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VW Polo 1,4 TDi: Kleinwagen-Klops

Über viel mehr als die äußere Form lässt sich beim neuen Polo kaum streiten. Unter der unförmigen Hülle verbirgt sich der Chef im Kleinwagen-Ring. Wir waren mit einem 75-PS-Diesel-Polo unterwegs.

Über viel mehr als die äußere Form lässt sich beim neuen Polo kaum streiten. Unter der unförmigen Hülle verbirgt sich der Chef im Kleinwagen-Ring. Wir waren mit einem 75-PS-Diesel-Polo unterwegs. Ausführliche Polo-Fotoshow

Kein eigenes »Gesicht«

Der Polo blickt aus vier Glubschaugen auf die Straße. Die Front mit den Doppel-Scheinwerfern kennt man von Mercedes, nur dass bei den Stuttgartern der Rest des Designs zu den Scheinwerfer passt. Die Polo-Schnauze vermittelt den Eindruck, als sei ein aufgeblähtes Lupo-Gesicht nachträglich an einen geschrumpften Golf montiert worden. Erkennbare Proportionen und gewagte Formen, die einen gewissen Charme vermitteln, sucht man bei dem Kleinwagen-Klops vergeblich.

Solider Innenraum

Etwas Linderung verspricht das Polo-Innenleben. Zwar stand auch beim Cockpit die Vernunft im Vordergrund - Lenkrad und Armaturenbrett sind jedoch wirklich schick. Das griffige Volant liegt gut in der Hand und erweist sich trotz ungewöhnlicher Vier-Speichen-Optik als guter Befehlsgeber. Dank Comfort-Ausstattung und einem mutigen Griff in die Ausstattungs-Kiste ist der Aufenthalt im Polo ein recht angenehmes Unterfangen. Eine kleine Besonderheit bildet die kaum vorhandene Mittelkonsole des Polo. Anders als sonst üblich sind sämtliche Bedienelemente nicht über die gesamte Mittelkonsole verteilt, sondern ballen sich alle mitten auf dem Armaturenbrett. Die daraus resultierende Multifunktions-Klippe, die in Richtung Fahrer ragt, sieht zwar ungewöhnlich aus, erweist sich aber im Alltagsbetrieb als äußerst effektiv.

Funktional ohne Ende

Untergebracht ist man auf bequemen Sitzen, die höchstens eine minimal längere Sitzfläche vertragen könnten. Zusammen mit den dem in der Längs- und Querachse verstellbaren Lenkrad garantieren sie beinahe jedem Passagiere eine ideale Sitzposition. Nicht anders geht es den Passagieren auf der Rückbank - wenn sie denn auf selbige kommen. Ohne die »Easy Entry«-Einstiegshilfe wird es beim Einstige recht eng zwischen B-Säule und Rückenlehne des Vordersitzes.

Top-Diesel

Der Eindruck, in einem Kleinwagen zu sitzen, verschwindet gänzlich, sobald man den Dreizylinder-Diesel zum Leben erweckt. Selbst beim Kaltstart gibt sich das Pumpe-Düse-Triebwerk sehr zivil, wilde Nagel-Orgien braucht man mit dem 75 PS starken Triebwerk nicht zu fürchten. Obwohl der kleine Wolfsburger stattliche 1.095 Kilo auf die Wage bringt, hat der kräftige Selbstzünder keinerlei Probleme, den Polo durch sämtliche Verkehrsszenarien zu wuchten. Egal ob Autobahn, Stadtverkehr oder Landstraße: Erst jenseits der 160 Stundenkilometer wird¿s mühsam. Und dabei geht das aufwendige Triebwerk auch noch sehr verantwortungsvoll mit dem teuren Treibstoff um. Im Testbetrieb war dem Bordcomputer kein Verbrach jenseits der 6,3 Liter auf 100 Kilometern zu entlocken.

Sicheres Handling

Souveränität auch beim Fahrwerk. Trotz seiner üppigen Ausmaße können Polo-Kunden ohne Bedenken auf die aufpreispflichtige Anti-Schleuder-Hilfe ESP verzichten. In Extrem-Situationen schiebt der neue Wolfsburger brav untersteuernd über die Vorderräder. Ein Effekt, dem durch leichtes Spiel mit dem Gasfuß locker beizukommen ist. Sehr hilfreich ist dabei die neue, geschwindigkeitsabhängige Servolenkung, die in allen Situationen den nötigen Kontakt zur Fahrbahn vermittelt. Für den Fall der Fälle hat der Polo vier Airbags an Bord. Kopf-Airbags sind jedoch noch nicht lieferbar.

Fazit

Über Geschmack lässt sich trefflich streiten, nicht jedoch über die inneren Werte des neuen Polo. In Sachen Fahrsicherheit, Antrieb und Funktionalität ist der kleine Wolfsburger kaum zu toppen. Wohl aber im Preis. Wer ein ähnlich gut ausgestattetes Fahrzeug wie unseren Testwagen haben möchte, muss dafür um die 18.000 Euro an seinen VW-Händler überweisen.

Von Jochen Knecht

Jochen Knecht
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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.