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Berlin vertraulich!: 2012 in Reichweite der Wahrheit

Was ist drin im neuen Jahr? Einiges, meint die Kanzlerin. Noch viel mehr, meinen die Schwaben in Berlin. Und bei den Linken? Bleibt alles anders.

Von Hans Peter Schütz

Wie geht Bundeskanzlerin Angela Merkel ins neue Jahr? "Ich nehme es, wie es kommt", antwortet sie gerne auf diese Frage. Und sie malte in ihrer Neujahrsansprache auch nicht alles rosig. "Deutschland geht es gut", sagte sie, "auch wenn das nächste Jahr ohne Zweifel schwieriger wird als dieses." Im Punkt Neujahrsansprache hat sie ihren Amtsvorgänger Helmut Kohl immerhin locker übertroffen. Der hatte sich bekanntlich am Silvesterabend 1986 mit dem Satz an sieben Millionen Deutsche gewandt, die seiner Neujahrsrede am Fernseher lauschten: "Ich wünsche Ihnen alles Gute für das Jahr 1986." Schuld an der Panne war die ARD, die aus Versehen noch einmal die Videokassette vom Vorjahr ausgestrahlt hatte. Das wurde den Fernsehleuten natürlich als politische Bosheit ausgelegt. Der damalige Regierungssprecher Friedhelm Ost vermutete hinter der Panne böse Absicht und polterte los: "Eine Beleidigung für die Zuschauer." Die korrekte Neujahrsansprache Kohls wurde prompt am Abend des Neujahrstags 1987 ausgestrahlt.

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Die Erkenntnis des Jahres verdanken wir eindeutig Olaf Glaeseker, dem Presseprecher von Bundespräsident Christian Wulff. Glaeseker, der sich gerne als "Dienstleister der Journalisten" sieht, wie er sagt, und diese auf keinen Fall "missionieren" will. Seinen Job für Christian Wulff stellte er gegenüber stern.de einmal mehr unter die Maxime: "Immer in Reichweite der Wahrheit bleiben, denn es kommt eh alles raus." Die Frage fürs neue Jahr an ihn ist: Ist denn derzeit schon wirklich alles draußen?

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Die Schwaben in Berlin, bekanntlich dort zweitstärkste ethnologische Minderheit, wollen jetzt mehr Aufklärungsarbeit über sich an der Spree leisten. Unter anderem durch die Inszenierung schwäbischer Theaterstücke. Unterstützt wird die Aktion vom Verein der "Baden-Württemberger in Berlin", der immerhin 566 Mitglieder hat, sowie vom Förderverein "Schwäbischer Dialekt" (Tübingen). Den Schirmherr für die Aktion "Schwaben in Berlin" gibt der baden-württembergische SPD-Bundesratsminister Peter Friedrich, der bis 2011 im Bundestag saß. Was die Schwaben in Berlin nicht wissen: Waschecht schwäbisch "schwätze" kann Friedrich gar nicht, denn er wurde in Karlsruhe geboren und ist somit waschechter Badener, Verzeihung: Badenser!

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Wie geht die Linkspartei ins neue Jahr? Mit einem klugen Zitat von Christa Wolf, aus deren Roman "Nachdenken über Christa T." – einer Frau, die am Anpassungsdruck der sozialistischen Gesellschaft zerbricht. Christa Wolf, im Dezember 2011 verstorben, schreibt in ihrem Roman: "Die Zukunft? Das ist das gründlich andere." Soll das heißen, dass die Zukunft der Linkspartei gründlich anders aussieht? Eher nicht. Wie Insider der Linkspartei sagen, wird Gregor Gysi in altbewährter Art wie bisher die Strippen ziehen, in bewährter Übereinstimmung mit Oskar Lafontaine. Der will sich, wie man hört, am 14. Januar 2012 erklären. Sicher soll sein, dass "Oskar" seine Bereitschaft dann erklärt, im Bundestagswahljahr 2013 noch einmal für den Bundestag zu kandidieren. Denn am 16. Januar treffen sich Partei- und Fraktionsführung in Berlin mit den Landesvorsitzenden, um das Gezerre um die künftige Führung zu beenden. Einig sei man sich darin, einen Dietmar Bartsch in der Parteiführung auf jeden Fall zu verhindern.