Ssangyong Rexton 270 Xdi S Der Fels im Schneesturm


Die Nacht ist lang, der Schnee fällt weiß und liegt tief. Ungerührt schiebt sich der Rexton über Pässe und durch Wälder seinem Ziel entgegen. Glücklich angekommen möchte, man einfach "Danke" sagen.

Wenn Flugzeuge nicht starten können, LKWs vom Sturm die Böschung hinabgedrückt werden und auf der Bahn schon wieder gar nichts geht, dann schlägt die Stunde des Allrad-Fahrers. Viel Geld hat man bezahlt, häufig keinen Parkplatz gefunden, aber diese eine Nacht, die über einen Meter Neuschnee bringen wird, entschädigt jetzt für vieles. Auf glühendheißer Sitzheizung geht es frohgemut voran, vorbei an aufgelassenen Bussen und verzweifelten Kleinwagen. Wenn Ski und Berg rufen, lässt sich der Rexton weder lange bitten, noch lässt er seinen Fahrer in Stich. Permanenter Allradantrieb und die richtige Bodenfreiheit lassen sich auch dann nicht schocken, wenn nachts die Straßen nicht geräumt werden und der weiße Belag immer höher steigt. Am Ende wuchtet sich der mächtige Wagen durch eine Dünenlandschaft aus Eis, nur die Peilstangen am Straßenrand zeigen das Ende der Piste an.

Wozu Allrad? Wozu überhaupt Geländewagen? Diese Fragen hört man immer wieder. Schade, dass die Nörgler nicht bei der vierzehntägigen Ausfahrt des Rexton in den Alpen dabei waren. Wer eine Nacht, in der endloser Neuschnee weihnachtliche Stimmung verbreite, auf Pässen und Landstraßen im Rexton verbracht hat, wird es nicht bedauern, seinen Kleinwagen daheim gelassen zu haben. Bodenfreiheit und auf Wunsch permanenter Allradantrieb genügten, um das Fahrzeug durch fast meterhohe Schneewehen zu manövrieren. Die Geländereduktion wurde nicht benötigt und die vorsorglich eingekauften Schneeketten blieben in der Originalverpackung. Besser kann es nicht sein.

Ordentlich motorisiert

Für den guten Fahreindruck des Rexton sorgt zunächst sein grundsolider Motor. Das altbewährte Daimler-Triebwerk schafft zwar nur die Euro 3 Norm, gibt aber sonst keinen Grund zur Klage. 163 PS und solide 345 Nm Drehmoment machen dem Rexton Dampf. Zum Sportwagen mutiert er natürlich nicht. Auf der Autobahn sollte man nicht alles geben, bis 160 km/h fühlen sich Fahrer und Motor gleichermaßen wohl. Auf der Landstraße im Gebirge reicht die Power immerhin, jede Steigung souverän zu ignorieren. Natürlich ist der Motor nicht so laufruhig und kultiviert wie die modernen Sechszylinder. Ein gefahrener Verbrauch von zwischen 10 und 11 Litern (Allrad-Betrieb) lässt einen froh über sein leichtes Knurren hinwegsehen. Die Mix-Angabe für den Betrieb ohne Allrad liegt bei 9,4 Litern. Auch die Fünf-Bereichs-Automatik mag keinen Innovationspreis verdienen, passt aber ausgezeichnet zum Charakter des Fahrzeugs, wenn man auch gelegentlich manuell für die korrekte Fahrstufe sorgen sollte.

Richtig schick

Untendrunter also grundsolide, legt der Rexton oben rum richtig Glamour auf. Runde, ausgewogen gewölbte Formen, massive Chromapplikationen, ein kräftiger Grill: das Dickschiff verbirgt seine Masse und wirft dennoch mächtig Status in die Waagschale. Mehr "Hui" wird man fürs Geld kaum bekommen. Böse könnte man freilich sagen: Wieviel Lexus darf es denn sein? Das sind Einwände von Ästheten, der praktisch veranlagte Rexton -Fahrer sagt: Gut inspiriert ist besser, als schlecht selbst gemacht. Außen muss sich der Rexton jedenfalls nicht verstecken. Keck wurde er im Luxushotel neben einem Maybach geparkt und siehe da, es stellten sich keine Minderwertigkeitsgefühle ein.

Die Sparzone

Auf dem Armaturenbrett herrscht dagegen der Rotstift. Der Kunststoff wirkt hart, lieblos und wenig wertig. Details wie das Metall des Zündschlosses erinnern an gebrauchte Milchdosen. Mit etwas gutem Willen, ein wenig Autokosmetik und vielleicht etwas Zubehör kann man dieses Manko selbst beheben. Einen ausgesprochen guten Eindruck hinterlässt dafür das Ledergestühl. Lenkrad und Wahlhebel liegen sauber und angenehm in der Hand, die Sitze sind weit besser konturiert, als zu erwarten war. Das Leder selbst fühlt sich dick und solide an, ohne den gefürchteten Eindruck zu hinterlassen, es sei zu Tode gereinigt und behandelt worden. Man sitzt satt und fürstlich auf dem Fahrer-Thron und blickt milde gestimmt auf manche Krudität hinab. Und davon gibt es doch einiges. Das eingebaute Radio von Clarion hätte der Fahrer im eigenen Fahrzeug sofort entfernt, die korrekte Justierung der Heizung überforderte ihn auch nach 14 Tagen und die Cup-Holder scheinen für Likörgläschen gemacht zu sein. Dafür fährt der Rexton in den Innenmaßen ganz große Kaliber auf. Auf der Rückbank sitzt es sich bequem und selbst die dritte Reihe ist zu benutzen. 830 Kilogramm Zuladung und 3,5 Tonnen Anhängelast bieten sehr gute Werte.

Günstig, aber nicht billig

Der Basispreis von knapp unter 30.000 Euro zeigt aber auch, das SUV-Fahren nicht die günstigste Entscheidung ist. Das Basismodell wird preislich nur von anderen Koreanern unterboten, wirklich billiger kommt bei ihnen auch nur weg, wenn man schwächliche Motoren in Kauf nimmt und zur Not auf den Allradbetrieb verzichten kann. Der gefahrene RX 270 Xdi s Automatik kommt auf 34.850 Euro, Lederausstattung inklusive. Hinzu kommen Ausgaben für ein ESP (650 Euro), der echte Geländefahrer sollte auf das "Torque on Demand" für 900 Euro nicht verzichten. Doch man kann auch sparen. Schaut man auf die Ssangyong-Seite blinkt einem jetzt das 270 Xdi S Wintermodell an, hier gibt es einen Ausstattungspreisvorteil von 2500 Euro.

Praktisch, ohne High-Tech

Zu einem in diesem Segment sehr vernünftigen Preis kann man eine komplette Familie an Bord nehmen, einen Anhänger an den Haken und muss sich dennoch weder vor Steigungen und Schotter fürchten. Wer also einen großen SUV haben möchte und bei dem Geld am Ende doch eine Rolle spielt, kommt an einer Probefahrt kaum vorbei. natürlich stellt man sich mit dem Rodius keinen X 5 vor die Tür. High-End bieten weder Lenkung, noch Fahrwerk, noch Motor, aber grundsolide Hausmannskost. Für Genießer wurde das Außendesign entwickelt, im Innenraum könnte noch optimiert werden. Insgesamt fällt das Urteil aber sehr positiv aus. Mit dem Rodius erwirbt man einen super aussehenden SUV mit einem kräftigen Triebwerk.


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