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Elektroroller Govecs Go! S2.4: Die Zukunft rollt schon

Mit dem Govecs Go! S2.4 kann jeder vollelektrisch mobil sein, ohne Verzicht zu leiden. Anders als beim E-Auto stimmt die Reichweite, auch der Preis bleibt erträglich. Wenn nur das Steckdosenproblem nicht wäre.

Die gute Nachricht zuerst: Anders als bei Elektroautos stimmt beim Eelktroroller Govecs Go! S2.4 die Reichweite: Sie wird vom Hersteller mit 60 bis 100 Kilometern angeben, und im Flachland mit einem Fahrer sind die versprochenen 100 Kilometer locker zu erreichen - selbst wenn Top-Speed gefahren wird.

Auf das gewohnte Kreissägengeräusch und den blauen Dunst aus dem Auspuff muss man verzichten. Motor und Antriebsriemen produzieren ein Surren, ganz lautlos ist der Roller also nicht. Startvorgang und Fahren unterscheiden sich kaum vom Motorroller: Der Govecs springt per Schlüsseldrehung an, ein Gangwechsel ist beim Fahren nicht nötig. Mit einer Leistung von 3KW bzw. 4PS zieht der Elektroroller aus dem Stand sehr gut an, im reichweitenschonendem Eco-Mode geht es betulich, aber erträglich los. Nur mit zwei Personen und am Hang muss man den Eco-Mode per Knopfdruck abschalten. Bei 45 km/h (Tacho 47 km/h) ist – wie vom Gesetz vorgeschrieben – ziemlich abrupt Schluss.

Der Lithium Polymer Batterie lässt sich in etwa 4 Stunden laden, eine Auffüllung geht wesentlich schneller. Unter der Sitzbank befindet sich ein normales Stromkabel mit genügender Länge. Der Akku soll mindestens 1000 volle Ladezyklen halten – danach wird die Kapazität langsam abnehmen. Da sie üppig dimensioniert wurde, wäre der Govecs auch bei abnehmender Leistung noch ein paar Jahre lang nutzbar.

Normaler Roller

Die Sache mit der Elektromobilität funktioniert also. Abgesehen vom Antrieb ist der Govecs unspektakulär, hält aber auch keine unangenehmen Überraschungen bereit. Mit seinen kleinen Rädern bleibt der Roller wendig, 115 Kg Gewicht liegen im Rahmen, Schlaglöcher schlagen durch, auch könnte die Bank kompakter gepolstert sein.

Eine besondere Charakteristik besitzt der Govecs nicht, er ist ein Allrounder. Er ist weder besonders groß, noch besonders klein. Der Boden wird leicht mit den Füßen erreicht, auch größere Fahrer stoßen mit den Knien nicht an den Lenker. Das Fach unter der Sitzbank fällt wegen der Batterie ziemlich klein aus. Ein Frontfach gibt es nicht. Für einen Helm benötig man ein zusätzliches Topcase, das auf dem Gepäckträger befestigt werden kann. Das zurückhaltende, moderne Design ist "okay", wird aber bei niemanden das Herz schneller schlagen lassen. Verarbeitung und Anmutung liegen über dem Level der Baumarktroller, können sich mit den einfachen Modellen von Markenhersteller messen. Der Unterschied zu einem guten Markenroller ist aber spürbar.

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Gute Reichweite

Nun sollte man nicht allzu kritisch sein: Beim Elektroauto wäre man froh, wenn das größte Problem ein chicer Sitzbezug wäre. Das Reichweitenproblem hat dieser Roller jedenfalls gelöst. Im städtischen Bereich sollte eine Akkufüllung für mehrere Tage ausreichen – man ist unabhängig und nicht drauf angewiesen, am Abend eine Stromdose aufzutreiben. Anders als beim Motorroller bleibt der Stromroller übrigens eine saubere Sache: Hier schmiert, tropft und russt nichts. Käufer müssen allerdings eine eigene Basisstation haben: eine ebenerdige, überdachte Abstellmöglichkeit inklusive wassergeschützten Stromanschluss. Für Mieter in der Stadt wird der Stromroller häufig an der fehlenden Dose scheitern.

Antrieb, Beschleunigung und Reichweite sind ein klares Plus des Govecs. Federung und Komfort verdienen nur die Note "mittelprächtig". Unangenehm war die Feuchtigkeitsempfindlichkeit des Testmodells. Bei Nässe waren mehrere Versuche beim Start nötig. Das ist bei einem neuen Roller ärgerlich. Das Problem wird sich mit einem entsprechenden Elektronikspray allerdings leicht lösen lassen.

Kosten- Nutzenrechnung

Obwohl die Aufladung mit Strom fast nichts kostet, und ein Motorroller für seine Größe relativ durstig ist (mindestens 2,5 Liter auf 100 Kilometer) rechnet sich die Elektromobilität auch beim Roller nicht total. Der Govecs kostet etwa 5500 Euro, ein in etwa vergleichbarer Motorroller etwa die Hälfte – großzügig gerechnet. Berücksichtigt man die geringeren Betriebskosten, reduziert sich der Mehrpreis im Laufe der Jahre allerdings auf weniger als 1500 Euro. Für den Einstieg ins Stromzeitalter ist das nicht allzu viel. Vorsicht vor billigen Rollerschnäppchen: Häufig wird an der Qaulität und - noch schlimmer - an der Batterie gespart. Besser gar kein Roller, als ein Modell mit einfachem Bleikakku.

Einen eingefleischten Vespafahrer und Mopedtuner wird der Govecs kaum überzeugen können, wer aber eine bezahlbare und umweltfreundliche Fortbewegungsmöglichkeit sucht, sollte sich einen Roller wie den Govec anschauen. Anstatt viel Geld in ein unausgereiftes Elektroauto zu stecken, kann es sinnvoller sein, bei akzeptablen Wetter den Roller zu benutzen und bei Regen ein normales Auto zu nehmen.

Für die Umwelt sind klassischen Zweitaktroller übrigens keine echte Alternative: Die kleinen Vehikel verbrauchen gern über drei Liter Benzin auf hundert Kilometer und verdampfen obendrein ihren Schmierölanteil. Kein Wunder, dass viele asiatische Großstädte die Zweitakter bereits verboten haben.

Gernot Kramper
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