Nissan Qashqai+2 Steppenkrieger ohne Babybauch


Den erfolgreichen Qashqai gibt es auch als "+2", sprich als Langversion. Dann wird der Kompakt-SUV um zwei Sitze reicher und 21 Zentimeter länger. Was bringt das Plus auf dem Papier in der Praxis?

Der Qashqai ist ein Erfolg, weil sein Design gefällt. Der Crossover-Look bringt den Hauch des Abenteuers in die Kompaktklasse und muss dabei gar nicht besonders teuer sein. Wenn man auf Vollausstattung, Leder und die großen Motoren verzichten kann, sprengt er nicht ein Budget, das auch einen Golf ertragen kann. Dummerweise frisst die Raubtier-Optik jede Menge Innenraum, oben wird der Wagen schnal, hinten flach: das ist nicht gut fürs Volumen.

Daran knüpft der verlängerte +2 an. Der Wagen wird als "Siebensitzer" angepriesen, das Versprechen wird aber nur wahr, wenn es sich um die sieben Zwerge handelt. Die Klappsitze der letzten Reihe reichen auch in anderen Wagen nicht fürs komfortable Reisen, beim Nissan sind sie noch knapper ausgefallen. Die zweite Reihe lässt sich leicht verschieben, man kann die Notsitze zumindest gut erreichen. Sitzen können da nur Kinder. Sinnvoll ist diese Reihe nur, wenn man regelmäßig Kinderhorden zu Sportstätten, Schulen oder Kindergärten transportiert. Wer mehr als drei eigene Kinder hat, wird mit dieser Notlösung nicht glücklich, zumal bei ausgeklapptem Sitzen kein Familien tauglicher Kofferraum mehr übrig bleibt.

Die Verlängerung katapultiert den Nissan nicht in den Olymp der Familienbusse. Er macht das sportliche aussehende Modell aber tauglich für die Kleinfamilie. Es gibt immerhin 140 Liter Kofferraum im Vergleich zum kurzen Modell mehr. Mit zurück geklappter zweiter Reihe passen sogar 1.520 Liter Gepäck in den Wagen. Dazu gibt es viel Sonne: Das Panorama-Dach ist serienmäßig mit dabei. Optisch ist die Operation geglückt. In gar keinem Fall sieht der Qashqai nach Rucksack oder Streckbank aus. Der Unterscheid zur Kurzform ist nur im direkten Vergleich zu sehen –die lange Familienvariante sieht daher verschärfter aus als die Konkurrenz von Zafira und Touran.

Der längere Radstand bekommt dem längeren Reisen, der gefahrene kleine 1,5 dCi und Diesel bewegt den Wagen - mehr als ein Wertungs "Okay" kann man nicht erwarten. Wer Leistungsorgien will, muss zu schwerem Geschützt greifen. Dennoch: Für den Alltag reicht die Leistung auch und selbst voll beladen kann man auf der Autobahn mit 170 km/h unterwegs sein. Mit vier Personen und Gepäck blieb der Spritdurst mit unter 7,5 Litern sehr manierlich, zumal nicht auf sparsame Fahrweise geachtet wurde. Der angegebene Mix-Verbrauch von unter sechs Litern sollte ohne Zusatzgewicht, mit einem Passagier und gebändigtem Gasfuß durchaus möglich sein. Die Sechsgang-Handschaltung arbeitet exakt, die Lenkung könnte direkter sein.

Der größte Konkurrent in der Kaufentscheidung für den Qashqai+2 dürfte ein Fahrzeug wie der Volkswagen Tiguan sein. Etwas kleiner, optisch ebenfalls attraktiv siedelt der Volkswagen allerdings in ganz anderen Preishöhen als der Japaner. Mit Einstiegsbenziner wird der Qashqai+2 ab etwa 22.000 Euro angeboten. Dafür gibt es immerhin schon einiges, das man woanders in der Aufpreisliste suchen muss: ein Glaspanoramadach, eine Dachreling, eine Bluetooth-Schnittstelle, einen AUX-Eingang und ein paar weitere Nettigkeiten. Angesichts dieser Einpreisung kann man über die ulkigen Sprachfehler der Navigationsstimme schon hinwegsehen. Alles in allem zeigt sich der Qashqai+2 als harmonischer, komfortabler Familienwagen, mit einer Prise optischer Extravaganz. Bezahlbare Besonderheit ist durchaus ein Alleinstellungsmerkmal.

Gernot Kramper

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker