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"Park and Ride" in Hamburg: Pendler-Aufstand gegen Parkplatzgebühren

Raus aus dem Auto - rein in die Bahn, hieß das Motto. Darum waren Parkplätze an Bahnstationen umsonst. Nun sollen die Pendler zahlen. Doch die weigern sich - zu Recht.

Ein Kommentar von Gernot Kramper

Das Konzept "Park and Ride" hilft Pendlern, mit dem Auto zur Haltestelle und dann weiter mit der Bahn in die City zu fahren. Dafür gibt es Parkplätze an den S-Bahnhöfen im Umland. Draußen wird geparkt, damit weniger Autos die City verstopfen. Während des Berufsverkehrs wird die alltägliche Blechlawine abgeschwächt. Die Idee ist alt und auch die Anlagen in Hamburg sind runtergekommen: Das soll alles besser werden, beschloss der Senat vor einiger Zeit. Mit Videoüberwachung, frischem Anstrich und erkennbarem Servicepersonal. So viel Gutes hat seinen Preis: Zwei Euro am Tag, 20 Euro im Monat oder 200 Euro im Jahr kostet nun der Parkplatz, der vorher umsonst war.

Hohe Preise, schlechte Leistung

Die Hamburger Pendler sind nicht begeistert von der Idee. Das Mehr an Qualität durch frische Farben überzeugt sie nicht. Der Pendler wird ohnehin nicht verwöhnt vom öffentlichen Nahverkehr. Er zahlt die höchsten Preise für die Monatskarte, bekommt keine Vergünstigungen und erlebt dafür täglich die schlimmsten Seiten von Bus und Bahn. Häufig ergattert er nicht einmal einen Sitzplatz und wird stehend ins Büro gebracht.

Die neue Parkplatzgebühr entspricht einer Preiserhöhung von zwanzig Euro im Monat für die Pendler. Man kann streiten, wer denn sonst die Kosten des Parkens übernehmen soll, aber attraktiver wird das Umsteigen auf die Bahn durch den Zuschlag sicher nicht. In Hamburg kommt noch eine Besonderheit hinzu. Eine Monats- oder Jahreskarte garantiert dem Käufer nämlich keinen reservierten Parkplatz. Jeder kann weiterhin auf dem Platz parken, den er findet. Wenn die Station voll ist, wird der Kartenbesitzer abgewiesen.

Ein Platz in der Bahn deckt nur die Grundbedürfnisse eines Transports von A nach B ab, vom Komfort eines Mittelklassewagens ist das Angebot meilenweit entfernt. Der Öffentliche Nahverkehr ist nur dann attraktiv, solange er günstig ist. Je teurer das Umsteigen wird, umso weniger Pendler werden auf das Auto verzichten. Mehr Staus und Autoverkehr wären die Folge.

Parkhaus steht leer

Dazu wird es wohl kommen: Bei einer Stichprobe im Rahlstedter Park-and-Ride-Haus mit 353 Stellplätzen, ermittelte das Hamburger Abendblatt einen Leerstand von 50 Prozent. Betriebswirtschaftlich ist das kein gutes Zeichen. Denn niemand weiß, wie viele von den alten Kunden nun mit dem Auto zur Arbeit fahren und für den Verkehrsbetrieb als Kunden ausfallen.

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