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Opel Zafira 2: Sporty-Van

Mehr Chic, mehr Sport und mehr Qualität gibt es im aktuellen Modell. Mit 200 PS versägt der Mini-Van außerdem alles, was nicht Porsche heißt.

So viele Köpfe, so viele Meinungen. Opels Raumwunder wurde nacheinander von mehreren Redakteuren gefahren.

I. Der Sporty-Van

Im satten Türkis steht Opels Prachtstück auf dem Parkplatz. Die Farbe durfte ich mir nicht aussuchen, trotzdem kommt sie mir vertraut vor. In der Zeit der "Neuen Deutschen Welle I" lackierten sich die Mädchen so Fuß- und Fingernägel. Optisch sticht der Neue den Alten trotz der eigenwilligen Lackierung locker aus. Zafira Nummer 1 sah, trotz der Nettigkeiten beim Facelift, immer wie ein knubbeliger Lieferwagen aus. Nett, freundlich, gutmütig und unglaublich brav und bieder. Ein Peter Lustig aus der Autowelt. Die neue Form drückt nun aufs Gas. Frech stemmt sich die Nase in den Wind, die Seitenflächen sind dynamisch aufgebaut. Eine leichte Pfeilung gibt Schwung nach vorn und der Abschluss am Heck wirkt stramm und fest.

Könnte der neue Zafira Ihr Herz erobern?

An den Seiten steigt das Blech an, so verjüngen sich die Seitenscheiben, ohne dass das Dach nach unten gezogen werden müsste. Halbrunde, ausgestellte Radläufe geben eine gewisse Kernigkeit. Das erste Mal, dass diesem Betrachter der opeltypische Chromgürtel am Heck so gut gefällt. Dabei ist das Testmodell noch die bravere Variante. Wer sich für das Panoramadach entscheidet, kann von innen nicht nur die Sterne auf der Autobahn betrachten. Von außen schärft der Irokesen-Kamm den Opel mächtig an. Den Kamm gibt es leider nicht, aber auch so kann ich mich mit dem neuen Zafira sehen lassen, ohne dass "Kinderwagen" die erste Assoziation ist.

Lass es krachen

Die gewaltige Tröte unter der Heckklappe verrät die Motorisierung: 200 PS Turbo-Power. Mit diesem Motor macht das Ladewunder richtig Spaß. Dem Reiz des Wumms kann ich mich nicht entziehen, endlich zieht das Fahrwerk die Kraft durch die Kurven. Bei aller Liebe zum Vorgänger, dem würde ich nur mit viel gutem Willen PKW-ähnliche Fahrleistungen attestieren. Enge Kurven ging ich lieber mit Demut und eingezogenem Gasfuß an. Nun, vor allem mit dem optionalen Sportfahrwerk, sind die Einschränkungen eines Mini-Van nicht mehr spürbar. 200 PS wecken dabei das Kind im Mann. Immer dann, wenn Wagen mit großem Image und kleinem Motor an der Ampel bräsig auf den Zafira herab sehen. Aufgewacht Freunde! Eine Herzensangelegenheit, allen Ignoranten den Blitz am Heck zu zeigen. Opel liebt solche Späßchen, wie sonst soll es zu erklären sein, dass eine OECD-Variante mit 240 PS nach geschoben werden soll. Das Fahrwerk hat übrigens keine Probleme die Motorleistung in Vortrieb umzusetzen. Interessenten mit einem ernsthafteren Verhältnis zum Automobil sollten sich eher die beiden Dieselmotoren ansehen. Die Zeiten, in denen Opel raubeinige Selbstzünder verbaute, sind vorbei, heute sind beide Motoren zu empfehlen. Mit dem stärkeren sollten zumindest meine Sportambitionen mehr als erfüllt werden.

Wertsteigerungspaket

Das revolutionäre Raumkonzept besaß der Zafira bereits, an ihm wurden nur Feinschliff geleistet. Die echte Überraschung ist die Qualität. Früher erinnerte der Zafira an einen Lieferwagen, den ein Quadratmeter robuster Bezugsstoff wohnlich machen sollte. Nun wirkt einfach alles edler und solider. Auch die Endverarbeitung gefällt mir, trotz intensiver Suche gibt es keine Patzer. Coole Sache. Wer es nicht glaubt, kann sich nacheinander in die B-Klasse und den Zafira setzen, und den Griff-Test machen. Unwahrscheinlich, dass der Zafira dabei enttäuscht.

Wenn der Kopf Freude hat

Der Alte war schon immer sehr praktisch. Bot Raum für eine Familie mit Gepäck, aber kein Platz für Gefühle. In den Disziplinen Ausstattung, Fahrwerk und Optik wurde nur "Alte Herren IV" geboten, dagegen kommt mir der Nachfolger wie ein Triathlet vor. Ziemlich flott, was Opel da vom Band gelassen hat. Im Segment der kompakten Raumwunder macht dem neuen Zafira keiner etwas vor.

Hoch auf dem grünen Wagen - Jens Maier

Hübsche Mädchen, die mir an der Ampel zuzwinkern, Herren in Nadelstreifenanzügen, die mir neidisch nachschauen und jede Menge frischer Luft: Als SLK-Fahrer habe ich das, wovon jeder Opel-Besitzer nur träumen kann. Warum in aller Welt sollte ich meinen Roadster also für eine Woche gegen einen neuen Opel Zafira tauschen? Zum Beispiel, weil Oma und Mutti sich zum alljährlich wiederkehrenden Familienbesuch angekündigt haben und wir nicht zu dritt in mein Auto passen, ich seit Monaten bei Ikea ein Regal kaufen wollte, das nicht in meinen Kofferraum passt und das Sommer-Wetter in Hamburg sowieso nicht zum offenen Fahren einlädt.

Dass mein Kollege unseren Wagentausch mit einem Grinsen quittiert, hätte mich misstrauisch machen müssen. Und auf dem Parkplatz wird mir auch klar warum: Meine Befürchtungen, dieser Wagen könnte nicht auffällig genug sein, werden auf einen Schlag weggewischt: Der Zafira ist bonbongrün – "breezeblau" nennt Opel das. Wie ein bunter Hund wird er unter all den silberfarbenen und dunklen Limousinen auf Hamburgs Straßen hervorstechen. Die Mädels werden mich nur noch mitleidig anschauen und die Jungs hämisch lachen. Die Häme meiner Freunde wird mir sicher sein.

Mit Sonnenbrille und Baseball-Cap vergrabe ich mich, so gut es geht, hinterm Lenkrad. Hoffentlich erkennt mich niemand! Doch schon bei der Fahrt zum Supermarkt scheitere ich. Mein Nachbar kommt auf mich zugelaufen und fragt interessiert: "Ist das der neue Zafira". Ganz schön groß sei der geworden und er sähe jetzt so flott aus. "Wirklich?", frage ich erstaunt. Ob er sich mal reinsetzen dürfe. Wie ein kleines Kind freut er sich, als er das Cockpit des Vans besteigen darf. Jeder Schalter wird in Augenschein genommen, fast streichelnd gleiten seine Finger übers Lenkrad. "Den werde ich mir bestellen", sagt er überzeugt.

Zugegeben, mein Nachbar ist über 50, Oberstudienrat und trägt Sandalen mit weißen Socken und Hawaii-Hemden, passt also wunderbar in mein Klischee vom herkömmlichen Opel-Zafira-Fahrer. Aber warum braucht so einer Platz für sieben Personen und einen Kofferraum, der es mit dem Gepäck einer halben Fußballmannschaft aufnehmen könnte? Der Wagen sei eben praktisch, erklärt Herr Wiese und geht zum Anschauungsunterricht über.

Statt die Rücksitze in orthopädisch bedenklicher Körperhaltung aus ihren Halterungen zu operieren und herauszuwuchten, macht Herr Wiese mit wenigen Handgriffen aus den beiden Sitzen in der dritten Reihe eine ebene Ladefläche. Ob ich schon mal ein Surfbrett mit meinem SLK transportiert hätte, fragt mich Herr Wiese grinsend. "Ich kann froh sein, wenn ich drei Getränkekisten unterbringe." Diese Antwort spornt ihn an: Wenige Sekunden später sind auch die Sitze im Fond vollständig im Zwischenboden versunken.

Die große Variabilität ist in der Tat der Clou des Zafira. Wem dieser Wagen zu wenig Platz bietet, dem kann eigentlich nur noch mit großen Geländewagen oder noch größeren Kleinbussen geholfen werden.

Platz im Überfluss ist zwar gut und schön - doch nur wenn man’s braucht. Ich für meinen Teil behalte lieber meinen Zweisitzer und fahre dafür zwei Mal in der Woche zum Supermarkt, um Getränkenachschub zu ordern - auch wenn’s manchmal nervt. Der SLK macht zu viel Spaß, auch wenn der Zafira in Punkto Fahrleistung und Komfort sich in seiner Klasse nicht zu verstecken braucht.

Aber Äpfel und Birnen kann man eben nicht vergleichen, auch wenn ich es gerade versucht habe. Und liebe Opelianer, wenn ihr jemals ein Cabriolet herausbringt, das ebenso variabel ist, schickt mir gleich ein Prospekt

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.