Praxistest: Suzuki Swift 1.6 Sport Wieselflink


17-Zöller, Doppelrohr-Auspuff, Heckspoiler - auch ohne das "Sport"-Signet würden die meisten den Suzuki Swift 1600 als Kurvenjäger der kleinen GTI-Klasse erkennen. Sportskanone oder nur ein müder Blender?

Das angenehm zurückhaltende Äußere des Standard-Swift wurde durch größere Räder, einen Heckspoiler an der Dachkante und eine Doppelrohr-Auspuffanlage deutlich in Richtung Sportlichkeit aufgewertet. Kurze Karosserie-Überhänge, betont durch neue Front- und Heckschürzen, runde Karosserieformen und nicht ganz drei Meter siebzig Länge - so steht der Swift Sport da, auf breiter Spur mit 17-Zoll-Leichtmetallrädern. Sympathische Leuchten und knackige Seitenschweller unterstützen noch das sportliche Image des in Europa entworfenen und im ungarischen Esztergom gebauten Japaners.

Die weit öffnenden Türen geben schmuckes Interieur frei: Sportsitze und Türverkleidungen in schwarz-roter Bespannung, schwarzes Leder-Lenkrad mit roten Nähten und eine gelochte Aluminium-Pedalerie - das sind Zutaten, die nicht nur Jungen-Herzen höher schlagen lassen. Die ein wenig zu großzügigen Plastikflächen im Armaturenbrett - wenn auch geringfügig durch Aluminium-Applikationen und Gummierungen abgesetzt - sind Erbe des normalen Swift. Dabei geben Haptik und Verarbeitung keinen Anlass zur Kritik, die Instrumente des Seriencockpits sind klar und übersichtlich, alle Bedienelemente in der Mittelkonsole selbsterklärend.

Die Platzverhältnisse und das Raumgefühl auf allen Plätzen sind für Durchschnitts-Europäer trotz der kompakten Außenmaße überraschend gut, der Einstieg auf die beiden Fondsitze ist trotz der fehlenden hinteren Türen erfreulich komfortabel - für groß gewachsene Personen geht es freilich etwas enger zu. Fehlende Ablagen dort, wo man sie gern hätte, schwächen den guten Gesamteindruck des Innenraumes etwas. Leider kann auch das Gepäckabteil nicht mit den Vorgaben der europäischen Kleinwagen mithalten: Lediglich 213 Liter Kofferraumvolumen sind nicht eben viel - ein VW Polo GTI bietet schon 270 Liter. Und die 495 Liter bei umgeklappten Rücksitzen werden sogar von einem Nissan Micra SR mit 584 Litern übertroffen.

Nicht so einfach übertrumpfen lässt sich der Swift 1600 in der Sympathie-Wertung - denn das knackige Äußere und das poppige Innere werden durch einen kernigen Motorsound unterstützt, den der 1.6-Liter-Vierzylinder durch die Doppelrohr-Auspuffanlage schickt. Der Motor ist bei weitem keine Neuentwicklung, sondern lediglich ein aufgebohrter 1.5-Liter-Motor der normalen Serie mit höherer Verdichtung, geänderter Drosselklappensteuerung und geglätteten Ansaugrohren.

Entsprechend moderat fällt auch der Leistungszuwachs aus: 125 PS bei immerhin 6.800 Touren statt 102 PS bei 5.900 U/min. Damit spielt der Sport-Swift eher in einer Liga mit dem Citroën C2 VTS (122 PS) oder dem Nissan Micra 160 SR (110 PS), denn Ford Fiesta ST und VW Polo GTI sind schon mit 150 PS unterwegs.

Dank des Kampfgewichts von 1.105 Kilogramm hängt der 16-Ventiler mit oben liegenden Nockenwellen und variabler Ventilsteuerung (VVT) gierig am Gas. Mit Leichtigkeit an die Drehzahlgrenze von 7.000 U/min zu treiben, wirkt der japanische Spaßmacher keinesfalls zäh. Zugegeben: Die 148 Newtonmeter Drehmoment sind nicht eben üppig und zwingen oft zum (Herunter-)Schalten - das jedoch macht mit der knackig-kurzen Schaltung durchaus Spaß. Der Sprint von Null auf Tempo 100 in 8,9 Sekunden ist zwar kein Traumwert. Die 200 Kilometer pro Stunde Spitzentempo sind jedoch nicht zu verachten und sorgen für mancherlei verwunderte Blicke auf der Autobahn.

Die Freude ist jedoch von kurzer Dauer, denn das Fünfganggetriebe benötigt dringend einen sechsten Gang - trotz der perfekten Abstimmung. Denn jenseits der Richtgeschwindigkeit mutiert der kernige Motorsound irgendwann zum nervigen Dröhnen und schlägt nach längeren Passagen durchaus aufs Gemüt.

Die Kurvenhatz auf verlassenen bayrischen Landstraßen jedoch ist ein Vergnügen. Ganz leicht untersteuernd folgt der Swift Sport dem Lenkeinschlag und bleibt dank der gutmütigen Lastwechselreaktionen jederzeit kontrollierbar. Kleine Fahrfehler werden durch das sehr gut abgestimmte, äußerst sportliche Fahrwerk abgemildert, größere korrigiert das serienmäßige ESP - natürlich nur in den Grenzen der Physik. Mit abgeschaltetem ESP gar bietet der kleine Kurvenjäger wundervolle kleine Heckschwenks, die die subjektive Fahrdynamik weiter steigern - sofern man damit umgehen kann und will.

Dank des sportlichen Fahrwerks und des vergleichsweise großen Radstandes von 2,38 Metern klebt der Swift 1600 förmlich an der Straße und schluckt wellige Pisten ebenso wie kleine Unebenheiten. Doch wo Licht ist, ist auch Schatten: Fahrbahnschäden oder unebene Kanaldeckel werden unvermindert an die Insassen weitergereicht - was jedoch durchaus zum sportlich-dynamischen Empfinden beiträgt.

Ganz und gar unsportlich ist der Kraftstoffverbrauch: Bis zu 10 Liter auf 100 Kilometer bestätigt der Bordcomputer bei flotten Ausritten auf Autobahn und Landstraße. Selbst bei moderater Fahrweise und bei dezentem Einsatz der sportlichen Möglichkeiten waren es noch durchschnittlich 8,2 Liter Super Plus auf 100 Kilometern. Das ist immerhin ein Liter über der Herstellerangabe, die mit 7,2 Litern auch nicht eben zeitgemäß ausfällt. Ebenfalls unzeitgemäß sind die Inspektionsintervalle von 15.000 Kilometern. Der C0s-Ausstoß liegt bei 175 g/km.

Aktuell und gut ist jedoch die Sicherheitsausstattung: ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung, ESP, Airbags, Gurtstraffer vorn, höhenverstellbare Sicherheitsgurte vorn, drei Drei-Punkt-Sicherheitsgurte hinten, ISOFIX-Kindersitzbefestigungen und Nebelscheinwerfer. Ebenfalls gut ist die serienmäßige Komfortausstattung: Zentralverriegelung mit Fernbedienung und Keyless Entry-and-Start, Klimaautomatik mit Pollenfilter, Lederlenkrad mit Radiofernbedienung, Sitzheizungen vorn, elektrisch einstell- und beheizbare Außenspiegel, elektrische Fensterheber, 17-Zoll-Leichtmetallräder und Dachkantenspoiler.

Der Suzuki Swift Sport 1600 ist für 17.500 Euro zu haben, angesichts der gebotenen Fahrleistungen und Ausstattung ein guter Preis - wenn auch kein Schnäppchen. Da die als Zielgruppe angepeilte jüngere Generation mit leichterem Gepäck unterwegs zu sein scheint, ist der mäßige Kofferraum wohl ein untergeordnetes Kriterium. Bleibt nur die leider in allen Suzukis sehr mäßige Qualität der Stereoanlage - warum bitte muss sie so viel schlechter klingen als jede heimische Stereoanlage?

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