Diesel-Vans Riesen im Kleinformat


Hochdach-Autos sind erfolgreiche Zwitter zwischen kompakten Limousinen und ausgewachsenen Familien-Vans. Der stern hat vier neue Modelle im Alltag getestet.

Mehr Übersicht. Mehr Zuladung. Mehr Variabilität. Was normale Limousinen der Golf-Klasse nicht bieten können, versprechen ihre neuen Hochdach-Ableger. Obendrein kommen sie vergleichsweise preiswert daher. Zwar kosten sie zwischen rund 1000 und 3000 Euro mehr als die Klassiker, sind aber bis zu 5500 Euro günstiger als ausgewachsene Vans. Bei ähnlichen Vorzügen.

Vier aktuelle Vertreter der hochgeschossigen Familienkutschen hat der stern unter die Lupe genommen: Ford Focus C-Max, Renault Scénic, Toyota Corolla Verso und VW Golf Plus. Auf den ersten Blick gibt es, außer im Design, kaum wichtige Unterschiede. Umklappbare und ausbaubare Sitze hinten haben alle, ebenso Ablagen ohne Ende. Dazu Dieselmotoren in der Zwei-Liter-Hubraumklasse und Preise (bei gehobener Ausstattung) um die 24 000 Euro. Ende der Gemeinsamkeiten. Vor allem im Fahrverhalten offenbaren sich erhebliche Gegensätze. Für Großfamilien oder Handball-Teams ist der Corolla Verso erste Wahl: Als einziger der vier Kandidaten bietet er sieben Sitze in drei Reihen, ist dabei nur eine Handspanne länger als ein herkömmliches Kompaktauto.

Lange sollte die Tour im voll besetzten Japaner aber nicht dauern. Egal, wie die verschiebbare zweite Reihe steht, ganz hinten bleibt allenfalls Platz für Bodenakrobaten oder Haustiere. Die haben's dann ausgestreckt auf dem Ladeboden bequemer, zumal die Rücksitze schnell in einer durchgehenden Fläche verschwinden können - und viel weicher als der Boden nicht sind. Müssen sie auch nicht, denn das Fahrwerk poltert nicht, trampelt nicht, gleitet eher etwas zu softig über alle Sünden der Straßenbauer hinweg. Immer beruhigend gemächlich. Denn der Siebensitzer ist mit Abstand das schwerste und behäbigste Hochdachauto unter den Vergleichskandidaten und muss zudem, anders als alle anderen, serienmäßig mit einem Fünfgang-Schaltgetriebe auskommen.

Selbst der Renault Scénic mit weniger Hubraum ist zügiger unterwegs. Dennoch kommt nur schwer zügellose Fahrfreude auf. Nicht nur wegen der missratenen Armaturentafel in der Cockpit-Mitte. Der französische Urvater aller Minivans ist in Lenkung, Fahrwerk und Sitzen fürs teutonische Autogemüt zu weich ausgelegt. Zumindest bei flotter Gangart eine nervige Sache, weil der Fahrer oft mit Kurskorrekturen beschäftigt ist. Und außerdem unnötig, denn die Fahrsicherheit ist erstklassig. Klarer Pluspunkt ist das Gestühl im Fonds. Alle Rücksitze lassen sich längs um mehr als 20 Zentimeter verschieben. Ist der mittlere Sitz ausgebaut, können zwei Hinterbänkler die Außensitze kuschelig zusammenrücken.

Den Trick hat der Ford Focus C-Max noch besser drauf. Bei ihm muss der mittlere Sitz nicht ausgebaut werden. Einfaches Umklappen genügt. Ebenso beeindruckend sind die Fahrwerksqualitäten des Kölners. Genau richtig für Familienoberhäupter, die dem Nachwuchs den Begriff Querbeschleunigung demonstrieren wollen. Besser ist der Kompromiss zwischen Komfort und Sportlichkeit in dieser Klasse nicht hinzubekommen. Zu nörgeln gibt's allenfalls an der mageren Ausstattung. Erstens ist wenig serienmäßig an Bord, zweitens kosten einige Sonderausstattungen happig viel Aufpreis (siehe Tabelle).

Dafür war bislang Volkswagen verschrien. Doch bei der Basisausstattung des Golf Plus punkten die Wolfsburger überraschend. Sie beweisen zudem, wie man mit durchdachten Details Gutes noch besser gestalten kann. Beispielsweise das klar gegliederte Cockpit mit dem so hoch wie möglich gesetzten Display und den insgesamt acht Front-Luftdüsen für relativ zugarme Klimatisierung. Gemeinsam mit dem ausgewogenen Fahrwerk, kaum schlechter als im C-Max, entsteht vorbildlicher Langstreckenkomfort.

Weiterer Pluspunkt ist der variable Kofferraumboden, der zweifach in der Höhe verstellbar ist. Hochgestellt entsteht darunter ein zweiter Stauraum für Kleinkram oder Sportutensilien, darüber ist der eigentliche Gepäckraum. Da gehen die beiden Schwachstellen glatt unter. Die Rücksitze sind nicht quer verschiebbar, und der Dieselpartikelfilter kostet stramme 565 Euro Aufpreis.

Peter Weyer print

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