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Jeep: Hart aber herzlich

Sobald die Straße schlechter wird, teilt sich die automobile Menschheit in zwei Gruppen: Weicheier fahren SUV. Harte Kerle und kernige Weiber fahren Jeep. Seit mehr als 60 Jahren - und ein Ende ist nicht abzusehen.

Hätte 1941 ein Werbemanager einen Hochglanz-Prospekt für den "Willys MB" entwerfen müssen – er wäre nicht zu beneiden gewesen. Der Ur-Jeep war ein Militärfahrzeug und hatte nichts anzubieten, was auch nur im Entferntesten dem Komfort seiner Insassen diente. Die Sitze erinnerten an Campingstühle, Türen und Fenster gab es gar nicht. Vor Regen schützte nur ein notdürftiges Klappverdeck. Und die Federung hatte ihren Namen nicht verdient.

Doch die amerikanischen GIs im Zweiten Weltkrieg liebten den Willys-Jeep trotz seiner harten Schale heiß und innig. Denn mit seinem zuschaltbaren Allradantrieb kam das 3,3 Meter kurze und 63 PS starke Wägelchen praktisch überall durch und überwand sogar Steigungen von 60 Prozent. Steckten die GIs doch mal im Matsch fest, konnten sie den Jeep einfach mit Handgriffen an der Karosserie aus dem Dreck ziehen.

GIs verschliffen die Abkürzung GP zu Jeep

Bei einer Ausschreibung des amerikanischen Verteidigungsministeriums ging der Entwurf "Willys MA" der Firma Willys-Overland als Sieger hervor. Mehr als eine halbe Millionen Jeeps rollten von 1941 bis 1945 in der für die Front überarbeiteten Version "MB" vom Band, ein Teil davon wurde von Ford in Lizenz gebaut.

Wie der Jeep zu seinem Namen kam, dazu gibt es zahlreiche Theorien. Hier seien nur zwei davon beschrieben. Die langweilige Version: In einem Armeehandbuch wurde der Wagen mit den Buchstaben GP bedacht, der Abkürzung für "General Purpose". Das heißt soviel wie "Allzweck-Charakter". Die GIs verschliffen die Abkürzung GP einfach zu Jeep.

Name aus dem Comicheft

Etwas farbenprächtiger ist folgende Variante: Der Name kommt von einer Figur der Comic-Serie Popeye. Der gleichnamige muskelbepackte Held hatte dank eifrigen Spinatkonsums Superkräfte (Generationen von Kindern versuchte man so das grüne Zeug schmackhaft zu machen). Wenn Popeye aber mit seinem Spinat-Latein am Ende war, half ihm das hundeähnliche Super-Wesen "Eugene the Jeep" aus der Patsche. Das konnte prima klettern, sogar durch Wände gehen und war durch nichts aufzuhalten. Ganz so wie der Willys-Geländewagen eben. Darum nannten die Soldaten den Allzweck-Zwerg liebevoll Jeep.

Schon während des Krieges wurde Willys-Overland klar: Dieses Auto würde sich auch auf dem nicht-militärischen Markt bestens verkaufen. 1945 war die erste Zivilversion CJ-2A (CJ steht für "Civilian Jeep") zu haben. Die Gelände-Legende wurde mehr als 40 Jahre lang in verschiedenen Versionen (bis zum CJ-8) gebaut und schließlich vom Wrangler abgelöst.

Die Top-Version des Wrangler ist der Rubicon

So heißt der Offroader heute noch, obwohl Jeep längst auch größere und bequemere Geländewagen wie den Grand Cherokee im Programm hat. Auch die zahlreichen Besitzerwechsel der Marke – von Willys über Kaiser-Frazer und AMC bis hin zu Daimler-Chrysler – konnten dem Allrad-Urgestein nichts anhaben. Die Top-Version des Wrangler ist der Rubicon, so benannt nach dem Rubicon Trail in Kalifornien. Der Trail ist eine der härtesten Offroad-Strecken der Welt und sozusagen das Nirwana für "Jeeper".

Auch wenn dem Wrangler die Verwandtschaft zum Urahn sofort anzusehen ist, müssen Jeep-Fahrer heute nicht mehr ganz auf Komfort verzichten. Eine Klimaanlage hat ebenso Einzug gehalten wie Airbags, ESP und bequeme Sitze.

Wir basteln einen Jeep

Doch die Jeep-Szene hält eifrig die alten CJs am Leben, oft hemmungslos verbastelt: Riesige Geländereifen, ein aberwitzig hoch gesetztes Fahrwerk, fette Zusatzleuchten und natürlich eine Seilwinde gehören zu den beliebtesten Accessoires. Freilich können die Allrad-Haudegen nur selten zeigen, was sie auf dem Kastenrahmen haben: So richtig austoben dürfen sie sich nur auf speziellen Offroad-Strecken oder bei Events wie dem berühmten Jeep-Festival, das einmal im Jahr in Gevenich in der Eifel stattfindet.

Die alten Willys-Jeeps sind heute ein seltener Anblick. Wer eine Fahrt im Original unternimmt, muss hart im Nehmen sein. Jeep-Fan und Kfz-Mechanikerin Sonja Felser hat so ein Ungetüm, hergestellt Anfang der 50er Jahre. Der alte Knochen wird mit einem Fußstarter angelassen und knattert beim Start unwirsch und laut vor sich hin. Man muss mächtig im Getriebe rühren, damit sich die Gänge widerwillig in die vorgesehene Position pressen lassen.

"So ein Auto braucht viel Liebe und Aufmerksamkeit"

Ohne Türen und Fenster ist man mit Mutter Natur auf Du und Du. Nach einer langen Ausfahrt spürt man alle Knochen im Leib, die Klamotten sind mit Schlamm bespritzt oder mit Dornen gespickt. "Man muss als Jeep-Fan schon ein bisschen verrückt sein", meint Sonja Felser, die zahllose der alten Wagen gefahren, repariert und restauriert hat. "So ein Auto braucht viel Liebe und Aufmerksamkeit. Wenn man es nicht penibel pflegt, wird es bockig, springt nicht an oder macht Ölpfützen unter sich", sagt die Expertin.

Echten Jeepern wird eben nichts geschenkt – außer einem Hauch Abenteuer-Romantik und dem Gefühl, bei Bedarf überall durchzukommen.

Sebastian Viehmann/PressInform / PRESSINFORM

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.