Probefahrten Opel Knick und weg


Mit seinem Metallklappdach ist der Opel Tigra ein doppeltes Flottchen - Coupé und Cabrio

Erst zauderten die Opel-Oberen beim endgültigen Jawort zum Serienauftakt. Dann verzögerten knifflige Detailprobleme im Klappdach den Start. Wenn der Tigra Twin Top, ein Cabrio auf Corsa-Basis, im September endlich Premiere feiern kann, sind die Konkurrenten längst da. Doch die Bummelei könnte sich zum Vorteil wenden. Etwa die lange Tüftelei im Oberstübchen. Denn der Tigra faltet seine Blechhaube nicht platzfressend in den Kofferraum, sondern fast senkrecht hinter die Sitze. Dadurch entfällt eine zweite Sitzreihe, dafür gibt es mehr Platz vorn und zugleich deutlich mehr Stauraum fürs Gepäck als beim wichtigsten Klassengegner, dem Peugeot 206 CC. Der hat zwar vier Sitze, die zweite Reihe ist dort allerdings nur für Kleintiere, Einkaufstüten und Akrobaten zu nutzen. Ob der deutsche Nachzügler dem gallischen Herausforderer hinterher- hecheln muss, klärt ein stern-Fahrbericht.

Glanz & Gloria: überraschend. Opel baut keine Angeberautos, fährt beim Image trotzdem zügig auf der Überholspur. Zuletzt punkteten die Rüsselsheimer mit ihrem Astra sogar gegen den ewigen Klassenprimus Golf. Dabei half das neue Design, mit dem jetzt auch der Tigra antritt: nüchtern und geradlinig statt pummelig und rundgelutscht. Mit dem ersten deutschen Klapp-Cabrio in der kleinen Klasse gilt Opel plötzlich als Aufsteiger mit eigenen Ideen und Karosserielinien.

Gas & Spass: ordentlich. In nur 18 Sekunden wird per Knopfdruck aus dem Coupé ein Cabrio. Beide Motorvarianten ziehen munter ab, Cockpit, Sitze und Sitzposition sind tadellos, die Bedienelemente von cooler Schlichtheit, die auch ein Akademiker auf Anhieb begreift. Für flott durchfahrene Kurven könnte die Lenkung einen Tick gefühlvoller arbeiten. Das serienmäßige Fünfganggetriebe kommt locker und präzise in die Gänge, aber trotzdem wäre ein sechster echt geil. Gibt's nicht.

Gleiten & Geniessen:

toll. Der Tigra ist keine Krawallkiste mit Knochenbrecherfahrwerk, eher ein akustischer Leisetreter mit Federung für Bandscheibengeplagte. Mehr Platz für zwei und ihr Gepäck bieten selbst ausgewachsene Cabrios nicht. Das Raumgefühl passt in die nächsthöhere Klasse. Frischluftfans werden nicht jammern, wenn ab Tempo 80 trotz Windschott und Seitenscheiben eine recht steife Brise durch den Tigra fegt. Böse Mienen drohen schon eher, wenn die Stirn beim Ein- oder Aussteigen gegen die bedrohlich nahe und niedrige Einfassung der Frontscheibe (A-Säule) stößt.

Geld & Wert: verlockend. Schon die Einsteigerversion "Enjoy" mit 1,4-Liter-Motor ist einschließlich Schleuderverhinderer ESP und Dach-Automatik satt bestückt und für moderate 16 695 Euro zu haben. Ein klarer Kampfpreis. Nur fünf Euro teurer als der Rivale von Peugeot. Sogar der Daihatsu Copen, Klappdachwinzling aus Fernost mit 700 Kubikzentimeter Motörchen, kostet mehr. Zudem fällt die Tigra-Sonderausstattungsliste kurz aus, und die möglichen Zutaten sind nicht unverschämt teuer. Ausreißer nach oben ist allerdings das Windschott für 200 Euro.

Fazit:

Mehr Cabrio-Spaß und Vernunft auf vier Metern wird für weniger Geld kaum zu finden sein. Der Tigra Twin Top ist die neue Messlatte seiner Klasse.

Peter Weyer


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