Hyundai Santa Fe 2.2 CRDi Vorstadt-Cowboy

Geboren, um auf dem Asphalt zu bleiben. Der Santa Fe wurde konzipiert, als Wildpferd für den Vorort, dort verwirklicht er SUV-Träume für die ganze Familie. Ein hübscher Bursche, der allerdings nicht billig zu haben ist.
Von Gernot Kramper

Anhänger des Blechbarocks werden den neuen Santa Fe kaum wiedererkennen. Seine Vorgänger cruisten als schwülstige Exoten durch die Lande und waren immer für dumme Witze gut. Mit dem neuen Santa Fe muss man sich vor dem Saloon nicht länger verstecken. Kernig, klassisch, elegant. Eine gelungene Operation, denn der Neue ist 18 Zentimeter gewachsen und wirkt doch wesentlich sportlicher. Die Entwicklung im Hyundai-Designzentrum im kalifornischen Irvine hat sich auf jeden Fall gelohnt.

Platz für alle

Beim Hui-Faktor kann der SUV gehobene Mittelklasse für sich verbuchen. Mit 4,68 Metern ist der Koreaner natürlich kein Kleinwagen mehr, ihn gibt es auf Wunsch aus als Siebensitzer. Mit oder ohne dritter Reihe ist das Ergebnis ein geräumiges Familienfahrzeug. Das Innenleben kann überzeugen. Klassische, glatte Flächen, sehr gute Verarbeitung und ansprechende Lederausstattung sprechen für sich. Auch hier wurde das Niveau im Vergleich zum Vorgänger merkbar angehoben. Platz für Fahrer und Fondpassagiere steht reichlich zur Verfügung. Die dritte Reihe - zwei Einzelsitze - bietet naturgemäß nur begrenzten Komfort. Im Alltag gefällt am Hyundai, wie problemlos sich Rückbank und die Sitze der dritten Reihe umlegen und versenken lassen. Nichts quetscht und hakt, alle Ladeaktionen klappen wie am Schnürchen. Auch "frau" gerät nicht ins Schwitzen. Nur wenn der Einkauf verstaut werden will, muss sie die hohe Ladekante überwinden. Die gefahrene Version konnte die Ladekante absenken, für kleinere Rodeo-Reiter eine sinnvolle Ausgabe. Mit dem Santa Fe fährt man einen Wagen, der nie "kneift". Man kann sich bewegen, ein- und aussteigen, ohne jemals anzuecken oder sich durchschlängeln zu müssen.

Technische Daten

Hyundai Santa Fe 2.2 CRDI
Hubraum: 2188 ccm
Leistung: 150 PS
Drehmoment: 335 Nm
Kofferraum: 528 bis 1582 Liter
Länge/Breite/Höhe: 4675/1890/1795 mm
Höchstgeschw.: 180 km/h
0–100 km/h in 11,6 sec
• Verbrauch: 7,3 Liter
Preis: ab 31.990 Euro

Günstiger Verbrauch im Diesel

Mit dem Vierzylinder-Diesel ist der große Wagen SUV-gemäß unterwegs. Explosionen der Leidenschaft verkneift sich das CRDi-Aggregat mit 2,2 Litern Hubraum und 150 PS erwartungsgemäß, aber es verrichtet klaglos seinen Dienst. Auf der Autobahn leidet der Santa Fe ab 160 km/h unter leichter Atemnot, wohler fühlt er sich ohnehin darunter. Bei 180 km/h ist die Grenze erreicht. Der Hyundai fährt sich nett und komfortabel. Sein Fahrwerk orientiert sich nicht am Modell des Sportwagens mit Riesen-Rädern. Auch die Automatik macht das Fahren bequem, aber auch sehr gemütlich. Dafür brummelt der Diesel ruhig und entspannt vor sich hin und sein Dieseldurst ist mehr als mäßig. In Kurven kündigt der gutmütige Begleiter rechtzeitig an, wann es mal langsam gut sein sollte. Hält man sich an die Empfehlung, ist man vor Überraschungen sicher. Die Rückkopplung der Lenkung bleibt leider sehr indirekt. Es ist, als walze man auf Riesengummis dahin. Für lockere Fahrerlebnisse reicht das auch, wer messerscharfe Kurvenpräzision erwartet, sitzt im falschen Fahrzeug. Die Prospekt-Elogen, mit denen Hyundai das Modell preist, sollte man zur Rubrik "Kunstfreiheit" zählen. Dort wird versprochen, der Santa Fe garantiere "einen dynamischen Fahreindruck und für ausgeprägten Fahrspaß, wie er typisch für sportliche Limousinen ist."

Gelände geht doch

Eine elektromagnetische Mehrscheibenkupplung schaltet den Allradantrieb zu, sonst liegt die Kraft komplett auf den Vorderrädern. Wenn Not am Mann ist, gehen bis zu 50 Prozent der Leistung auf die Hinterräder. Gebaut wurde der Santa Fe für die Straße, darum kann man ihn auch als günstige Variante mit Vorderradantrieb bekommen. Mit Allrad geht es durchs leichte Gelände, über grobe Pisten und Feldwege dahin wie mit dem legendären Pony Express. Willig mahlt der Allradler sich voran. Praktisch behindert wird so ein Wagen am ehesten von der eigenen Größe, die sich eben nicht mit europäischen Bergpisten verträgt. Als echten Offroader, jenseits jeder angelegten Fahrbahn, wird den Santa Fe ohnehin kein Kunde einsetzen wollen.

Kein Preis-Schnapper

Mit Allrad, Automatik dem Comfort- und dem Siebsitzpaket kostet der Santa Fe runde 37.500 Euro. SUV-Fahren war eben noch nie das billigste Vergnügen, aber oberhalb dieser Preisregion rangiert nur noch die Premiumklasse. Wer beim Preis schlucken muss, sollte sich für den Offroad-Poser ohne Allrad entscheiden. Kann man auch auf Automatik und dritte Reihe verzichten, landet man bei 32.480 Euro. Auch das ist immer noch stattlich.

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