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Daimler DS 420: Katz Royal

Ein Daimler ist sozusagen die Perserkatze unter den Jaguars: Edel, geschmeidig und versnobt bis ins Mark. Im Fond einer solchen Nobelkutsche fühlt man sich wie ein Mitglied der Royal Family. Leider spielt das Volk nicht immer mit.

Von Sebastian Viehmann

Langsam und vorsichtig bugsiert Harry Hemmann den Daimler aus der Garage. Die 5,7 Meter lange Karosserie will einfach kein Ende nehmen. Hemman ist bei Jaguar für den 18 Jahre alten Nobel-Youngtimer zuständig. Zusammen mit einem E-Type von 1961 wird der DS 420 eigentlich nur für besondere Events aus der Garage geholt. Schließlich handelt es sich um einen besonders edlen Briten: Als Luxussparte des Jaguar-Konzerns war Daimler schon immer eine Spur exquisiter und versnobter als die gewöhnlichen Raubkatzen-Limousinen. Das zeigt schon die rare Zweifarblackierung: Unten königliches Dunkelblau, über den Türgriffen dezentes Blaugrau. Das Dunkelblau wird durch einen goldenen Zierstreifen aufgelockert, der bei Daimler noch von Hand aufgepinselt wurde.

Da kein Diener zur Stelle ist, um den Verschlag zu öffnen, müssen wir selbst Hand anlegen. Die schwere Tür schwingt auf und gibt den Blick frei auf einen Innenraum, vor dessen verschwenderischem Platzangebot selbst eine S-Klasse kapitulieren muss. Die Beinfreiheit ist so üppig, dass die zierliche Queen hier im Kreis joggen könnte. Die großen Fußrasten dienen beim Umklappen als Notsitze. Eine elektrisch versenkbare Trennscheibe sorgt dafür, dass die herrschende Klasse unter sich bleibt. Wir versinken in den plüschigen Sitzen und erfreuen uns an Details wie den verchromten Leselämpchen oder den hinteren Ausstellfenstern mit fein gewebten Vorhängen.

Quarzuhr wie aus dem Discounter

Damit Blaublüter auch nach dem Herunterlassen der Trennscheibe einen schönen Anblick haben, ist das Armaturenbrett komplett mit Holz verkleidet. Sogar die Innenseite der hinteren Fensterrahmen ist damit beplankt. Allem Luxus zum Trotz hat der Daimler auch Ecken, die man als absoluten Stilbruch werten muss. Die Quarzuhr vor der Trennwand zum Beispiel sieht aus, als hätte man sie für 9,99 Euro im Discounter gekauft. Dafür steht ein Champagnerkübel parat. Auf Wunsch stattete Daimler den DS 420 sogar mit Minibar und Fernseher aus.

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Doch zunächst müssen wir die Annehmlichkeiten vergessen: Auf der Fahrt zum Foto-Shooting versperrt ein Kipplaster an einer Baustelle den Weg. Die standesgemäße Reaktion wäre wohl, die Scheibe einen Spalt herunterzulassen, einen Bauarbeiter herbeizuwinken und ihn mit einem barschen "Schaffe er den Laster da weg, Bursche" zum Räumen der königlichen Straße aufzufordern. Die Männer sind von dem Daimler jedoch nicht besonders beeindruckt. "Dat kann hier noch dauern", bedeutet uns der Mann des gemeinen Volkes mit der Schaufel in der Hand. Schließlich finden wir doch noch eine ruhige Landstraße, wo wir den Daimler in Szene setzen können.

Wie die "Queen Mary" in Seenot

Für viel mehr als gediegenes Dahingleiten eignen sich allerdings weder Motor noch Fahrwerk des Briten. Ein Reihensechszylinder mit 4,2 Litern Hubraum surrt unter der Haube und leistet 165 Pferdestärken, die mit der schon im Leerzustand 2,2 Tonnen schweren Nobelkutsche arg zu kämpfen haben. In Kurven neigt sich der Daimler zur Seite wie die "Queen Mary" in Seenot. Doch der Wohlfühl-Faktor in diesem Refugium aus Wurzelholz und Stoff stimmt: Hier bin ich Brite, hier darf ich sein.

Der DS 420 nimmt eine Sonderstellung ein, denn er ist der einzige Daimler, der nach der der Übernahme durch Jaguar ausschließlich als Daimler und nicht nur als Edel-Version eines baugleichen Jaguar entwickelt wurde. Von 1968 an wurde der DS in der renommierten Karosserieschmiede Vanden Plas gebaut, ab 1980 direkt bei Jaguar in Coventry.

Limitierter Luxus-Liner

Der DS 420 erlangte vor allem als Staats- und Repräsentationslimousine Berühmtheit. Die Queen bei offiziellen Auftritten ohne ihren Daimler - undenkbar! Auch wenn Prinz Charles mal nicht mit Camilla, sondern mit Gemahlin Diana ausritt, wurde gern der Daimler gesattelt. Die Staatslimousinen waren fast immer in klassischem Schwarz lackiert. Es gab nur wenige Ausnahmen, etwa die grell grüne Limousine, die sich ein nigerianischer Präsident passend zur Staatsflagge anfertigen ließ. Kurz bevor die Produktion 1992 eingestellt wurde, entstanden noch drei Autos: Zwei waren für die Royal Family bestimmt, das dritte baute Daimler als Ausstellungsstück fürs eigene Museum. Insgesamt wurden nur rund 5000 DS 420 gefertigt.

Kutschen-Ersatz für Hochzeitspaare

Wo unser blau-grauer Daimler früher im Einsatz war, kann Harry Hemmann nicht sagen. Die Standarten an den Kotflügeln verraten allerdings, dass die Limousine in diplomatischen Diensten gestanden hat. Es dürften also schon einige Promis, Politiker oder Blaublüter in den plüschigen Polstern gesessen haben. Heute kommen viele Daimler-Limousinen auch dem gemeinen Volk zugute: Die Dickschiffe sind nicht nur in England als Kutschen-Ersatz für Hochzeitspaare heiß begehrt - das ist eben echte Demokratie.

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