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Mazda 5 Hydrogen RE: Der Wankel-Bus

Hybrid sagen die einen - Wasserstoff die anderen. Technologievorreiter Mazda hat beides unter einen Hut gebracht. In Tokio zeigen die Japaner einen Mazda5 mit Hydrogen-Wankel und Elektromotor.

Von Jürgen Wolff und Stefan Grundhoff

Von wegen Zauber der Zahlen. Auf dem heimischen Markt heißt der Familienvan Mazda 5 nach wie vor Premacy. Dass die Autobauer aus Hiroshima mit dem Van noch viel vorhaben, zeigt auf der Tokyo Motor Show gerade der nahezu serienreife Premacy Hydroden RE Hybrid. So unscheinbar der weiße Van auch in der Osthalle des Messenzentrums Makuhari steht - jeder dieser Namensbestandteile zeigt, dass es dieser Mazda in sich hat.

"RE" steht für "Rotary Engine" - der von Mazda perfektionierte Kreiskolbenmotor. Ein Wankelmotor noch in einer anderen Baureihe als dem Sportler RX-8 alleine wäre schon eine Meldung wert. Denn das Prinzip Wankel fristet im Autobau schon länger ein Schattendasein. Laufruhig zwar - aber aufwändig in der Herstellung und immerzu durstig. Zumindest den Durst wollen die Mazda-Ingenieure dem Wankel in der Gesamtbilanz abgewöhnt haben. Dafür stehen die anderen Namen in der Modellbezeichnung. "Hydrogen" sagt, dass der Wankel nicht nur mit herkömmlichem Treibstoff auf Touren kommt, sondern auch den sauberen Wasserstoff als Energielieferanten nutzen kann. Er läuft mit beiden Treibstoffen, die per Knopfdruck vom Fahrer gewählt werden können und in zwei separaten Tanks an Bord sind. Fahrzeuge mit Autogasanlage fahren nach dem gleichen Umschalt-Prinzip.

Wie das im Alltag funktioniert, testen die ersten in Japan verleasten Mazda RX-8 Hydrogen RE derzeit im Flottenbetrieb aus. Im Wankel sieht Mazda den optimalen Motor für den wechselweisen Benzin- und Hydrogenbetrieb. Die plausible Erklärung vom Mazdas Technik-Chef Seita Kanei: "Der Wankel hat Platz für zwei." Die Brennkammer des Zylinders, in die das H2 injiziert werden muss, ist beim normalen Ottomotor so klein, dass kaum Platz bleibt für eine zweite Einspritzdüse. Im weiterentwickelten Kreiskolbenmotor dagegen ist in der Brennkammer nur eine zusätzliche Einspritzdüse für das Hydrogen nötig - und die führt zudem in eine relativ große Vorkammer, von der aus das H2 vom rotierenden Kolben erst in die eigentliche Brennkammer geschoben und verdichtet wird. Zweites Plus: Wegen der geringen Energiedichte von H2 muss mehr davon in die Zündkammer geschickt werden, um die nötige Energie zu erhalten. Auch das macht die große Einspritzkammer des Rotationsmotors möglich.

Anders als beim Treibstoff-Zwitter RX-8 kommt beim frontgetriebenen Mazda 5/Premacy noch das Hybridkonzept dazu. Der im Mazda 5 nicht mehr längs sondern quer eingebaute Wankelmotor kombiniert seine Energie mit einem hoch effizient arbeitenden Elektromotor. Die Nickel Hydrogen Hochleistungsbatterie ist unter der zweiten Sitzreihe untergebracht, der Wasserstofftank dort, wo sonst die dritte Sitzreihe zu finden ist. Das Hybridkonzept verdoppelt die Reichweite im Wasserstoffbetrieb, die beim RX-8 noch bei rund 100 Kilometer liegt - dann muss man auf Benzin umschalten. Zudem haben die Techniker aus den Erfahrungen mit dem RX-8 gelernt. Die Struktur des Ansaug- und Abgastraktes wurde verstärkt, die Effizienz der Verbrennung gesteigert. Ergebnis: Die Leistung des Wankel konnte um rund 40 Prozent erhöht werden.

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Neben der höheren Reichweite sorgt das auch für eine bessere Beschleunigung - der RX-8 ist im Wasserstoffbetrieb noch etwas lendenlahm. Bei der neuen Generation der Renesis-Wankel hat Mazda nicht nur das Rotorgehäuse neu konstruiert, sondern vor allem auch die Dimensionen des Zweischeiben-Aggregates überarbeitet. Das Kammervolumen wurde auf zwei mal 800 Kubikzentimeter vergrößert - hieße 3,2 Liter Brennraum bei einem Hubkolbenmotor.

Bereits im kommenden Jahr soll der Mazda 5 Wankel-Hybrid als Kleinserie für Leasingkunden angeboten werden. Eine reguläre Serienfertigung, so heißt es bei Mazda, sei vielleicht ab 2010 möglich.

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