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Autonomer Traktor Platz auf dem Acker! John Deeres Roboter-Trecker rollt an

Der R8 arbeitet 24 Stunden am Tag auch ohne Fahrer.
Der R8 arbeitet 24 Stunden am Tag auch ohne Fahrer.
© John Deere
John Deere hat den ersten vollautonomen Allzwecktraktor vorgestellt. Ganz allein kann er 24 Stunden am Tag auf dem Feld arbeiten. Schon 2022 geht der R8 in Serie – ein Kit macht es möglich, vorhandene Modelle nachzurüsten.

Den größten Brocken auf der Elektronik- und Technikmesse CES 2022 stellte John Deere vor, den ausgewachsenen Monstertraktor 8R. Was macht ein Trecker auf der CES, könnte man sich fragen. Tatsächlich ist das wenig verwunderlich, die Landwirtschaft ist nämlich die Branche, die weltweit die meisten Roboter im Einsatz hat.

Moderne Traktoren arbeiten und navigieren heute bereits weitgehend autonom. Der Fahrer kann sich auf die Überwachung der Arbeiten konzentrieren, das Steuern übernimmt die Maschine. Diesen halbautonomen Status lässt der R8 hinter sich, er kann 24 Stunden am Tag selbstständig auf dem Feld arbeiten und soll noch in diesem Jahr in Großserie gehen.

Komplett autonome Maschine

Es ist nicht die erste vollautonome Landwirtschaftsmaschine, aber der erste ausgewachsene Allzweck-Traktor. Auch wenn ein Mensch an Bord nicht benötigt wird, verfügt der R8 doch über eine klimatisierte Luxuskabine. Laut John Deere wird der Robotertraktor die Arbeitskosten senken. Wenn nötig, kann die Maschine 24 Stunden am Tag eingesetzt werden, um die Ernte einzufahren. Über ein tragbares Gerät mit einer mobilen App, die Live-Videos und relevante Daten in Echtzeit anzeigt, lässt sich der Traktor aus der Ferne überwachen.

Um zu navigieren, benutzt der R8 sechs Stereokamerapaare. Wenn sich etwas Ungewöhnliches in seinem Weg befindet, kann der Traktor die Situation einschätzen und entweder weiterfahren oder anhalten und Hilfe anfordern. Abgesehen von der Größe ist die technische Aufgabe bei Weitem nicht so komplex wie bei einem Pkw im Straßenverkehr. Letztlich ist der Einsatzbereich auf die Sondersituation Acker begrenzt. Im Arbeitsmodus ist die Geschwindigkeit gering. Und sollte wider Erwarten etwas auftauchen, was die KI der Maschine überfordert, dann kann der R8 einfach anhalten. Man sollte aber nicht vergessen, dass das Fahren nur ein Teil der Aufgaben des Roboters ist. Gleichzeitig muss er den Arbeitsvorgang, für den er auf dem Feld ist, überwachen - also das Mähen, Sähen oder Pflügen.

Bereits auf dem Feld 

Ausgewählte Landwirte in den USA testen das Gerät schon seit 2019. John Deere wird nicht nur den R8 als komplettes System verkaufen, sondern auch einen Set von Kameras und Sensoren, die vorhandene Maschinen auf einen voll-autonomen Staus umrüsten können. Experten schätzen, dass der Kit etwa 50.000 US-Dollar kosten wird. Auch das ist ein Vorteil der Agrarindustrie. Ein Hersteller von Pkws könnte kaum ein System zu diesem Preis anbieten. Aber auch in der Landwirtschaft ist anzunehmen, dass die Roboterpreise sinken und dann auch kleinere Maschinen umgerüstet werden können.

Die Robotisierung der Landwirtschaft ist dringend nötig, sagt John Deere, weil es weltweit immer schwerer fällt, Fachkräfte zu finden, die auf dem Land arbeiten wollen. Obwohl die Weltbevölkerung nicht mehr so ungebremst wächst wie noch vor zehn Jahren, gibt es für die Landwirtschaft keine Entwarnung. Der zunehmende Wohlstand führt zu einem überproportionalen Anstieg des Nahrungsbedarfs. Parallel zu Giganten wie den R8 werden kleine Roboter entwickelt, die einzelne Pflanzen pflegen und bewässern können. Mit ihnen soll es auch in Zukunft möglich sein, arbeitsintensive Kleinlagen zu bearbeiten. Die Technik könnte so dazu beitragen, dass auch weiterhin Bergbauern ihren Hof bestellen können.


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