönlich unter "eigentlch unnötig" ab, ergibt sich ein Aufpreis von etwa 1500 Euro. Alles in allem ist die Preisgestaltung moderat.

Aufgehübscht an vielen Stellen

Die Preise für den VW Crosspolo beginnen bei 16.550 Euro. Günstig ist der Einstieg also nicht. Kein Wunder, den Einstiegsmotor gibt es für den Lifestyle-Polo nicht, außerdem wird der Crosspolo nur als Fünftürer verkauft. 20.150 Euro muss man für das Modell mit dem stärksten Motor und DSG-Getriebe hinlegen. Für 16.550 Euro gibt es übrigens den Outdoor-Look, aber nicht einmal eine Klimaanlage. Auch das Crosspaket ändert an der selbstbewussten Einpreisung des Polos wenig.

Zusätzlich zu sechs üblichen VW-Farbtönen kann der Crosspolo in den Farben "Magma Orange" und "Terra Beige Metallic" bestellt werden. In Kombination mit der Cross-Optik verändert die Wahl der Farbe den Eindruck gewaltig, den der Wagen hinterlässt. In Hell-Metallic wirkt der Crosspolo sehr elegant, in Orange spritzig und "Terra Beige Metallic" aggressiv.

Neben den Hauptmerkmalen des Optik-Pakets gibt es eine Menge liebevoller Details. Die Griffe von Türen und Heckklappe sind in Wagenfarbe lackiert. Die Blenden von B- und C-Säulen sind glänzend schwarz. Die Sportsitze sind im zweifarbigen Dekor gehalten. Zusammen mit den Außenlackierungen macht der Polo mit den Bezügen eine Menge her und entfernt sich gewaltig von der bekannten Wolfsburger Sachlichkeit, die manche als Tristesse interpretieren.

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105 PS sollten es sein

Wie beim Polo-Modell ohne Geländeanzug beginnt echter Fahrspaß mit der 1.2 TSI-Maschine und 105 PS. Angeboten werden im Crosspolo allerdings je drei Benziner und Dieselmotoren, die zwischen 70 und 105 PS leisten. Mit den kleineren Motoren kann man die Möglichkeiten des Autos des Jahres 2010 allerdings nicht wirklich erfahren. Mit immer noch moderaten 105 PS ist der Polo dann sehr gut unterwegs. Er kommt in weniger als zehn Sekunden auf hundert und fährt immerhin 188 km/h-Spitze. Gerade die sportliche Aufmachung des Crosspolo erfordert den stärkeren Antrieb. Wer es schnell geschaltet mag, kann für 1.300 Euro das neue 7-Gang-DSG ordern.

Wie bei jedem Optikpaket muss die Entscheidung für den Crosspolo aus dem Bauch heraus kommen. Einen wirklichen Mehrnutzen bietet der Crosser nicht – an einen Offroadeinsatz ist überhaupt nicht zu denken. Auch mehr Traktion gibt es ohne Allradantrieb nicht. Beim Vorgänger war der Griff zur Camouflagekosmetik wegen seines blassen Aussehens notwendiger als heute. Der neue Polo sieht auch ohne Macho-Rüstsatz schon attraktiv aus, ihn muss man nicht notwendigerweise umfrisieren. Spott nach dem Motto "sieht aus wie ein Bulle, traut sich aber nicht auf die Weide" liegt bei den Crossmodellen nahe – trifft die Sache jedoch nicht. Ein Massenhersteller wie Volkswagen wagt hier eine vorkonfektionierte Individualisierung. Aufgrund der hohen Absatzzahlen gelingt das zu einem überzeugenden Preis.

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Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.