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München: FDP-Politiker fordert Einführung einer "Schockampel", um Rotgänger zu erziehen

Seit 2017 gibt es in Paris eine Ampel, die Rotgängern mit dem Geräusch von quietschenden Reifen einen Schreck einjagt. Ein FDP-Politiker fordert nun eine solche Ampel auch in München einzuführen. Damit soll die Sicherheit im Straßenverkehr erhöht werden.

Eine kaum befahrene Einbahnstraße in Paris an einem Montagmorgen. Eine junge Frau will bei Rot die Kreuzung auf ihrem Tretroller überqueren, als plötzlich Quietschgeräusche von Autoreifen wie bei einer Vollbremsung zu hören sind. Zwei Passantinnen drehen sich vor Schreck um – eine hält ihre rechte Hand vors Gesicht. So, als wollte sie nicht hinsehen, was dort gerade passiert ist.

Nur: Es ist nichts passiert. Es ist lediglich eine fiese Plakatwerbung – von einigen Medien auch "Schockampel" genannt –, die einen Unfall vorgetäuscht hat. Dahinter steckt die Kampagne der Pariser Verkehrsgesellschaft DRIEA. Die soll nun auch in München umgesetzt werden. Das fordert zumindest die FDP. "Jedes Jahr verunglücken in München zahlreiche Fußgänger, da rote Ampeln missachtet werden", sagt Stadtrat Thomas Ranft der "TZ". "Die Landeshauptstadt sollte die Idee aus Paris aufgreifen und an einer ausgewählten Straßenkreuzung durchführen."

Die "Schockampel" gibt es seit zwei Jahren

"Don’t risk looking death in the face" (auf Deutsch: "Riskiere es nicht, dem Tod ins Gesicht zu schauen") heißt jene Kampagne, die seit 2017 die Pariser Fußgänger daran erinnern soll, welche Folgen es haben kann, bei Rot über eine Ampel zu gehen.

Der Clou: Sobald ein Passant die Kreuzung bei Rot überquert, ertönt über die Boxen einer digitalen Anzeige das Geräusch quietschender Autoreifen. Währenddessen wird die Reaktion des Rotgängers von einer Kamera festgehalten – und wenig später auf einer Videotafel auf der gegenüberliegenden Straßenseite angezeigt.

458 Fußgänger starben 2018 in Deutschland

In der französischen Hauptstadt gibt es die meisten Fußgängerunfälle in ganz Europa. Auch in Deutschland sind es viele. Allein im vergangenen Jahr starben laut Statischem Bundesamt 458 Fußgängerinnen und Fußgänger im Straßenverkehr. Allerdings sind die Verkehrsopferzahlen in Deutschland rückläufig – auch die der getöteten Fußgänger.

Verkehrssünder benutzen verbotenerweise den Standstreifen.

Ob eine "Schockampel" die Zahl weiter drücken könnte, ist fraglich. Die junge Frau aus dem Video vergisst jene Einbahnstraße wahrscheinlich nicht so schnell. Nach dem Ertönen der Bremsgeräusche ließ sie vor Schreck, ihren Roller fallen und lief auf die gegenüberliegende Straßenseite. Sie brauchte ein paar Sekunden, bis sie bemerkte, dass es lediglich eine Simulation war.

Quellen: "TZ"Statistische Bundesamt / Studie der Allianz

rpw
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