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Praxistest: Škoda Superb 2.0 TDI: Manufaktum

Der schmucke Verkaufsprospekt zeigt nicht nur glänzende Metalliclacke, sondern auch hochwertige Geldbörsen, Schreibsets und eine Luxusuhr. Fazit: Mit dem Superb ist Škoda in der Premiumliga angekommen.

Jahrelang galten Octavia und Superb aus dem Hause Škoda als preiswerte und gute Alternativen zum omnipräsenten Mittelklässler VW Passat. Doch wer die neueste Superb-Generation allein auf ein Passat-Derivat beschränkt, der tut den Wolfsburger Tschechen Unrecht. Der 4,84 Meter lange Luxusliner lässt kaum Wünsche offen - und bleibt dabei auch noch bezahlbar.

Ein Blick in die Broschüre der "Superb Collection" zeigt, wohin die Reise gehen soll: In dunklem Rot gehalten, bemüht man sich um einen hochwertigen, aber nicht überteuerten Eindruck. Der Superb-Schriftzug ist in klaren Lettern eingestanzt. Das macht den mehrseitigen Accessoires-Katalog nochmals ein Stück edler – ohne dabei ins Prahlen zu verkommen.

Schlüsselanhänger, Geldbörsen, Brieftasche und Dokumentenmappe – alles aus mittelbraunem Leder mit Preisen zwischen 11,90 und 199 Euro. Highlight ist der Fliegerchronograph aus dem Hause Sinn für 1.290 Euro. So ist Škoda eben. Man will in einer bezahlbaren Liga Manufaktur-Charakter versprühen.

Das gilt ganz besonders beim Topmodell Superb. Kein Blender, keine Show – alles an Škodas Topmodell ist real und standesgemäß. Stets erkennt man einen dezenten Hauch von Luxus.

Wirklich passend ist angesichts von langem Radstand und dem 170 PS starken Commonrail-Diesel denn auch allein die Elegance-Variante. Die bietet all die üppigen Annehmlichkeiten, die der edle Tscheche schon per Serie bietet - und noch ein gutes Stück mehr.

Lederne Sessel etwa, vorne wie hinten sehr bequem und dafür gebaut, dass man nicht immer die kürzeste Route nehmen muss. Das Feinnappa in beige oder schwarz fühlt sich nicht nur gut an, sondern sieht auch gut aus und ist im Vergleich zu Stoff- oder Alcantara-Bezügen zudem noch pflegeleicht. Elektrische Verstellung und Sitzheizung gibt es zudem.

Škoda, mit Erfolgszahlen und Entwicklungen der letzten Jahre gleichermaßen dekoriert, erlaubt sich trotzdem keinen Höhenflug, wie man ihn sonst in der Premiumliga vermuten würde. Beispiel: Das gute Navigationssystem hat einen großen Namen ("Columbus"), ist mit 1.580 Euro jedoch rund 2.000 Euro günstiger als bei der Konkurrenz.

Rare Schwächen

Einziger Kritikpunkt im Innenraum: Das Heckrollo ist unzeitgemäß nur manuell zu bedienen und die Rücksitze lassen sich nicht verstellen.

Überhaupt sind die Schwächen des Škoda Superb überaus rar gesät. Von der umklappbaren Fußstütze in der Rückenlehne des Beifahrersitzes hat man sich zum Glück verabschiedet. Die Beinfreiheit ist sowieso größer als in dieser Liga üblich und die kleinen Stützen im Fußraum tun allemal ihren Dienst, um ermüdungsfrei anzukommen.

Anzeigen und Bedienelemente kennen Fahrer und Passagiere zum Teil aus dem VW-Konzern. Das tut der Hochwertigkeit und der angenehmen Haptik jedoch keinen Abbruch – im Gegenteil. Das meiste fasst sich gut an und ist auch bei Dunkelheit vorbildlich beleuchtet.

Der Kofferraum hat mit 565 Litern Volumen gigantische Ausmaße. Er lässt sich ganz nebenbei noch auf spektakuläre 1.670 Liter erweitern, wenn man die Rückbank umklappt. Da müssen selbst einige Kombis passen. Keine Abstriche muss der Lademeister auch der Zuladung machen. Die beträgt stattliche 620 Kilogramm.

Dass man die Wahl hat, ob man nur den Kofferraumdeckel oder wie bei einem Fließheck alternativ die gesamte Kofferraumklappe öffnet, mag man als Gimmick abtun. Im realen Leben tut es die kleine Klappe in jedem Fall. Eher vermisst man eine elektrische Betätigung, die bei der großen und schweren Klappe schon mit Rücksicht auf klein gewachsene Personen längst Standard sein sollte. Leider gibt es diese nicht einmal gegen Aufpreis.

Reisen geht vor Rasen

Den Fahrer am Lenkrad stört das wenig. Er ist mit dem 170 PS starken Superb 2.0 TDI jederzeit gut unterwegs. Nicht nur schaltfaule Piloten sollten sich für das optionale Direktschaltgetriebe DSG entscheiden, das längere Fahrten ebenso wie der nervige Stopp-and-Go-Verkehr auf der Bundesstrasse oder dem Kölner Ring erträglicher macht. Wer noch besser gerüstet sein möchte, der entscheidet sich für die Kombination aus Commonrail-Diesel, Doppelkupplung und Allradantrieb und nimmt damit den Wetterwirren jeglichen Schrecken.

Ein Sportler ist der Superb 2.0 TDI trotz 125 kW/170 PS und 350 Nm maximalem Drehmoment nicht. 4,84 Meter lang, über 1,5 Tonnen schwer, mit Gepäck oder sich räkelnden Fondinsassen unterwegs, muss der Commonrail-Diesel in oberen Drehzahlreichen mächtig arbeiten. Darüber täuschen auch die fleißigen Schaltvorgänge des Sechsgang-DSG nicht hinweg. Im Praxistest lag die Höchstgeschwindigkeit bei gemessenen 220 km/h und den Spurt von 0 auf 100 km/h legte der Frontriebler in 9,7 Sekunden zurück. Das ganze bei alles in allem anständigen 7,7 Litern Diesel auf 100 Kilometern. Das Tankvolumen liegt bei 60 Litern.

Keine Wunder darf man angesichts der komfortabeln Fahrwerksabstimmung, der üppigen Gesamtlänge und des 2,76 Meter langen Radstandes in Sachen Fahrdynamik erwarten. So gibt es besonders im Grenzbereich starkes Untersteuern und spürbare Nick- und Wankbewegungen der Karosserie. Eine gute Wahl wäre, dem Superb mittelfristig auch das elektronische Dämpfersystem aus dem VW-Konzern zu spendieren. Die meisten werden es allerdings kaum vermissen: Reisen geht wohl beim jedem Škoda-Kunden vor Rasen.

Eine exzellent ausgestattete Limousine wie den Škoda Superb 2.0 TDI DSG Elegance mit Luxus-Ambitionen und grandiosem Reisekomfort für 33.340 Euro - wo gibt es sowas sonst schon? Noch dazu mit modernen Motoren und überzeugender Qualität. Sieben Airbags, ESP, ABS, Klimaautomatik und beheizte Ledersitze sind beim Superb Elegance serienmäßig schon für 27.090 Euro Basispreis an Bord. Optional sollte man sich für beheizbare Rücksitze, Xenonlicht und Navigationssystem entscheiden. Macht unter dem Strich kaum mehr als 35.000 Euro Komplettpreis - dafür bekommt man bei Mercedes nicht mal eine mager bestückte Basis-E-Klasse.

Stefan Grundhoff / pressinform / PRESSINFORM
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Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.