Peugeot 207 110 Sport Das Lecker-Mäulchen

Die 2er-Reihe ist der Bestseller von Peugeot, doch kein Jedermann. Mit viel Witz und Charme umgarnt der City-Chauffeur seine Besitzerin. In kritischen Situationen hilft eine Duftspritze, die Contenance zu behalten. Ein wahre Freude, wenn nur ein anderer Motor mit von der Partie wäre.

"Oh ist der süß!!" Ein harter Kerl würde jetzt zusammenzucken, der 207 schnurrt wie eine Katze. Denn er kommt an nicht nur bei den Damen, bei ihnen aber besonders. Er weiß seine Vorzüge in Szene zu setzen, ohne aus der Rolle zu fallen.

Peugeots Markensgesicht - der Lufteinlass in Riesengröße - wirkt gar nicht aggressiv, eher wie ein fröhliches Lachen. Dazu die Augen: ein Wagen, der jeden Morgen in der Garage mit dem Po wackelt und fragen wird: "Wohin geht es denn heute, du Schöne!"

Guck-in-die-Welt"

So einen Begleiter wünscht sich die Frau, übrigens nicht nur in der Garage. Einmal Platz genommen landet man nicht in einer dunklen Blechschachtel, sondern in einer hellen freundlichen Ausguckkanzel. Sehen und gesehen werden. Mit dem - optionalen - Glasdach für 400 Euro fährt es sich so, als könnte man im Wintergarten durch die Stadt kutschieren. Einfach inspirieren lassen, dann klebt man nicht mehr an des Vordermanns Stoßstange, sondern flaniert durch die Alleen.

Die Sitze sind ganz unfranzösisch fest und sportlich. Interessenten mit uncharmanten Gewichtsproblemen sollten lieber Probe sitzen, ob ihnen diese Umklammerung behagt. Sportliche Fahrer werden entzückt sein. Größe ist dagegen kein Problem mehr - der 207 ist im Vergleich zum 206 gewachsen und vorne sitzt man überaus komfortabel. Weit vom Fahrer entfernt baut sich die schräggestellte Scheibe auf, unendliche Weiten öffnen sich.

Mit Riechsalz

Ach und was passiert, wenn ein alter Diesellaster aufjault und seine schwarzen Schwaden Innenraum und Kostüm angreifen? Dann greift frau zur eingebauten Duftspritze (50 Euro) der Klimaanlage. Süß. Wenn es hilft, hartnäckige Gerüche von Hunden oder den Herbstmuff feuchter Kleidung in Schach zu halten, sogar sinnvoll. Leider lässt sich die Langzeitwirkung in 14 Tagen Bekanntschaft nicht überprüfen.

In der edlen Sport-Ausstattung bietet der 207 ein angenehmes Umfeld, sehr gut fühlen sich die Kunststoffe an, da verbauen deutsche Premiumhersteller in ihren Einstiegsmodellen teilweise weit weniger appetitliche Zutaten. Geschmackvoll und doch dynamisch die Alumuniumapplikation, griffig das Lederlenkrad. Kleine Details erfreuen in Praxis, wie die Kunststoffeinlagen in den Ablagen, die weitestgehend das Herumrutschen von Kleingeld und Schlüsseln verhindern. Hinten sitzt man qualitativ gut, solange man nicht allzu groß ist. Der 207 ist eben ein Auto, das viele Bedürfnisse erfüllt, aber kein Großfamilientransporter.

Kurviges Fahrwerk

Fahrwerk und Lenkung arbeiten weit sportlicher, als vermutet. Die Unterstützung der Servolenkung reagiert geschwindigkeitsabhängig. Etwas gewöhnungsbedürftig, weil sie beim Parken und im Stop-and-go-Verkehr fast keinen Widerstand aufbaut, jedoch wird sie bei schon bei normaler Geschwindigkeit sehr direkt und präzise. Das Fahrwerk leistet sich bei keine schwächen, allein bei längeren Strecken auf der Autobahn ist es eher zu sportlich und zu unkomfortabel. Gerade auf ausgewaschenen, welligen Strecken schaukelt sich der Wagen äußerst unangenehm auf.

Fauler Schluckspecht

Schaltung und Motor halten das hohe Niveau leider nicht ein. Die 110 PS des Benziners vermitteln im Stadtverkehr zwar noch eine behände Frische, auf der Autobahn zeigt sich der Motor aber dann doch als sehr limitiert. Ab 130 km/h ist von vorwärtsstrebender Dynamik nichts zu spüren, dafür mache sich auch allein an Bord Steigungen unangenehm bemerkbar. Bei etwa 150 km/h ist die noch empfehlenswerte Reisegeschwindigkeit erreicht, auch damit das Wägelchen sich mit weniger als zehn Litern Benzin zufriedengeben soll. Sechs Gänge machen auch keinen Sportwagen, sie würden etwas mehr Frische produzieren, die Fünfgangschaltung macht den Wagen müder, als es sein müsste. Dafür arbeitet sie präzise, wenn auch nicht mit kurzen Schaltwegen. Wer mit dem Fahrwerk arbeiten will, sollte sich die kommende Sportversion ansehen. Die gefahrene 1.6-Liter-Version ist ohnehin nur ein Lückenbüßer für die kommende Benzinmotorenreihe.

Warten auf den Herbst

Abgesehen vom unerfreulichen Motor ist man mit dem 207 sehr angenehm, licht und hell unterwegs. Ein entspannter Wagen für die Stadt. In einer stattlichen Dimension, nur Familien bräuchten wirklich mehr Auto. In Sachen Motor empfiehlt sich die 1,4-Liter-Basis-Version.


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