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Fans beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring: Brennende Ölfässer in der Grünen Hölle

Seit Jahren pilgern die Motorsport-Fans in Scharen zum 24-Stunden-Rennen am Nürburgring. Trotz aller negativen Nebengeräusche, die das Rennen in der Grünen Hölle in den letzten Jahren begleiten, feiern die Fans die Veranstaltung und vor allem sich selbst.

Ob der etwas korpulente Mann noch viel von dem Spektakel mitbekommt, das nur wenige Meter von ihm entfernt stattfindet, darf bezweifelt werden. Trotz des Höllen-Lärms, den die 138 Rennwagen, die durch das Kurvengeschlängel am Brünnchen ballern, machen, döst der Mann mit halb geschlossenen Augen vor sich hin. In seiner Hand, die schlaff von der Lehne des kunstledernen Imitats einer Rolf-Benz-Couch hängt, krallt er sich mit dem Rest der Körperspannung, die der halb-komatöse Bewusstseinszustand noch zulässt, an eine halbleere Flasche Bier. Hinter dem gefallenen Helden nörgelt einer mit einem Heinz-Harald-Frentzen-Base-Cap, das definitiv schon bessere Zeiten erlebt hat. "Mann, die sollen endlich Gasgeben."

Fans beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring: Brennende Ölfässer in der Grünen Hölle
Die Fans pilgern in Scharen in die Grüne Hölle

Die Fans pilgern in Scharen in die Grüne Hölle

Die Grundausstattung für einen echten Ring-Fan des Jahres 2015 ist schnell heruntergebetet. Campingstuhl, oder Sofa, Getränke, gerne alkoholisch und warme Kleidung. Denn auch im Jahr 2015 hat das Eifelwetter seinen Namen alle Ehre gemacht. Ein Tag der sonnig begann, verwandelte sich innerhalb weniger Stunden in eine trübe Suppe mit Sprühregen und schneidend kalten Wind. Den Fans macht das nichts aus. "Das ist eben die Eifel", sagt einer, der sich die Hände an einem Feuer, das in einem Blechfass brennt, wärmt und zuckt die Schultern. Egal ob Brünnchen, Karussell oder Eschbach - die lodernden Zylinder gehören dazu und verwandeln die Grüne Hölle in eine Art Little Harlem. Vor allem wenn die Nacht langsam über die Eifel-Hügel krabbelt, ist der Anblick der kleinen Leuchttürme beeindruckend.

Rund 200.000 Motorsport-Fans pilgern jedes Jahr zum "Ring". Campen ist Kult. Die Wohnwagen- und Zelt-Dörfer verschmelzen mit den Rapsfeldern. Alte, mit Graffiti verzierte Camping-Busse stehen herum und der Boden des behelfsmäßig aufgebauten Vordaches ist mit plattgetretenen Blechdosen gepflastert. Über dem ganzen Fan-Fest liegt der Duft von Grillwürsten, gemischt mit Zigarettenrauch und gerösteten Fleisch. Dazwischen bewegen sich Menschen, die einen koordiniert, andere torkeln. Auch erstaunlich viele junge Frauen kommen zu dem Happening am Nürburgring : Rucksack, Beanie und Chucks komplementieren die Audi-, BMW- und Porsche-Caps. Neben den Zelten befinden sich Duschen und Toiletten in Containern. "Wir machen euch alle nass", prangt es in großen Lettern von den Gebäuden.

Kommt die Dunkelheit, verwandelt sich die Eifel in eine Mischung aus Großraum-Disco und Pfadfinderlager. Fette Beats knallen aus großen Lautsprechern. Die Bierdosen-Pyramiden sind mittlerweile noch höher angewachsen. Beim Strecken-Abschnitt "Hohe Acht" hat einer ein Planschbecken mit Diskotheken-Beleuchtung inklusive Moving-Heads (rotierende Lampen) und Lichtorgel aufgebaut. Andere machen es sich einfacher: Unter der selbstgezimmerten Bar befindet sich eine Wanne mit leeren Flaschen und Dosen, die im Notfall auch noch für andere Flüssigkeiten als Auffangbecken dient. Der Sound ist beinhart bis soft. Die Kultrocker von Motörhead duellieren sich akustisch neben der Strecke mit AC DC genauso hart, wie BMW mit Audi, Porsche und Mercedes. Was so locker und ungeplant aussieht, ist für manche das Highlight des Jahres.

Der Auftrieb zum 24-Stunden-Rennen beginnt schon in der Woche vor dem eigentlichen Renn-Wochenende. Schon am Dienstag oder Mittwoch rollen die ersten Camper in die Eifel und stecken das Revier ab. Nicht nur für sich, sondern auch für Freunde und Bekannte. Schon Monate vorher wird in Foren abgeklärt, wer es diesmal zum 24-Stunden-Rennen schafft und wer wo nächtigt. Allerdings ist das 24 Stunden Rennen kein billiges Vergnügen mehr: Das Campen kostet bis zu 67 Euro für sechs Übernachtungen von Montag bis Sonntag, dazu kommt das Vier-Tages-Event-Ticket mit 64 Euro. Pro Person, versteht sich. Auch das Essen und Trinken ist teurer geworden: Ein Becher Kaffee schlägt mit bis zu drei Euro, plus einen Euro Pfand zu Buche. Eine Cola ist für 2,80 Euro zu haben.

Die Fans murren und beweisen großen Sport-Sachverstand. "Das ist Sabine-Schmitz-Wetter", strahlt Jörg Schröder, als die Lokalheldin in ihrem Frikadelli-Porsche sich im leichten Drift auf regennasser Fahrbahn neben einen Konkurrenten setzt. "Für uns ist das Kult", sagt der 47jährige Techniker aus Köln und erklärt gleich., warum er seit Jahren zum 24-Stunden-Rennen kommt: "Jeder findet sich hier wieder." Die Technikfreaks, die den PS-strotzenden Werks-Boliden zujubeln genauso, wie die Fans der Privatteams. Egal, in welchem Auto der Pilot sitzt, seine Leistung wird bejubelt und mit der des Teamkameraden, der vorher das Steuer in der Hand hatte, verglichen. "Schau mal, der Porsche ist jetzt richtig schnell. Vorher war der deutlich langsamer", erkennt Jörg Schröder mit fachmännischem Blick.

Noch zieht das Erlebnis Nürburgring und Motorsport-Zum-Anfassen. Drift Shows mit qualmenden Reifen bringen die Fans zum Johlen und Star-Fahrer, die bereitwillig Autogramme auf Jacken und Mützen schreiben, ernten Applaus. In der Start-Aufstellung herrscht ein Getümmel, das den Formel-1-Impressario Bernie Ecclestone an den Rand eines Herzinfarktes bringen würde. Beim Black-Falcon-Team herrscht mindestens genauso ein reger Andrang, wie in der ersten Startreihe. Der Grund: Leicht bekleidete Disco-Mäuse schwingen ihre Hüften zu heftigen spanischen Rhythmen. Handys, die an Selfie-Stangen befestigt sind, recken sich den Tänzerinnen entgegen, genauso wie die eindeutigen Kommentare der männlichen Klientel. "Hast Du die Braut gesehen. Die hat Hammer-Kurven", freut sich ein Fan, der offenbar den Weg aus Sachsen in die Eifel gefunden hat. Auch die Outfits anderer Damen werden ausgiebig begutachtet und analysiert. Dass manche der Frauen in ihren engen Kleidchen arg frieren, stört die Smartphone-Fotografie-Jäger nicht im Geringsten. Hauptsache das Bild wird was und die folgende Rennparty macht Spaß.

Press-Inform / pressinform
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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.