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Mercedes-Benz M-Klasse: Beim zweiten Mal wird alles besser

Edel geht die neue M-Klasse ins Gelände. Der Nachfolger übertrifft die alte Generation in allen Punkten, vor allem ist er schöner und komfortabler.

Runter von der Straße, rein ins Gelände! Die meisten SUVs bekommen nur Asphalt unter die Reifen. Ausgerüstet mit dem optionalen Geländepaket kann die neue M-Klasse auch anderes Terrain bewältigen. Im Parcours des Chateau de Berne lässt Mercedes den neuen SUV durch knietiefe Kuhlen krauchen und gewaltige Gesteinsbrocken besteigen. Unterstützt von der Geländeelektronik wird die Tour-de-Force für den Fahrer zur gemütlichen Spazierfahrt. Ein Knopfdruck und die Karosserie hebt sich bis zu 290 Millimeter in die Höhe. Der zweite Knopfdruck: Mit leisem Brummen tastet sich der Luxus-Offroader im Schritttempo durch die Marterstrecke. Die leichte Aufgabe für den Fahrer: Er muss in die richtige Richtung lenken. Der Rest geht wie von selbst. Die schwere Aufgabe für den Fahrer: Er muss auch in extremen Positionen Ruhe bewahren und Fahrzeugvertrauen entwickeln. Das ist weit schwerer, traut man die Tortur dem Wagen doch kaum zu. Ein paar Minuten später ist die Hemmschwelle überwunden, man überlässt sich dem Schieben und Schnaufen und Drehen der Antriebsräder. Der Besitzer einer M-Klasse würde vermutlich dennoch unruhig hin und her rutschen. Denn vor den im schweren Gelände unvermeidlichen Kratzern schützt die allmächtige Elektronik - noch - nicht. Wer es sich leisten will, könnte so vollklimatisiert und in Lederluxus gebettet die Hölle des Amazonas im Komfortambiente eines Kreuzfahrtschiffes erleben.

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Trendsetter vom Benz

Manchmal fahren deutsche Hersteller hinterher, aber beim Start der alten M-Klasse hatte Mercedes die Nase ganz weit vorn. 1997 rollte das Sport Utility Vehicle im neu errichteten Werk Tuscaloosa im US-Staat Alabama vom Band. Damals rümpften viele die Nase: Ein Fahrzeug, dass weder ein Geländegänger wie die G-Klasse sein wollte, aber im Vergleich zum patenten Kombi ungleich klobiger wirkte, wer sollte so etwas schon haben wollen? Inzwischen avancierten die SUVs aller Preisklassen zum Fahrzeugtyp mit dem größten "Will-Haben-Faktor". Der ehemalige Trendsetter M-Klasse wurde von Mercedes nun komplett neu aufgebaut, um auch in der zweiten Generation die Akzente in diesem lukrativen Markt zu setzen.

Als hätte man vorher nur geübt

Überraschung Nummer Eins: Die neue M-Klasse sieht anders und viel besser aus als der Vorgänger, ohne die Abstammung zu verleugnen. Notwendig wäre die Ähnlichkeit nicht gewesen, das Fahrzeug wurde komplett neu entwickelt. Rüstete die alte M-Klasse noch auf einem klassischen Leiterrahmen nach Art traditioneller Geländerkraxler auf, basiert die neue Variante auf einer selbsttragenden Karosserie. Die Idee dabei: Man wollte den Vorgänger durch ein zu abweichendes Design nicht auf einen Schlag zum Altmetall abwerten. Ein schöner Zug, auch mal an die Kunden zu denken. Mercedes Benz setzt beim zweiten M auf ein bekanntes Rezept: Ein bisschen mehr darf es schon sein. Die neue M-Klasse wurde 15 Zentimeter länger (jetzt 4,78 Meter), 7 Zentimeter breiter (jetzt 1,91 Meter), der Radstand wurde um 9 Zentimeter auf nun 2,92 Meter verlängert. Nur in der Höhe verzichtete man auf einen Zentimeter. Optisch führt das zu einem gestreckten, kraftvollen Auftritt. Die Assoziation der alten Baureihe mit einem schwankenden Lastkasten stellt sich nicht mehr ein. Im direkten Vergleich ist zu sehen, wie viel sich beim Mercedes-Design in den letzten Jahren getan hat. Der Vorgänger kommt wie eine nicht zu Ende modellierte Rohform daher, der Nachfolger hingegen ist vollkommen durchgestylt. Die Seiten ragen nicht mehr trostlos in die Höhe, der ganze Wagen signalisiert Power, die zum Sprung ansetzt. Aggressive Scheinwerfer und vor allem die im breiten Rund abgesetzten Kotflügel vermitteln einen sportlichen Touch. Die alte Förster-Seligkeit unkonturierter Bleche wurde radikal beendet. In einen Bildband für bahnbrechendes Design wird es die neue M-Klasse vermutlich nicht schaffen, dafür fehlt die Innovation in der Formsprache. Dem Kunden kann es egal sein, das Zusammenspiel vertrauter Formen und Details wurde dafür perfekt gelöst.

Der Glanz der eleganten Weite

Vom Wachstum der Karosse profitieren vor allem die Insassen. Im SUV mit dem Stern sitzt man so elegant und behaglich, wie in den Limousinen des Hauses. Hinzu kommt die hohe Sitzposition, die dem Fahrer zu gehobener Stimmung verhilft. Aber auch die Kinder sitzen nicht im Karnickelstall, insbesondere das Platzangebot auf den hinteren Reihen ist opulent. Wie in allen SUVs geht es im Innenraum hoch hinaus, man sitzt luftig und weit, fühlt sich gut aufgehoben in einem eleganten Raum. Optional lassen sich die beiden hinteren Sitzkissen entfernen, nach dem Umlegen der asymmetrisch geteilten Rücksitze wächst das Ladevolumen dann auf 2050 Liter, die ebene Ladefläche besitzt eine Länge von 2,1 Metern. Wurde zum Start der alten M-Klasse noch über lieblose US-Verarbeitung gemäkelt, fand sich an den Test-Modellen bei allem Suchen kein Grund zum Tadel. Nur einigen Plastik-Teile etwa in den Lüftungsschlitzen hätte ein etwas weicheres Material gut getan, manche Lamellen wirken so scharfkantig, als könnte man sich daran schneiden.

Der Gentleman-Diesel

Auf die Straße rollt die M-Klasse zunächst mit vier Motoren. Für Europa ist der neue V6-Diesel interessant. Ihn gibt es in zwei Varianten: entweder mit 224 PS oder mit 190 PS. Ebenfalls erhältlich sind zwei Benziner. Ein neuer V6 mit 272 PS und ein V8-Motor mit 306 PS. Wem das nicht ausreicht, kann auf die AMG-Version warten. Die Kraft wird serienmäßig über ein Siebengang-Automatikgetriebe auf die Räder gebracht. Verzichtet wird erstmals auf den wuchtigen Hebel der Automatik auf dem Mitteltunnel. Dort ist nun Platz für eine großzügige Ablagen-Kommode. Der Gangwechsel geschieht entweder vollautomatisch oder über Schaltwippen am Lenkrad.

Der schon in der C-Klasse vorgestellte V6-Diesel hat in der M-Klasse das passende Gehäuse gefunden. Dieser Motor lässt keine Wünsche offen. Ein unbändiges Drehmoment von 510 Nm greift schon bei 1600 Umdrehungen pro Minute zu. Die Fahrer, die tatsächlich ins Gelände wollen oder den neuen M als Zugmaschine benutzen wollen, werden an dem Motor kaum vorbeikommen. Dabei arbeitet der kräftige Bulle wie ein Gentleman mit Samthandschuhen. Der Motor ist die Ruhe selbst, kultivierter lässt sich kaum fahren. Fragt sich, für wen die Benziner gedacht sind. Beide Motoren machen ohne Frage Spaß, der V8 liefert auf Wunsch noch mehr Druck. Wer gern mit dem Gaspedal spielt und die M-Klasse ein bisschen auf Krawall bürsten will, kann die Benziner natürlich in den Drehzahlhimmel treiben. Gegen den Achtzylinder spricht grundsätzlich, dass er beizeiten gegen die neuen Motoren aus der nächsten S-Klasse ausgetauscht werden wird. Kurz: Der Motor der Wahl sollte der Diesel sein.

Edles gibt es nicht zum Nulltarif

Die Preise beginnen bei 46.350 Euro für den ML 280 CDI. Der 320 CDI kostet 48.662 Euro, der 350 kommt auf 47.966 Euro. Für den Achtzylinder, mit verbesserter Ausstattung inklusive Ledersitzen werden 63.220 Euro fällig. Der Serienumfang kann sich durchaus sehen lassen. Dazu gehören das Siebengang-Automatikgetriebe, ein Multifunktionslenkrad, Leichtmetallräder, die Klimatisierungsautomatik und der Allradantrieb mit 4ETS. Neben "echten" Extras wie der Luftfederung für 1.856 Euro und das 1.914 Euro teure Offroad-Pro Technik-Paket, schlagen auch viele "Essentials" mit weiteren Kosten zu Buche. Selbst für eine Laderaumabdeckung werden 133 Euro verlangt. Die Möglichkeit, die Fond-Sitzkissen herauszunehmen kommt auf 296 Euro.

Gelände auf Wunsch

Der permanente Allradantrieb bietet einen Anfahr-Assistenten und ein Offroad-ABS. Für die Kunden, die mit der M-Klasse aber tatsächlich häufiger vom Asphalt rollen wollen, gibt es das spezielle Offroad-Paket. Darin enthalten sind ein Zweistufen-Verteilergetriebe mit Geländeuntersetzung, zwei Differenzialsperren und eine modifizierte Luftfederung. Damit lässt sich der Wagen um weitere elf Zentimeter in die Höhe bringen. So ergibt sich eine praxisgerechte Bodenfreiheit von 29 Zentimetern.

Sanftes Gleiten auf breiten Reifen

Selbstgestelltes Ziel der Fahrzeugentwickler war es, den Fahrkomfort auf der Straße auf ein bei Limousinen übliches Niveau zu heben. Diese Operation ist geglückt. In Stadt und auf der Autobahn leidet der M-Fahrer nicht unter den SUV typischen Unbequemlichkeiten. Auch ganz Verwöhnte werden keinen Grund zur Klage finden. Selbst im Kurvenslalom auf den Pisten der Provence zeigt der Wagen keine Schwäche. Sowohl der starke Diesel, wie auch die beiden Benziner bergen ausreichend Leistungspotential, um den großen Wagen flott in Schwung zu setzen. Im Scheitelpunkt der Kurven zerren die wirkenden Kräfte am Leib der Insassen, das Fahrwerk gibt sich jedoch keine Blößen. Wo andere Hochbeiner längst signalisieren, es wäre Zeit den Fuß vom Gas zu nehmen, folgt die M-Klasse ohne Tücken ihrer Bahn. Knappes Urteil: Bei noch halbwegs sozial-verträglicher Fahrweise wird diesen Wagen niemand in Verlegenheit bringen.

Schlechte Zeiten für den Kombi

SUVs werden von Fahrern gewünscht, die einerseits viel unterbringen wollen, denen die klassische Kombiform aber zu langweilig ist. In der neuen M-Klasse geht man nun keine Kompromisse mehr ein, ein Leiden am Gelände findet schlicht nicht statt. Weder im Alltag noch auf der Autobahn sind schmerzhafte Einbußen zu spüren. Wer will, kann die M-Klasse zusätzlich zum Geländeversteher aufrüsten. Billig ist der Wagen natürlich nicht. Wer die edle Karosse adäquat ausstattet, wird schnell gewahr, dass der Basispreis nur die halbe Wahrheit ist.

Gernot Kramper
Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.
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