Jeep Cherokee Die große Freiheit


Runter vom Boulevard, rein in die Wüste. Dass der neue Jeep Cherokee auch in der Lage ist, quer durch die Sahara zu fahren, demonstrierte Chrysler jüngst in weichen Sand Südmarokkos. Das klappt bestens - vorausgesetzt, es sitzt kein Depp hinterm Steuer.
Von Michael Specht

Die Ingenieure von Jeep haben alle Register gezogen, um ihrer neuen Ikone Cherokee eine Allradtechnik mit auf dem Weg zu geben, mit der auch Leute klar kommen, die nicht fünf Mal die Rallye Dakar gewonnen haben und deren Tag nicht unbedingt mit einer Schusswunde beginnen muss. Lediglich ein elektronischer Kippschalter reicht, um die Kriechgänge zu aktivieren, den Rest erledigt die Fünfgangautomatik. Geht es steil bergab, greift ebenfalls der Kollege Computer ein und lässt nicht mehr als Schritttempo zu. Der Fuß muss dabei weder auf dem Gas, noch auf der Bremse sein.

Welche fiesen Geröllpassagen der Cherokee bewältigt, verstößt fast schon gegen physikalische Gesetze. Das Drehmoment verteilt sich nach vorne und hinten im Verhältnis Fifty-Fifty. Extreme Verschränkungen zwischen den Achsen sind möglich. Hängt ein Rad in der Luft und dreht durch, wird es augenblicklich abgebremst und damit die Kraft zur anderen Seite geleitet. So gibt es wirklich nur wenige Situationen, in denen der US-SUV das Handtuch schmeißen muss.

"Surfen" im Dünensand

Selbst weicher Dünensand, in dem man als Fußgänger tief einsinkt und wo einem das Unterbewusstsein sofort mitteilt "Gleich fährst du dich fest", bereitet dem immerhin zwei Tonnen schweren Jeep wenig Mühe. Allerdings erfordert dieses "Surfen" Erfahrung, Mut und Können. Nicht nur, dass man mit fast platten Reifen fahren muss, wichtig ist auch stets das optimale Tempo und perfektes Timing auf den Dünen. Wer hier falsch reagiert oder zu früh bremst, hängt auf allen Vieren fest und darf schweißtreibend schaufeln.

Reserverad unterm Auto

Doch Jeep-Entwicklungschef Antonius Brenders ist nicht nur stolz auf die Offroad-Qualitäten seines Cherokee, auch auf der Straße soll der SUV eine gute Figur machen. Optisch zumindest ist dies schon mal gelungen. Während der Vorgänger mehr einer Billigkopie aus Korea oder Japan glich, kommt der neue, auf 4,50 Meter Länge gewachsene Cherokee wieder profilierter und kantiger daher. Ein Auto für Männer. Ein Jeep eben. Dennoch muss nicht auf praktische Dinge des Alltags verzichtet werden. So wurde erstmalig das Reserverad unters Auto verbannt, was den Zugang zum Gepäckraum ernorm erleichtert. Separat kann auch nur das Heckfenster geöffnet werden.

Das geradlinige Styling setzt sich im Innenraum fort. Die Armaturen sind klar gegliedert, die Bedienung ist einfach, Ablagen gibt es reichlich. Ein bisschen wuchtig wirkt die Mittelkonsole. Vorne wie hinten sitzt man gut. Chrysler spricht im Fond von 38 Millimeter mehr Beinfreiheit. Die Rückbank ist 60/40 umlegbar. Ein ebener Ladeboden schluckt zwischen 419 und 1404 Liter. Gegen Aufpreis kann auch der Beifahrersitz flach gelegt werden, was den Cherokee zum guten Kumpel auf dem Ikea-Parkplatz macht.

Konsequent: nur einen Diesel

Wohlweislich hat Chrysler entschieden, diesen Jeep nur noch mit Dieselmotor in Deutschland anzubieten. Erstens passt der 2,8-Liter-Vierzylinder gut zum Habitus des Autos, reagiert mit seinen 177 PS spontan aufs Gas, zieht dank 410 Newtonmeter Drehmoment kräftig von unten raus und ärgert seinen Besitzer nicht an der Tankstelle. 8,6 Liter verspricht der Hersteller im Mix (Sechsgangschalter) und 9,4 Liter beim Fahren mit Automatikgetriebe. Wer viel im Großstadt-Dschungel unterwegs ist, sollte jedoch mit mindestens zwölf Litern rechnen.

Preislich startet der Cherokee als "Sport CRD" bei 31 990 Euro. Als "Limited" kostet er 35.490 Euro und nochmals 3000 Euro mehr muss bezahlen, wer ihn als "Limited Exclusive CRD" haben möchte. Ein bisschen Zeit zum Sparen bleibt noch. Der Verkauf beginnt erst im nächsten April.


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