HOME

Gerüchte um das Apple-Auto: Beiß nicht gleich in jeden Apfel!

Angeblich will Apple ein Auto bauen, das Netz spottet jedenfalls schon. Doch was ist von den Gerüchten um das angeblich kommende Apple Car wirklich zu halten?

Von Harald Kaiser

Bislang steuert Apple nur die Bedienungssoftware zum Auto bei.

Bislang steuert Apple nur die Bedienungssoftware zum Auto bei.

Die Netzgemeinde witzelt: Wenn Apple ein Auto auf den Markt bringt, dann muss Microsoft nachziehen. Name: WinCar. Und wie das Microsoft mit dem Betriebssystem Windows üblicherweise macht, so soll es auch beim gedachten Auto sein – alle zwei Jahre kommt ein neues WinCar raus, für das man natürlich zahlen muss. Wichtiger, so die Netz-Spaßvögel, sei aber, dass man zum Fahren auf alle Fälle das Microsoft Car Office-Paket brauche, weil ohne die darin enthaltenen Excel-Formeln der Motor nicht starte. Mangels Winword, dem Microsoft-Textprogramm im Office-Paket, könne man die Betriebsanleitung nicht lesen. Und obendrein gäbe es sechs bis zehn Sicherheitsupdates pro Monat, weil Computerviren den Wagen sonst lahmlegen würden.

Anlass ist ein Gerücht

Passiert ist eigentlich nichts. Bis auf ein Gerücht, das die Schlagzeilen beherrschte. Das Wall Street Journal hat vor kurzem einen biederen Van mit elektronischer Gerätschaft auf dem Dach gesichtet und recherchiert, dass der Van Apple gehöre oder wenigstens im Auftrag von Apple unterwegs sei - und schon geistert das Gerücht durch die hysterische Medienwelt, Apple baue ein Auto. Angeblicher Projektname: Titan. Jedoch: Kein Außen-stehender weiß irgendetwas. Vermutung wird an Vermutung gereiht, „Experten“ wer-den zitiert, die angeblich etwas wissen, aber ihren Namen nicht genannt sehen wollen.

Klar, es kann sein, dass Apple tatsächlich an einem Auto arbeitet. Spinnt man diesen Expansionsgedanken jedoch weiter, dann hätte Apple allerdings längst einen eigenen Fernseher auf den Markt bringen müssen. Solch ein Produkt liegt der Apple-Welt viel näher als der Autobau. Und wer sich ganz pragmatisch mit dem Thema beschäftigt, muss sich fragen, warum Apple allein in den Automarkt einsteigen sollte? Erste Antwort: Die traditionellen Autobauer erschrecken, in ihre Domäne einbrechen und die eigene Produktwelt durch einen sensationellen Schritt erweitern. Zweite Antwort: Durch ein Auto ließe sich nicht nur beim Kauf Geld verdienen, sondern später auch durch Software-Updates. Der dritte Punkt schließlich ist keine Antwort, sondern ein großer Zweifel: Apple müsste durch einen Vorstoß in diese Richtung auch dafür sorgen, dass es Werkstätten in aller Welt gäbe, die die Wartung des Autos übernähmen, Reparaturen ausführen, leistungsfähige Batterien müssten genau so vorgehalten wie eine Kette von öffentlichen Ladestationen. Oder man beteiligt sich an bestehenden.

Das nötige Kleingeld ist vorhanden

Hinzu kommt insbesondere in den USA der Umstand, dass die Mega-Autohändler dort der Ansicht sind, dass kein Hersteller Autos direkt an Kunden Autos verkaufen darf, sondern nur über ihre Organisationen. Der Elektroauto-Hersteller Tesla verkauft aber über eigene Shops und hat deswegen entsprechende Klagen von mächtigen Händler-Bünden am Hals. Und: Bevor auch nur ein Wagen ausgeliefert werden darf, muss mit aufwendigen wie auch millionenteuren Crashtests belegt werden, dass die Insassen bei einem Unfall bis zu einem bestimmten Tempo (64 km/h) einigermaßen geschützt würden. Das alles ist Knowhow, das Apple nicht hat. Doch Knowhow kann man kaufen. Geld hat Apple mehr als genug. Übern Daumen kostet die Entwicklung eines völlig neuen Automobils heute zwischen zwei und vier Milliarden Euro. Apple hat knapp 180 Milliarden Dollar (ca. 204 Milliarden Euro) auf der hohen Kante. Die Finanzierung ist also nicht das Problem.

Video wird viraler Hit: Passant pöbelt Autofahrer an - das Schicksal rächt sich sofort

Mit dem Geld ließe sich ein herkömmlicher Hersteller übernehmen. Und Apple hätte immer noch viele Milliarden übrig. Nur zur Orientierung: Nach derzeitigem Aktienkurs ist ein Unternehmen wie zum Beispiel Daimler etwa 100 Milliarden Euro wert, umgerechnet circa 113 Milliarden Dollar. Tesla sogar nur um die 25 Milliarden Dollar (ca. 28 Milliarden Euro). Sofern am Apple-Auto tatsächlich etwas dran sein sollte, dann womöglich auf ganz andere Weise. Vielleicht geht es gar nicht um den Selbstbau oder den Kauf eines traditionellen Herstellers, sondern um die Übernahme von Tesla oder um eine satte Beteiligung daran. Beide Firmen sitzen im Silicon Valley, beide Firmen sind stark Technik getrieben, beide kommen aus dem IT-Bereich - und Tesla hat inzwischen das nötige Wissen, wie Autos gebaut werden müssen. So gesehen ist das öffentliche Bekla-gen von Tesla-Chef Elon Musk über Apples angebliche Abwerbeaktionen von Mitarbei-tern vielleicht nur eine Nebelkerze, um die eigentlichen Absichten zu verschleiern. Denn klar ist auch, dass Tesla trotz guter Verkäufe des Elektroautos Model S immer noch Verluste macht und dass sich die zwei geplanten nächsten Teslaautos, ein Mittelklassewagen und ein SUV, offenbar wegen Geldmangels verzögern. Eine Milliarden-Finanzspritze von Apple würde diese Projekte sicher entscheidend beschleunigen.

Von Harald Kaiser
Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity