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Reportage: Action Training: Aaaaaaaaaand Action!

Einmal wie Chris Ritter aus Cobra 11 mit einem schweren BMW in vollem Tempo die 180-Grad-Wende hinzirkeln - dafür muss man es nicht zum TV-Star bringen. Das kann man auch beim Action Training der Stuntcrew.

So kann man natürlich auch einparken: Sven* gibt in seinem 5er-BMW tüchtig Stoff und hält im rechten Winkel direkt auf die Lücke zwischen zwei Autos zu. Kurz bevor er auf gleicher Höhe ist, steigt er vom Gas, ein kleiner Schlenker am Lenkrad und ein kräftiger Zug am Hebel der Handbremse - der BMW dreht sich mit qualmenden Reifen um 90 Grad und rutscht mit der Beifahrerseite voran in die Parklücke. Auf gleicher Höhe wie die beiden parkenden Autos vor und hinter ihm kommt er zum Stehen. Passt.

Das unkonventionelle Einpark-Manöver ist Teil des Action Fahrtrainings auf dem Gelände der ehemaligen US-Airbase in Bitburg. Vier Mal im Jahr lässt es das Team, das ansonsten für die spektakulären Autostunts unter anderem der RTL-Fernsehserie "Alarm für Cobra 11" zuständig ist, hier ordentlich krachen. Mit "ganz normalen" Autofahrern am Steuer.

Sven zum Beispiel. Zusammen mit seinem Vater hat der End-Zwanziger in der Nähe von Saarbrücken ein kleines Geschäft. Das Ticket nach Bitburg hat sein Vater auf einer Messe als Hauptpreis gewonnen und an seinen Sohn abgetreten - der habe es wohl nötiger. Jetzt steigt Sven aus dem frisch eingeparkten BMW und strahlt zufrieden über das ganze Gesicht. So wie hier wird er sich zwar nicht den nächsten Parkplatz in Saarbrücken erobern - aber er weiß jetzt wenigstens, wie es gehen würde.

Denn ein sinnfreier Spaß für in die Jahre gekommene Crashkids ist das Fahrertraining keineswegs. Wer hier die Reifen heizt, der lernt vor allem präzise fahren. Auf den Punkt zu bremsen, sein Auto exakt zu lenken - und auch mit Dingen umzugehen, die ihn auf der realen Autobahn erst einmal ins Schwitzen bringen würden. Reifenplatzer zum Beispiel. Die sind hier beim Training keine Ausnahme. Bis zu 30 Pneus verschleißen pro Kurs. Gefahren wird eh meist bis hinunter zur Karkasse. Und wem einmal beim schnellen Driften der Hinterreifen explodiert, der weiß beim nächsten Mal nicht nur, wie sich das anfühlt, sondern auch, wie er dann noch halbwegs auf Kurs bleibt.

Die Instruktoren um ihren Chef Marco Walz verstehen ihr Handwerk. Wie ihr normales Tagesgeschäft aussieht, wenn sie nicht in Bitburg die Reifen quälen lassen, können die Teilnehmer gleich zu Beginn des Kurses auf einer kleinen Leinwand sehen. Dort wird minutiös ein spektakulärer Stunt aus der Fernsehserie analysiert - zwei Filmminuten, entstanden an einem langen Tag voll harter Präzisionsarbeit.

Leicht zerbeult und gut präpariert

Hinter dem Fahrtraining zwischen Gewerbepark und vor sich hin rostenden Raketensilos steckt die Hürther Firma action concept. Seit 1992 produzieren dort rund 150 fest angestellte Mitarbeiter komplette Action Serien für den deutschen und internationalen Markt. Neben den Folgen der Autobahnpolizei gehören dazu unter anderem auch die Serien "Der Clown" oder "Die Motorradcops". Alles Serien, die weniger von ihrer Handlung leben als von ihren spektakulären Stunts. Dafür wurde bei Aldenhoven ein eigenes, 2,3 Kilometer langes Autobahnstück mit allem Drum und Dran gebaut: Die größte Filmkulisse für Highspeed-Filmaufnahmen Europas.

So eingestimmt geht es in den leicht zerbeulten und gut präparierten Kurs-Fahrzeugen zum Gelände - eine wilde Taxifahrt, jeweils in Dreiergruppen, die Fahrzeuge bei Tempo 100 ständig auf so enger Tuchfühlung, dass kein Blatt Papier mehr dazwischen passen würde. Ein kleiner Vorgeschmack auf das, was dann kommt. Die wirklich spektakulären Stunts wie das Fahren auf zwei Rädern sind dem Kurs für Fortgeschrittene vorbehalten. Aber auch im Grundkurs geht es schon ganz gut zur Sache. Punktgenaues Bremsen, Ausweichen in voller Fahrt, Drehen in voller Fahrt um 90 und 180 Grad, Driften im Kreisparcours - am Abend weiß man, was man geschafft hat und woher der Muskelkater im Arm kommt.

Die Wagen - BMW und Ford Mondeo - haben allesamt Heckantrieb, deaktiviertes ABS und ESP und präparierte Handbremsen, die beim Hochziehen nicht einrasten. So lassen sich die Drifts und Schlenker, die Dreher und Rutschpartien präzise mit Lenkrad, Gas, Hand- und Fußbremse steuern. Am Abend wirbelt jede Kurvenfahrt die angewachsene Schicht Gummiabrieb auf. Mechaniker Stefan Huhn hat ein halbes Dutzend platte Reifen gewechselt und ahnt schon, wie viele Bremsbeläge und Getriebe am nächsten Tag zum Auswechseln anstehen.

Zur Not auch rückwärts

Und die Fahrer haben gelernt, sich selbst und ihre Fahrzeuge einzuschätzen und sie präzise zu dirigieren. Beim Bremsen auf den Mann zum Beispiel. Stuntman Stefan Koini steht in der Pylonengasse genau da, wo die Kursteilnehmer ihr Fahrzeug zum Stillstand bringen sollen. Die rasen mit Tempo 50 auf ihn zu, steigen in die Eisen - und bleiben nur Zentimeter vor den Beinen des Österreichers stehen. Oder auch nicht. Dann rettet ihn - je nach Restgeschwindigkeit - nur ein Sprung auf die Motorhaube oder zur Seite. Passiert, sagt er, sei ihm bei der Übung noch nie etwas.

Höhepunkt aber ist gegen Abend die "Stunt-Challenge", bei der die Kursteilnehmer über eine abgesteckte Strecke möglichst schnell ins Ziel sollen - nicht aber ohne an den eingebauten Schikanen all das anzuwenden, was sie den Tag über gelernt haben. Ja, genau: Drehen, Schlenkern, Bremsen, Ausweichen und in Sekundenbruchteilen reagieren. Dass sie etwas gelernt haben, zeigen nicht nur die Rundenzeiten sondern auch das Improvisationstalent eines Kursteilnehmers. Dem kracht nach halber Strecke das Getriebe zusammen, es funktioniert nur noch der Rückwärtsgang. Macht nichts: Unter dem Applaus der Umstehenden fährt er den Rest des Parcours mit dem Heck voran zu Ende.

Wer Lust auf solch dosierte Action abseits öffentlicher Straßen hat, der kann sich an einem der vier Termine dieses Jahr anmelden: 5. April, 21. Juni, 27. Juli und 27. September. Billig ist der Spaß mit 939 Euro Kursgebühr zwar nicht gerade - aber dafür werden die Fahrzeuge gestellt. "Wegen der hohen Materialbeanspruchung", wie es bei action concept hintersinnig heißt.

*Name von der Redaktion geändert

Jürgen Wolff / pressinform / PRESSINFORM
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Wissenscommunity

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.
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