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Toyota Auris: Millionen-Erbe

Das Auffälligste am neuen Toyota Auris ist seine Unauffälligkeit. Er ist Nachfolger des Corolla, des meistverkauften Autos der Welt.

Von Hans-Robert Richarz

So viele Toyotas mit den gleichen Buchstaben auf dem Nummernschild hat das Straßenverkehrsamt in Aurich noch nie zugelassen: 75 Exemplare des neuen Golf-Konkurrenten Auris mit dem Wunschkennzeichen AUR-IS meldete Toyota Deutschland kürzlich in Ostfriesland an, damit bei Händler- und Pressevorstellung der Name des Frischlings auch auf diese Weise ins Auge fiel. Der Gag schien angebracht, denn der neue Kompaktwagen, der wegen seiner ungewöhnlichen Höhe und der weit nach vorn gezogenen Windschutzscheibe an einen kleinen Van erinnert, ist optisch eher brav geraten. Die auffälligen Scheinwerfer und Heckleuchten, die in die Flanken hineinragen, verleihen dem Corolla-Nachfolger zusammen mit den ausgestellten Radkästen zwar einen Schuss Dynamik. Doch die Passanten werden deswegen nicht die Hälse verdrehen.

Corolla-Nachfolger? Produktmanager Klaus Kroppa bestreitet das: "Der Auris ist nicht der neue Corolla, er ist ein neuer Toyota." Was den Namen angeht, stimmt das. Richtig ist aber auch, dass der Corolla, mit etwa 32 Millionen verkauften Exemplaren erfolgreichster Personenwagen der Welt, seit vergangener Woche in Deutschland nicht mehr als Limousine angeboten wird. Lediglich der Mini-Van Verso trägt noch den Namen Corolla und steht nach wie vor in den Verkaufsräumen. Dass auch der Auris zu Umsatzgold wird, scheint programmiert. Darauf deutet schon sein Name hin. "Auris verweist auf Aurum, die lateinische Bezeichnung für Gold", sagt Kroppa. Japanische Wurzeln hat er kaum noch. Entworfen wurde der Kompaktwagen in Toyotas Design-Zentrum in Südfrankreich, produziert wird er in Großbritannien und der Türkei.

Der Innenraum ist großzügig, die Kopffreiheit reicht dank der hohen Dachlinie sogar für Leute mit Gardemaß. Allgemein sitzen die Passagiere vorn wie hinten fast so hoch wie in einem Van, was Ein- wie Aussteigen erleichtert und außerdem einen besseren Überblick als sonst üblich ermöglicht. Allerdings wäre an den Vordersitzen etwas mehr Oberschenkelauflage besser. Das verarbeitete Plastik wirkt nicht billig, Verkleidungen und Sitzbezüge machen einen gediegenen bis eleganten Eindruck. Staumöglichkeiten und Ablagen für Krimskrams sowie Becher und Flaschen gibt es reichlich.

Im neuen Toyota reist man komfortabel, auf Autobahnen genauso wie auf Landstraßen. Auf Letzteren kommt dank des sportlich-straff abgestimmten Fahrwerks, das auch ruppige Stöße klaglos schluckt, sogar Freude am Kurvenfahren auf. Dabei helfen die angenehm direkte Lenkung und das Getriebe, das präzise und schnell zu schalten ist. Vorbildlich auch die Sicherheitseinrichtungen: Neun Airbags sind serienmäßig, darunter erstmals in dieser Klasse ein Knieairbag für den Fahrer. Das Fahrzeugstabilitätsprogramm VSC, das kritische Situationen entschärfen hilft, ist bereits in der einfachsten Version Standard.

Ebenfalls Serie in allen Modellvarianten sind unter anderem Radio mit CD-Player, Bordcomputer, elektrische Fensterheber vorn, Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung und ein Heckscheibenwischer.

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In diesem Jahr will Toyota 29.000 Auris in Deutschland verkaufen, 2008 sollen es mehr als 30.000 werden. Das ist vergleichsweise wenig und klingt stark nach Tiefstapelei, um keine böse Überraschung zu erleben. Die Latte liegt jedenfalls hoch: 2006 wurden in der Bundesrepublik 43.000 Corollas abgesetzt. Wie erfolgreich das neue Goldstück sein wird, werden die Zulassungsstellen als Erste merken. Nicht nur jene im ostfriesischen Aurich.

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