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VW Golf GTI: Mannstoll

Er verdreht Männern reihenweise den Kopf. Der neue VW Golf GTI sorgt auf der Straße für mehr Wirbel als mancher Ferrari. Doch echte Kerle wissen ja, worauf es wirklich ankommt: die inneren Werte.

Von Jens Maier

Wie die kleinen Kinder freuen sie sich, als sie ihn auf der Reeperbahn entdecken. Sie, das sind zwei Fußballfans, die sich am Samstagabend auf der Hamburger Vergnügungsmeile herumtreiben. Und an einer Kreuzung haben sie ihn erspäht. Rot, bullig - "einfach geil", wie sie selbst sagen. Der eine zückt die Kamera, während der andere schon vor der Motorhaube posiert. Ihre Begeisterung signalisieren sie zudem mit hoch gestrecktem Daumen. Sie wollen sich auch so einen kaufen, versichern sie dem Fahrer. Der ist derlei Aufhebens um ihn schon gewohnt. Denn wo er auch fährt, löst er bei Männern Begeisterungsstürme aus. Dabei ist er eigentlich wie tausend andere seiner Gattung auch. Nur das Gesicht unterscheidet ihn. Und er ist auch kein reinrassiger Sportwagen à la Porsche oder Ferrari. Im Gegenteil - er eignet sich sogar als Familienkutsche. Aber wenn er will, kann er ordentlich Gas geben. Und gerade das ist es, was die Jungs an ihm lieben, am neuen VW Golf GTI.

Unauffällig auffällig

Selbst in der fünften Generation ist er noch eine Legende, nach 29 Jahren. Unauffällig wie selten zuvor, sieht man von der Frontpartie ab. Die rote Linie um den Kühler gab's schon damals. Die geschlitzten Lichter sind neu und blinzeln einen mit heruntergezogenen Augenbrauen förmlich an. Drinnen ist alles schwarz, bis auf einen silberfarbenen Metallstreifen, der quer übers Cockpit läuft. Das Lenkrad dick und griffig, für Männerhände gemacht. In der Mittelkonsole ein Flaschenöffner. Doch reichen allein ein paar maskuline Details, um Männer emotionale Begeisterungsstürme zu entlocken?

Damit diese Frage erst gar nicht aufkommt, hat VW einen bärenstarken 2,0-Liter-Turbomotor mit Benzindirekteinspritzung unter die Haube gepackt. Mit 200 PS bringt das Triebwerk den GTI in 7,2 Sekunden auf 100 km/h und ist für 235 km/h Höchstgeschwindigkeit gut. Genug, um alle Fahrer beim Erzrivalen Opel wie fromme Hausfrauen aussehen zu lassen. Doch ohnehin gehören zum Hauptkonkurrenten des GTI mittlerweile eher die Produkte aus München oder Ingolstadt. Mit dem Mini Cooper S, dem BMW-Einser und dem A3 will es der Sport-Golf aufnehmen.

Heckfreudiger Fronttriebler

Über derlei Ambitionen ringen sich eingefleischte Heckantrieb-Fans nur ein müdes Lächeln ab. Zu früh gefreut. Denn VW hat dem Fronttriebler das Untersteuern abgewöhnt. Der Wolfsburger spurtet mit viel Gefühl im Heck um die Kurven ohne dass das serienmäßig eingebaute ESP nachhelfen müsste. Nur wer der Verlockung nicht widerstehen kann und das Gaspedal allzu fest nach unten drückt, wird an den Frontantrieb erinnert. Sowohl Sicherheits-Fanatikern als auch den Drift-Künstlern macht der Kurvenritt damit Spaß. Und das bei einer Fahrdynamik, die sonst nur aus München erwartet wird.

Nicht nur in der Kurve, auch auf geraden Strecken bringt der GTI Fahrfreude. Besonders beim Tritt aufs Gaspedal. Denn der neue GTI bietet allzeit Kraft. Zwischen 1800 und 5000/min liegen ständig 280 Newtonmeter an. Ein Wert, der selbst manchen Porsche-Fahrer neidisch macht. Dass die Höchstgeschwindigkeitsanzeige im Tacho mit 300 km/h etwas zu optimistisch angesetzt ist, kann der Golf-Fahrer ja getrost für sich behalten. Und nicht nur im Sprint werden Porsche-Maßstäbe angelegt, sondern auch in der Verzögerung. Die von innen belüfteten 16-Zoll-Bremsscheiben zwingen den Golf gut dosierbar zum Stillstand.

Kleiner Schluckspecht

Auch der Verbrauch ist gut dosiert. Die 9,8 Liter Testverbrauch sind in Zeiten von abhebenden Spritpreisen eine Menge Kohlenstoff, verglichen mit den 11,9 Litern eines 37 PS schwächeren und über drei Zentner leichteren Mini Cooper S nehmen sie sich jedoch geradezu sparsam aus.

Beim Preis dagegen langt Volkswagen ordentlich zu. Ab 24.200 Euro ist der GTI zu haben. Sinnvolle Extras wie Klimaautomatik und Ledersitze schlagen nochmals mit Aufpreisen zu Buche, ganz abgesehen von allerlei unnötigem Schnickschnack, womit sich der Bulle aufmotzen lässt. Echte Männer lassen sich jedoch offenbar auch nicht vom Preis abschrecken. Für den GTI müssen Lieferzeiten bis zu 6 Monaten in Kauf genommen werden. Der Golf GTI ist eine heiß begehrte Braut und billiger im Unterhalt als jede Scheidung.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.