HOME

VW Caddy Life: Praktischer Brummbär

Schön und elegant will er nicht sein, da sagt der Caddy "Nein". Und zwar aus tiefster Brust. Der Caddy Life ist ein reinrassiges Nutztier ohne Komfortkompromisse. Ideal als Hobbytransporter oder als Gewerbefahrzeug im Familieneinsatz.

Traumwagen für Hausmeister

Traumwagen für Hausmeister

Erinnern Sie sich an Ihre Studenten- oder Ferienjobs? An die Zeit als Paketfahrer, Auslieferer dringender Arzneimittel oder als Libri-Bote? Oder arbeiten Sie gar als Fahrer? Wenn ja, dann werden Sie sich im Caddy Life sofort wie zu Hause fühlen. Das heißt aber nicht, dass es in der Kabine des aufgemöbelten Lieferwagens gemütlich zugeht, denn dort herrscht die neue Sachlichkeit.

Was sagen Sie zum Caddy Life?

Rude-Boy

Der Caddy basiert auf der Plattform von Golf und Touran, "Caddy Life" nennt sich die zivile Version. Die Herkunft aus der Nutzfahrzeugsparte von Volkswagen will der vielseitige Transporter überhaupt nicht verbergen, auf Schnickschnack wie ein verschließbares Handschuhfach verzichtet er einfach. Ablagen sind Ablagen, Drehschalter sind Drehschalter, Punktum: "Form follows Function" ohne Zugeständnisse an irgendwelche Wohlfühl- und Lifestyle-Ambitionen. Das will vor dem Start verinnerlicht sein. Der Fahrer thront über der Straße, kann, wenn er will, das "King of the Road"-Feeling am Steuerrad genießen und blickt durch eine riesige Scheibe auf den Verkehr hinab. Viel Glas und die senkrechte hintere Kante bieten eine gute Rundumsicht, die Außenspiegel haben Nutzfahrzeug-Dimensionen und erleichtern Einparkmanöver.

Der kleine Bus

Innen bietet der Caddy Platz und Stauraum ohne Grenzen. In der ersten und zweiten Reihe sitzt man aufrecht, aber niemals beengt. Mit einer Länge von 4.405 Millimeter, einer Breite von 1.802 und einer Höhe von 1.833 Millimeter erlaubt der Caddy eine Zuladung von 608 Kilogramm und darf bis zu 1 500 Kilogramm (gebremst) an den Haken nehmen. Als Zwei-Reiher stehen 560 Liter Volumen im Kofferraum zur Verfügung. Beim Ausbau der Bänke werden es unglaubliche 3,2 Kubikmeter Ladevolumen. Als Dreireiher schrumpft der Stauraum aber auf nahezu Null.

Keine Kuschelecke

Platz zum Kuscheln wurde nicht vorgesehen, ist der Wagen in der ersten Reihe noch mit Kunststoff gepolstert, herrscht weiter hinten viel nacktes Metall. Dafür erlaubt das unendlich hohe Kabinendach die Zuladung sperriger Güter. Der Wagenhimmel wurde mit einer Pressfaserplatte verkleidet. Sie verbreitet den kargen Charme eines Baumarktes, dient sicherlich nicht der Geräuschunterdrückung, hat aber praktische Vorteile, denn auch mit spitzen und scharfkantigen Objekten kann man sie nicht aufschlitzen.

Dröhnen aus allen Rohren

Ausgerüstet mit dem 1.9 Liter TDI geht der Caddy beherzt, aber ruppig zur Sache. Von den Leistungen her reicht diese Motorisierung vollkommen aus, überraschend ist aber, mit welchem Geräuschpegel das aus dem Konzern wohlbekannte Aggregat im Caddy seinen Dienst versieht. Besonders bei höheren Geschwindigkeiten dröhnt und pfeift es, dass es keine Freude ist. Wer es aushält, kann den Caddy auf 166 km/h beschleunigen. Hat man sich für das aufpreispflichtige ESP (389 Euro) entschieden, muss man trotz der hohen Aufbauten keine Angst um die Fahrsicherheit haben. Der Fahrkomfort (Starrachse) entspricht der Nutztierklasse, nervt aber weit weniger als der Krawall an Bord.

Kein Smarty

Die 700 mm breiten Schiebetüren ermöglichen ein bequemes Ein- und Aussteigen und erleichtern das Bepacken und Beladen. Von rückwärts kommt man schlechter in den Wagen hinein. Die Heckklappe bietet zwar einen fast hundertprozentigen Einlass, lässt sich aber nicht teilen und benötigt daher sehr viel rückwärtigen Raum zum vollständigen Aufschwingen. Wie die Mini-Vans auch lässt sich der Caddy mit einer dritten Sitzbank (600 Euro Aufpreis) ausrüsten, anders als bei ihnen kann die Caddy-Bank von allen Passagieren genutzt werden, auf ihr gibt es kein Gewichtslimit. Das ist aber auch das einzig Positive, was sich zu dem "Raum-Konzept" sagen lässt. Die praktisch nutzbare Variabilität besteht darin, dass sich die Bank unkompliziert entriegeln lässt, danach muss das gute Teil allerdings in einem Stück aus dem Wagen gewuchtet werden. Selbst für einen satrekn Mann wird das zur schweißtreibenden Kraftprobe. Ein Akt der eben gerade Garagenbesitzern zugemutet werden kann. Alle, die das sperrige Zubehör in den dritten Stock schleppen müssen, werden sich Ein- oder Ausbau dreimal überlegen. Ältere oder schwächlichere Fahrer sollten es gar nicht erst probieren. Nun könnte man auf die Idee kommen, diese Bank zusammenzuklappen und im Fahrzeug zu belassen. Könnte, wenn sie denn im Untergrund verschwinden würde. Man könnte sich auch noch mit der zweitbesten Lösung zufrieden sein, ließe sich die Bank hübsch flach auf dem Boden zusammenklappen und ihr Rücken einen erhobenen Ladeboden bilden würde. Leider bleibt aber zusammengeklappt überhaupt kein Volumen im Kofferraum übrig. Fast überflüssig zu erwähnen, dass der Einstieg über die Rücksitze einiges Geschick verlangt.

Unendliche Weiten

Nur eine sehr ausgesuchte Kundschaft, etwa Gewerbetreibende, die eine Kolonne von sieben Personen billig transportieren wollen, wird dieser Lösung etwas abgewinnen können. Spannend wird es, wenn man den Caddy hauptsächlich als zweisitzigen Transporter nutzen will. Mit dem erwähnten Kraftakt lassen sich nämlich beide Bänke rückstandslos entfernen. Entkernt kann man den Caddy dann ohne Einschränkungen als Lieferwagen, Werkstattwagen oder Hobby-Transporter nutzen. Sobald gewünscht, lässt er sich wiederum zum Familienwagen umbauen. Das mag keine smarte Lösung für jedermann sein, kann aber für Kleingewerbetreibende und ein vernünftiger Kompromiss sein. Auch Sportfreunde, die sehr viel Transportraum für das Hobby verlangen, ohne sich gleich einen Großtransporter leisten zu wollen, können beim Caddy fündig werden.

Wer nimmt mich mit in die Garage?

Für Normalkunden kann der Caddy Life keine Alternative zu Touran, Zafira und Co sein, zu groß sind die Komforteinbußen, zu hoch der Einstandspreis. Für ein wirklich "nacktes" Fahrzeug fallen mit dem 105 PS starkem TDI-Motor immerhin 18.160 Euro an. Mit dem 1,4-Liter-Benziner und 75 PS beginnen die Preise bei 14.993 Euro. Der Caddy Life überzeugt mit einem imponierenden Ladevolumen bei - noch - kompakter Größe. Interessant wird sein Einsatz als Hobby- oder Gewerbefahrzeug, das auch privat genutzt werden soll.

Gernot Kramper

Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.